Borussia Dortmund

Was wird beim BVB aus Raphael Guerreiro?

Raphael Guerreiro bei seinem wohl letzten Heimspiel für Borussia Dortmund. 

Raphael Guerreiro bei seinem wohl letzten Heimspiel für Borussia Dortmund. 

Foto: Bernd Thissen / dpa

Dortmund.  BVB-Sportdirektor Zorc dementiert einen unmittelbar bevorstehenden Wechsel Guerreiros. Der Portugiese könnte den Klub dennoch verlassen.

Wie in jedem größeren Unternehmen gibt es auch bei Borussia Dortmund einen Pressespiegel, in dem die Verantwortlichen jeden Morgen nachlesen können, was über ihren Klub berichtet wird. Im Falle des BVB ist das regelmäßig eine ganze Menge, und nicht selten ist auch für die Klubbosse Überraschendes dabei. Am Donnerstagmorgen etwa erfuhr Sportdirektor Michael Zorc von einem fast perfekten Transfer: Der Wechsel von Raphael Guerreiro zu Paris Saint-Germain sei im Prinzip ausverhandelt, 15 Millionen Euro kassiere Dortmund für den Portugiesen.

„Ich war überrascht, das entbehrt jeder Grundlage“, sagte Zorc im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es hat keinerlei Gespräche mit Paris gegeben.“ Für Zorcs Verhältnisse ist das ein deutliches Dementi, sonst lässt er Transfergerüchte – wie beim BVB üblich – meist unkommentiert.

Guerreiro also steht nicht unmittelbar vor einem Wechsel. Dass er aber den BVB in diesem Sommer verlässt, ist alles andere als unwahrscheinlich. Der Portugiese gehört zu jenen Spielern, denen die Dortmunder einen Abschied zwar nicht aktiv nahelegen, bei denen sie aber zuhören würden, wenn ein Klub mit einem attraktiven Angebot auf sie zukäme. Bislang ist dies noch nicht geschehen, aber bis zur Schließung des Transferfensters ist ja noch fast zwei Monate Zeit.

Wie Guerreiro verzichtbar wurde

Dennoch bleibt die Frage: Wieso steht einer wie Guerreiro überhaupt zur Disposition? Einer, der 2016 als Europameister kam, als eine der Entdeckungen des Turniers? Einer, der mit traumwandlerisch sicherer Ballbehandlung beeindruckt, der außerdem jederzeit in der Lage ist, mit einer überraschenden Aktion die gegnerische Hintermannschaft aufzureißen? Der einen fantastischen linken Fuß hat und flexibel einsetzbar ist? Einer, den sein damaliger Trainer Thomas Tuchel „Bessermacher“ taufte, weil er an guten Tagen auch in den kompliziertesten Situationen stets eine Lösung findet und damit die ganze Mannschaft auf ein höheres Niveau hebt? Und überhaupt: Wieso holt man einen Linksverteidiger Nico Schulz für 25 Millionen Euro, wo man doch einen Guerreiro hat? Fragen wie diese werden zuhauf bewegt in den Foren, in denen sich Fans und Interessierte mit Borussia Dortmund auseinandersetzen.

Doch es gibt natürlich gute Gründe, warum man beim BVB zu dem Schluss gekommen ist, dass Guerreiro im Zweifel verzichtbar wäre – mal mehr, mal weniger profane.

Da ist die Vertragssituation des 26-Jährigen: Aktuell ist er bis 2020 an den BVB gebunden, Gespräche über eine Verlängerung scheiterten im Frühjahr. Will Dortmund also eine Ablösesumme generieren, müsste der Portugiese noch in diesem Sommer verkauft werden. Und eine Ablösesumme könnte der BVB gut gebrauchen, er hat in diesem Sommer ein beachtliches Transferdefizit angehäuft, hat fast 130 Millionen Euro für Zugänge ausgegeben und nur knapp über 80 Millionen für Abgänge kassiert.

Und auch sportliche Gründe gibt es einige: Guerreiro kam zwar als Linksverteidiger nach Dortmund, spielte diese Position aber fast nie. Tuchel sah ihn lieber im zentralen Mittelfeld, fand ihn auf links verschenkt. Tuchels Nachfolger vermissten beim Portugiesen schlicht die defensive Stabilität.

Fehlendes Tempo, fehlende Konstanz

Für die offensive Außenbahn fehlt ihm das Tempo, auf das der BVB nun noch stärker setzt. Und im Zentrum ist die Konkurrenz gigantisch groß: Axel Witsel, Thomas Delaney, Marco Reus, Mario Götze, Julian Brandt, Mahmoud Dahoud und Julian Weigl – sie alle balgen sich um einen der begrenzten Plätze im Zentrum. Guerreiro kann zwar mit dem Ball Dinge, die viele seiner Konkurrenten nicht können -- doch er zeigt sie insgesamt zu selten, in drei Jahren in Dortmund hat er nie die nötige Konstanz in sein Spiel bekommen. Mal war er verletzt, mal durchlebte er Formkrisen, und gelegentlich kamen Zweifel an seiner Berufsauffassung auf.

Ein Wechsel nach Paris also würde für beide Seiten Sinn ergeben: Der BVB hätte eine hübsche Transfereinnahme erzielt – und Guerreiro könnte wieder mit seinem Förderer Tuchel zusammenarbeiten.

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