EM-Qualifikation

England ist bereit, ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen

England-Star Raheem Sterling beim Training der Nationalmannschaft.

England-Star Raheem Sterling beim Training der Nationalmannschaft.

Foto: Getty

Sofia.  Das englische Team will in Bulgarien das Feld verlassen, falls es zu rassistischen Vorfällen kommt. Das Problem ist am Balkan weit verbreitet.

Raheem Sterling hat es erlebt. Danny Rose ebenfalls. Und auch Callum Hudson-Odoi. Die englischen Fußball-Nationalspieler sind im März beim Länderspiel in Montenegro unter anderem mit Affenlauten rassistisch beleidigt worden. Englands Nationalteam zeigt sich besonders dieser Tage als Einheit. Was ist, wenn Teile der Zuschauer bei den anstehenden Partien gegen Tschechien (Freitag) und Bulgarien (Montag) ihren Hass auf schwarze Spieler entladen? „Wenn das einem von uns passiert, passiert es allen“, sagte Stürmer Tammy Abraham. „Harry Kane hat gesagt, wenn wir unglücklich sind, wenn ein Spieler unglücklich ist, dann verlassen wir alle gemeinsam das Spielfeld.“ Die Richtlinie der Uefa sieht einen Spielabbruch bei rassistischen Vorfällen nur durch den Schiedsrichter vor.

Beim Em-Qualifikationsspiel am Montag in Sofia werden 5000 der 46340 Plätze im Wassil-Lewski-Nationalstadion unbesetzt sein. Eine Maßnahme der Uefa. Bulgarische Fans waren im Juni bei EM-Qualifikationsspielen rassistisch aufgefallen. Mal wieder.

"Maß an politischer Korrektheit ist hier geringer"

Rassismus und andere Diskriminierungen kommen in Fußballstadien häufig vor. Weltweit. Auch auf dem Balkan. Sei es in Kroatien, Serbien oder Bulgarien. „Studien zeigen, dass das Rassismus-Level zum Beispiel in Kroatien im europäischen Durchschnitt liegt“, sagt der Historiker Andrew Hodges, der zur Fankultur auf dem Balkan forscht und in Zagreb lebt. „Es gibt aber einen Unterschied zu dem, was in Westeuropa politisch toleriert wird. Das Maß an politischer Korrektheit ist hier geringer.“ Gerade im Stadion werden diese Extreme deutlich. Rose machte bereits im Oktober 2012 Erfahrungen mit Rassismus in Serbien. Wenige Monate zuvor warfen kroatische Fans Bananen in Richtung Mario Balotelli. Der Brasilianer Everton Luiz von Partizan Belgrad weinte 2017 auf dem Platz wegen rassistischer Beleidigungen.

Immer wieder Südosteuropa. Warum? Als der Balkan und das öffentliche Leben von sozialistischen Diktaturen geprägt war, konnten nationalistische Kräfte ihre Gesinnung offen nur in den Kurven ausleben. Diese Strukturen und Fan-Gruppen sind geblieben. Besonders junge Menschen ohne Perspektive lassen sich schnell beeinflussen. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens verwüsteten Kriege die Region. Bis heute ist das Verhältnis der Länder untereinander angespannt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch.

Raheem Sterling hatte im März beim EM-Qualispiel das 5:1 erzielt und sich anschließend mit einem Lächeln vor die montenegrinische Fan-Kurve gestellt. Bei Instagram schrieb er damals dazu: „Der beste Weg, um die Hater zum Schweigen zu bringen (und ja, ich meine Rassisten).“

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