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Stöger beweist Gespür für BVB-Problemfälle wie Schürrle

Dortmund.  Der BVB sucht mit seinem neuen Trainer noch nach einem unumstrittenen Stil. Einigen Spielern hat der Österreicher zu neuer Stabilität verholfen.

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Die Künste eines Trainers müssen vielfältig sein. Peter Stöger schnitt das Thema am Donnerstag allerdings nur kurz an, als er gefragt wurde, wie Borussia Dortmund denn gedenke, sich auf den Spielstil des Hamburger SV einzustellen. Der sei, nun ja, von recht überschauberer Kunstfertigkeit und daher ein Fußball, der recht wenig mit Fußball erster Güte zu tun habe. „Das ist die Kunst eines Trainers: vorbereitet zu sein“, sagt BVB-Trainer Stöger vor dem Bundesliga-Duell am Samstag (15.30 Uhr/Sky) mit dem mal wieder verheerend durch die Saison schlingernden HSV.

Schürrle wirkt gefestigter

Aber vorbereitet zu sein ist eben nicht die einzige Fertigkeit eines Trainers. Von Stöger durfte zuletzt der Eindruck gewonnen werden, dass er vielleicht nicht den hübschesten aller vorstellbaren Stile spielen lässt, dass er aber ein recht brauchbares Gespür für einige seiner Spieler zu haben scheint.

Vor allem für jene, deren Selbstvertrauen im alten Jahr womöglich ein wenig gelitten hatte. Namentlich Ömer Toprak, Jeremy Toljan, Shinji Kagawa und André Schürrle, die deutlich gefestigter wirken.

Letzterer gefiel beim 3:2-Sieg in Köln als umtriebiger Vorlagengeber und Siegtorschütze. „Meine Aufgabe ist, ihm Vertrauen zu geben, damit er wieder auf dem Level andocken kann, auf dem er schon einmal war“, sagt Peter Stöger und skizziert damit, wie er sich solchen Personalien nähert: mit Empathie, mit Lob, mit Geduld.

Schon Wochen vorher attestierte Stöger seinem Nationalspieler, auf einem guten Weg zu sein. Der Trainer schätzt Profis, die sich reinhängen, die sich entschlossen entgegenstellen, wenn die Dinge nicht von allein funktionieren wollen. „Es gibt Phasen bei Spielern, in denen es einfacher geht. Und es gibt Phasen, in denen es schwieriger ist und sie ins Grübeln geraten. Wir begleiten sie da durch“, sagt Stöger. Was ein bisschen esoterisch klingt, funktioniert offenbar.

So hat sich Shinji Kagawa einer sehr guten Form schon wieder beträchtlich angenähert. Der offensive Mittelfeldspieler pendelte in der Vergangenheit zwischen Feld und Reservebank. Unter Stöger fehlte er bislang keine Minute.

„Shinji ist ein Spieler, auf den man sich verlassen kann, was den Aufwand betrifft“, sagt Stöger. Technik und Torgefahr kämen hinzu. Kagawa dankt das Vertrauen bisher mit Leistung. Beleg: drei Tore und zwei Vorlagen in den vergangenen sechs Spielen.

Innenverteidiger Toprak kam im Sommer von Bayer Leverkusen zum BVB und geriet im offensiven System des Stöger-Vorgängers Peter Bosz ins Zentrum der Kritik. In der defensiveren Ausrichtung Stögers fühlt sich der 28-Jährige deutlich wohler, liefert solide Leistungen ab und gefällt – zuletzt in Köln – sogar als der derjenige der beiden Innenverteidiger, der das Spiel mit Pässen tief ins Mittelfeld eröffnen kann.

Brillant ist das alles sicher noch nicht, aber Stöger hat Geduld. „Wir sind der Meinung, dass es die Defensivreihe ganz gut macht. Da fällt es mir schwer, einen rauszunehmen“, begründete der Trainer bislang, warum der hoch veranlagte Winter-Neuzugang Manuel Akanji noch keine Berücksichtigung in der Startformation fand.

Vertrauen auf individuelle Klasse

Jeremy Toljan hatte nach seinem Wechsel im Sommer von Hoffenheim zum BVB auch keine ganz leichte Zeit. Aber auch er wirkt nun wieder gefestigter, sicherer, gar mutiger. Selbstvertrauend setzte er sich vor dem Dortmunder Führungstreffer in Köln auf der Seite durch. Und wenn nicht um Haaresbreite eine Abseitsentscheidung im Wege gestanden hätte, dann wäre er als Vorlagengeber eines zweiten Treffers notiert worden.

„Qualität ist ja da“, sagt Peter Stöger gern über die Spieler des BVB. Heißt wohl: Er vertraut auf die individuelle Klasse und lässt das auch jene wissen, die gerade zweifeln.

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