EM-Qualifikation 2020

Auslosung EM-Qualifikation 2020: Warum Deutschland nicht bangen muss

Die Qualifikations-Gruppen für die EM 2020 werden am Sonntag in Dublin ausgelost.

Die Qualifikations-Gruppen für die EM 2020 werden am Sonntag in Dublin ausgelost.

Foto: dpa

Essen/Dublin  Um 12 Uhr werden in Dublin die Gruppen der Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 ausgelost. Trotz Krise sollte der DFB nicht bangen.

Wenn man es genau nimmt, dann ist das am Sonntag nur ein Vorgriff auf die Sitzung am 6. Dezember an gleicher Stelle. Dann nämlich wird im Dublin Convention Center ein größeres Treffen abgehalten zum Thema minimalinvasive Herzchirurgie. Nun ist Joachim Löw kein Mediziner, aber immerhin seit zwölf Jahren Bundestrainer, was ihn seit neuestem dazu verpflichtet, schwerwiegende Eingriffe vornehmen zu müssen, sozusagen am offenen Herzen. Die Rahmendaten dazu erhält er am Sonntag (12 Uhr / n-tv live) in Dublin, wenn die Auslosung der Qualifikationsgruppen für die EM 2020 stattfindet und das Ergebnis erste Auskunft darüber gibt, wie komplikationsfrei der Umbau der Fußball-Nationalmannschaft verlaufen könnte, ohne die Teilnahme am Turnier zu verspielen.

„Natürlich hätten wir uns für die Auslosung eine andere Konstellation gewünscht, aber wir stellen uns der Situation und nehmen sie an“, sagte Löw kurz vor seiner Abreise nach Dublin, was als nicht gerade subtiler Hinweis darauf zu verstehen sein konnte, dass das Jahr 2018 eines war, das die deutsche Elite-Mannschaft am liebsten direkt in den Schredder jagen würde: blamables Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Russland, so viele Niederlagen in einem Kalenderjahr (sechs) wie noch nicht in der Verbandshistorie.

Auf diese Top-Nationen kann die Löw-Elf treffen

Die Liste der Symptome einer ernsthaften Erkrankung ließe sich durchaus noch länger fortführen. Und all das führte dazu, dass der stolze Weltmeister von 2014 nun in der neu geschaffenen Nations League den Abstieg aus der Premiem-Gruppe A in die zweitklassige Abteilung B degradiert wurde. Und das wiederum macht die Sache in Dublin – zumindest auf den ersten Blick – etwas heikel.

Denn die miserablen Ergebnisse in der Nations League führen dazu, dass Deutschland nach der neuen Zählart nicht mehr zu den zehn prächtigsten Fußball-Nationen gehört, sondern sich in Lostopf zwei wiederfindet. Und das bedeutet – oh Gott, oh Graus –, dass sich zumindest ein europäisches Schwergewicht in schwarz-rot-goldenen Quali-Gruppe finden wird: Weltmeister Frankreich zum Beispiel, Vize Kroatien, Europameister Portugal, England, die Niederlande, die Schweiz, Belgien, Spanien, Italien oder auch Polen.

Das klingt durchaus bedrohlich, aber der Schrecken verflüchtigt sich recht schnell wieder, wenn man erstens weiß, dass sich aus den Fünfer- bzw. Sechsergruppen die beiden Gruppenersten am Ende für die EM qualifizieren. Und zweitens, dass die namhaftesten weiteren Gegner Serbien oder die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Lettland sind. Es wäre eine Erstaunlichkeit, wenn es der deutschen Mannschaft gelingen würde, nach Doppelspieltagen im März, Juni, September, Oktober und November 2019 nicht auf einem der ersten beiden Plätze zu landen.

Zeichen stehen auf Erneuerung

Deshalb – und weil es allen in diesem Jahr schwer in die Bredouille geratenen Entscheidungsträgern hilft – erhebt man im Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Zuversicht zum Geschäftsmodell. „Ich glaube, dass es gar nicht so schlecht ist, wenn wir auch einen Gegner haben, der ein echter Prüfstein ist", sagt Präsident Reinhard Grindel: „Als Vorbereitung für die EM 2020, als Test um zu sehen, wo stehen wir wirklich in der Phase des Umbruchs, ist der ein oder andere starke Gegner genau richtig." Bislang ist ja nur bekannt, wo der deutsche Fußball jetzt gerade steht: Platz 16 in der Weltrangliste hinter Kolumbien und Chile. Und es ist auch bekannt, dass das so nicht bleiben kann und darf.

Löw hat – wenn auch erst gegen Ende des Jahres und damit fast sträflich verspätet – einen Erneuerungsprozess in seinem Team in Gang gesetzt, den er im neuen Jahr fortführen wird. Zwei "übergeordnete Ziele", sagte er, gebe es: Zum einen will er „junge Spieler an die Auswahl heranführen und ihnen mehr Verantwortung geben". Dieser Prozess erfordere Geduld. "Gleichzeitig wissen wir, dass wir die Ergebnisse brauchen, um uns direkt für die EM 2020 zu qualifizieren."

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