Kommentar

Es ist leider zu spät für einen Stopp der WM in Katar

Ein Mann mit Schutzhelm und - weste geht über die Baustelle des Lusail Iconic Stadiums – es ist als einer der Austragungsorte für die WM 2022 vorgesehen.

Ein Mann mit Schutzhelm und - weste geht über die Baustelle des Lusail Iconic Stadiums – es ist als einer der Austragungsorte für die WM 2022 vorgesehen.

Foto: Nikku / dpa

Essen.  Die amerikanische Staatsanwaltschaft legt eine Anklageschrift vor: Demnach seien die WM 2018 und die WM 2022 gekauft worden. Ein Kommentar.

Überrascht wird kaum noch jemand sein, wenn sich jetzt verdichtet, was ohnehin seit langem kaum noch angezweifelt wurde: Die amerikanische Staatsanwaltschaft listet in einer 70-seitigen erweiterten Anklageschrift zum Fifa-Prozess Betrugsvorwürfe bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar auf. Zwielichtige Funktionäre des Weltverbandes sollen sich demnach vor ihrer Entscheidung im Dezember 2010 in Zürich bestechen lassen haben – mit Millionenbeträgen.

Katar hatte Bestechungen stets bestritten, Russland beeilte sich am Dienstag, die Vorwürfe kategorisch zurückzuweisen. Erwartete Reaktionen. Der Prozess läuft schließlich noch. Aber er nimmt jetzt noch einmal richtig Fahrt auf.

Harte Strafen für die Funktionäre

Die Konsequenzen aber werden eher persönlicher Art sein. Funktionäre, denen nachgewiesen werden kann, dass sie die Hand aufhielten, werden mit harten Strafen rechnen müssen. Aber die Fifa als Verband? Und Katar als Ausrichter der nächsten Weltmeisterschaft? Die Vorbereitung der WM 2022 ist zu weit fortgeschritten, und es ist längst viel zu viel Geld dafür investiert worden, als dass es jetzt noch möglich wäre, die Vergabe an Katar, eines der reichsten Länder der Welt, wieder zurückzunehmen.

Wer den Fußball wirklich liebt, konnte nie wollen, dass die WM in dem kleinen Wüstenstaat Katar gespielt wird. In einem Land, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. In dem tausende ausländische Arbeiter auf den Stadion-Baustellen unter unwürdigen Bedingungen schuften. In dem zudem im Sommer, im traditionellen Ausrichtungszeitraum, Temperaturen um 40 Grad herrschen, so dass das Turnier in den Winter verlegt werden musste.

Schrecklich für den Fußball

Der Kreml hat aktuell noch mal betont, Russland habe ganz legal „die beste WM der Geschichte abgeliefert“. Die Scheichs werden nach dem Turnier 2022 Ähnliches behaupten. Das Ganze ist schrecklich für den Fußball, aber garantiert nicht mehr zu ändern.

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