DFB-Pokal

Dürens Ziel gegen Bayern? „Besser abschneiden als Schalke“

Zehn Tage der Stolz des 1. FC Düren: Die Spieler des Fünftligisten vor dem von einem Bayern-Partner zu Verfügung gestellten und speziell designten Luxusbus, mit dem es zum Pokalspiel nach München ging.

Zehn Tage der Stolz des 1. FC Düren: Die Spieler des Fünftligisten vor dem von einem Bayern-Partner zu Verfügung gestellten und speziell designten Luxusbus, mit dem es zum Pokalspiel nach München ging.

Foto: Manfred Heyne via www.imago-images.de / imago images/foto2press

Düren/München.  Bloß nicht acht Gegentore: Fünftligist 1. FC Düren ist im DFB-Pokal gegen den FC Bayern an diesem Donnerstag klarer Außenseiter.

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Das gilt für den Profifußball genauso wie für die Klubs in den unteren Regionen. Wolfgang Spelthahn ist Präsident des 1. FC Düren. Der Klub hat anspruchsvolle Ziele, will in dieser Saison aus der Oberliga Mittelrhein in die Regionalliga aufsteigen. Für die Spieler des Fünftligisten könnte sich aber schon dieser Donnerstag als finanziell lohnenswertester Tag der Spielzeit herausstellen. „Mich hat es gefreut, dass der Mannschaftsrat mit mir vorher über die Siegprämien verhandeln wollte“, sagt Spelthahn über die bevorstehende Erstrunden-Nachholpartie im DFB-Pokal (20.45 Uhr/Sport 1 und Sky). Warum auch nicht auf ein Weiterkommen spekulieren? Gegner ist doch nur der FC Bayern.

Hoffnungen sind beim Außenseiter aus Düren klein

Die Liste der Pokalsensationen ist umfassend, der letzte unrühmliche Eintrag des Rekordsiegers aus München liegt aber lange zurück. Selbst wenn der FC Bayern gegen Düren ohne zu schonende Nationalspieler und dafür mit den vier Last-Minute-Zugängen Douglas Costa, Eric Maxim Choupo-Moting, Marc Roca sowie Bouna Sarr antritt, sind beim Außenseiter die Hoffnungen eher klein, am Freitag mit „Quintupelsieger-Besieger“ bedruckte T-Shirts in Auftrag zu geben. „Wir wollen besser abschneiden als Barcelona und Schalke“, sagt Spelthahn. Oder anders formuliert: bloß nicht acht Gegentreffer kassieren.

Gleichwohl erwartet der 57 Jahre alte Landrat des Kreises Düren für die Spieler und für sich „das Spiel des Lebens“. Denn für die Partie haben die Dürener das Heimrecht getauscht, statt in der Westkampfbahn wird in der Allianz-Arena gespielt. Spelthahn: „Corona ist leider der Wermutstropfen in dieser schönen Geschichte, für uns und auch für viele andere Amateurvereine waren die Auflagen in Düren nicht zu stemmen, daher der Ortswechsel.“

FC-Bayern-Partner spendiert Fahrt im Luxusbus nach München

Der Erlebnisfaktor wird jedoch durch die Tatsache geschmälert, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in der bayerischen Landeshauptstadt keine Zuschauer im Stadion erlaubt. „Das ist sehr schade, Hunderte Fans wollten uns an die Isar begleiten, dennoch dürften sich unsere Jungs wohl ein ganzes Leben an das Spiel in der Arena erinnern und davon erzählen.“ Und die Anhänger des Klubs, der 2017 aus einer Fusion mehrerer Vereine der Region hervorgegangen ist, können unter Einhaltung der Schutzvorkehrungen in einem Dürener Kino ansatzweise Stadionatmosphäre erfahren.

Die Mannschaft hat bereits zwei Tage vorher die 600 Kilometer weite Reise vom Nordrand der Eifel nach München hinter sich gebracht. Ein Partner des FC Bayern stellt dem 1. FC Düren für zehn Tage einen in dessen Vereinsfarben Blau und Gelb designten und mit dem Klubmotto „Düren spüren“ verzierten Bus zur Verfügung. „Eine tolle Aktion“, sagt Spelthahn, der vor 20 Jahren Gründungsmitglied des größten FC-Bayern-Fanklubs in der Euregio Maas-Rhein war, „leider ist der schöne Höhenflug am Freitag mit der Rückfahrt wieder vorbei.“ Dem Motorenstart am Dienstagmorgen vorausgegangen war übrigens der vierte Corona-Test – die Ergebnisse fielen allesamt negativ aus.

Düren verstärkt sich noch schnell mit einem Ex-Kölner

Für Dürens Trainer Pepe Brunetto steht gegen die Bayern trotz der zu erwartenden Niederlage der Genuss im Vordergrund. „Natürlich bekommen die Spieler einen Plan, natürlich wollen wir uns auch gut aus der Affäre ziehen“, sagte der 47-Jährige, im Alltag im Außendienst eines Dienstleisters tätig. „Aber wir werden uns nicht so auf dieses Spiel vorbereiten wie sonst auf ein Meisterschaftsspiel.“ Gerade noch rechtzeitig hat Brunetto aber einen neuen Spieler zur Verfügung gestellt bekommen: Adam Matuschyk (31), einst beim 1. FC Köln aktiv und zuletzt vereinslos. Der frühere polnische Nationalspieler wurde aber vielmehr verpflichtet, um das eigentliche Ziel des 1. FC Düren zu verwirklichen. Die bis zu 200.000 Euro, die das Pokalspektakel bringen kann, will der Verein „direkt wieder in neue Spieler investieren, wir wollen schließlich in dieser Saison den Aufstieg in die Regionalliga schaffen“. Mit außergewöhnlichen Maßnahmen kennt sich Wolfgang Spelthahn inzwischen ja gut aus.

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