Kommentar

Corona: Warum "Von Spiel zu Spiel schauen" mehr denn je gilt

Joachim Löw (r.) und Marcus Sorg haben zuletzt drei Länderspielen innerhalb von sieben Tagen erlebt.

Joachim Löw (r.) und Marcus Sorg haben zuletzt drei Länderspielen innerhalb von sieben Tagen erlebt.

Essen.  Kritik an Länderspielen in Pandemiezeiten ist berechtigt. Den Profisport pauschal abblasen zu wollen, ist jedoch wenig zielführend. Ein Kommentar

Das Gesundheitsamt Leipzig hat sich bislang als starker Partner des Fußballs erwiesen. Als RB Leipzig im September das Geisterspiel von Kanzlerin Angela Merkel nicht mitmachen wollte, ermöglichte es 8500 Fans den Stadionzugang. Am Wochenende war es mit seinem Okay trotz diverser Corona-Fälle im Team der Ukraine Kompagnon des Deutschen Fußball-Bundes, dem keine Anstrengungen nachgesagt werden konnten, dass er die Nations-League-Partie lieber abgesagt hätte.

Der DFB hat nun sein Festhalten an Länderspielen begründet und kann mit Verweis auf die Leipziger Behörde unvernünftiges Handeln von sich weisen. Doch dieser Doppelpass zwischen der Unterhaltungsbranche Fußball und einer ihr wohlgesinnten Behörde wird noch unverantwortlicher, da die Uefa die Begegnung der Ukraine in der Schweiz nun gestrichen hat. Anders als in Leipzig hatte der Kantonsarzt in Luzern die weiter dezimierten Gäste in Quarantäne geschickt.

Norwegen verzichtete auf Rumänien-Trip

Der Schweizer und der europäische Verband, der auch immer mehr in der Frage über Sinn und Unsinn von Länderspielen in Corona-Zeiten unter öffentlichen Druck gerät und die Partie letztlich abgesagt hatte, machten damit etwas, was auch beim DFB und in der Bundesliga noch wichtig werden könnte: Sie schauten von Spiel zu Spiel. Genauso wie die Norweger, die nicht nach Rumänien gereist waren.

Keine Frage: Privilegierte Fußballer quer durch Europa fliegen zu lassen, um einen Wirtschaftszweig am Leben zu halten, lässt sich nicht mit Einschnitten und existenziellen Folgen in der Kultur oder der Gastronomie vereinbaren. Den Profisport aber pauschal abblasen zu wollen, ist ebenso wenig zielführend.

DFB hat auch soziale Verantwortung

Mit den Einnahmen aus den TV- und Sponsorenverträgen, die sich auch nicht so leicht aufkündigen lassen, wie man abends auf der Couch vor dem Fernseher vielleicht glaubt, kommt der DFB sogar einer sozialen Verantwortung nach, indem er Amateur- und Nachwuchsspieler fördert. Aber: Gesunden Menschenverstand walten zu lassen und beim nächsten Mal nicht den Joker Gesundheitsamt zu spielen, könnte sich in der Bevölkerung sogar noch als größerer Sieg herausstellen als irgendein 1:0 oder 2:1.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben