Fußball

Darum liegt die Zukunft des deutschen Fußballs in den USA

Gehen auf Bildungsreise in die USA: Dortmunds Sebastian Kehl, Frankfurts Fredi Bobic, Leverkusens Simon Rolfes (v.l.).

Gehen auf Bildungsreise in die USA: Dortmunds Sebastian Kehl, Frankfurts Fredi Bobic, Leverkusens Simon Rolfes (v.l.).

Foto: dpa, imago, getty

Frankfurt/Main.  Der DFB organisiert für Vertreter der Profiklubs eine Bildungsreise. Verband und DFL versuchen, Deutschland fit für die Zukunft zu machen.

Vermutlich könnten es die Sportchefs, -direktoren und -vorstände der Bundesligisten nie so richtig deutlich sagen, wie wichtig ihnen die Länderspielpausen im September und Oktober sind. Endlich einmal durchschnaufen, Handy abschalten und ein paar Tage in den Urlaub fahren. Der Job erlaubt sonst kaum Atempausen.

Umso bemerkenswerter war, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im September zu seiner ersten Innovationswoche ein halbes Dutzend Manager nach Hamburg gelotst hatte, um Zukunftsthemen zu besprechen. Jetzt wurde gar verkündet, dass 16 Führungskräfte Anfang Dezember bei einer viertägigen Leadership-Reise in die USA mitmachen.

Auch Sebastian Kehl reist mit

Organisiert wird der Trip nach San Francisco von der DFB-Akademie, angeführt vom Direktor Oliver Bierhoff und Akademieleiter Tobias Haupt. Mit auf die Reise gehen sollen unter anderem Sebastian Kehl (Borussia Dortmund), Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt), Markus Krösche (RB Leipzig), Rouven Schröder (FSV Mainz), Jochen Saier (SC Freiburg), Simon Rolfes (Bayer Leverkusen) und Jörg Schmadtke (VfL Wolfsburg), dazu Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart) und Marcell Jansen (Hamburger SV) als Repräsentanten der Profiklubs.

Zwischen NBA und NFL

Geplant sind Besuche bei den Golden State Warriors (Basketball) und San Francisco 49ers (American Football), Stippvisiten an der Stanford University und Startup-Unternehmen. „Es geht darum, wie Leadership und modernes Management interpretiert werden, welche Trends und Technologien es gibt, wie die Digitalisierung beispielsweise auch den Fußball verändern könnte“, sagte Bierhoff im Fachmagazin „Kicker“. Dass sich die Entscheider abseits „der Herausforderungen des Alltags“ dafür Zeit nähmen, zeige doch, „dass sich alle Gedanken über die Zukunft machen“. Denn die wirkt abgesehen von einem Toptalent wie Kai Havertz (20, Bayer Leverkusen) eher düster. Bierhoffs Botschaft: Die große Flaute im Nachwuchsbereich kommt erst noch.

Ein Umdenken ist gefragt

Spätestens, wenn 2021 die neue Akademie in Frankfurt fertig ist, soll ein Rädchen ins andere greifen. Bis dahin braucht es möglichst viele Doppelpässe zwischen Liga und Verband. Erforderlich ist ein Umdenken, sagt Bierhoff. Den Fußballlehrern sollen künftig andere Kompetenzen vermittelt werden. Es soll hinterfragt werden, „ob das, was wir machen, noch sinnvoll ist“. Um die Bolzplatzmentalität zurückzugewinnen, könnte es noch zu Revolutionen im Jugendbereich kommen. Der Direktor regte sogar eine Aufspaltung der Dritten Liga in zwei oder drei Staffeln an, um mehr jungen Spielern den Durchbruch zu ermöglichen. Aber liegt hier wirklich das Problem?

DFB-Akademieleiter als Ideengeber

Unmittelbar nach dem WM-Desaster 2018 hatten führende Köpfe, angetrieben von Liga-Chef Christian Seifert, die Köpfe zusammengesteckt. In dem tatendurstigen Tobias Haupt scheint ein Ideengeber gefunden, dem gerade die jüngeren Macher der Liga gerne folgen. Die Fragestellung lautet für den 35-Jährigen: „Was muss sich verändern im deutschen Fußball, damit wir es zurück in die Weltspitze schaffen?“
Wie weit die Nationalmannschaft noch von diesem Anspruch entfernt ist, hat die einfallslose erste Halbzeit in Estland offenbart. Bundestrainer Joachim Löw findet, dass zu wenig über Fußball geredet wird. Dass Bundestrainer Joachim Löw mit dem Niveau der Bundesliga an den ersten sieben Spieltagen nicht einverstanden ist, deutet der 59-Jährige nur subtil an. Zu groß ist die eigene Baustelle mit seiner unfertig wirkenden DFB-Auswahl.

Tristesse im Vereins-Fußball

Doch auch die Europapokalwettbewerbe, die in der kommenden Woche weitergehen, lassen keine Besserung erkennen: In der Champions League übertünchte der Kantersieg des FC Bayern beim Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur die Heimniederlagen von Bayer Leverkusen und RB Leipzig gegen Lokmotive Moskau bzw. Olympique Lyon; in der Europa League hat sich Borussia Mönchengladbach gegen den Wolfsberger AC blamiert, Eintracht Frankfurt unterlag einer besseren B-Elf des FC Arsenal.

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