Bundesliga

Aufsteiger Fortuna Düsseldorf hat selbst den FC Schalke 04 abgehängt

Adam Bodzek (oben, l.) und seine Düsseldorfer Mitspieler feiern unverhofft oft Torerfolge und Siege wie hier jüngst beim 3:0 über den VfB Stuttgart.

Adam Bodzek (oben, l.) und seine Düsseldorfer Mitspieler feiern unverhofft oft Torerfolge und Siege wie hier jüngst beim 3:0 über den VfB Stuttgart.

Foto: dpa

Düsseldorf  Nach knapp zwei Dritteln der Bundesliga-Saison hat Fortuna Düsseldorf 25 Punkte auf dem Konto – das sind drei mehr als Vizemeister Schalke 04.

Ein bisschen brummen gehört bei Friedhelm Funkel sozusagen zum guten Ton. Am 3:0 von Fortuna Düsseldorf gegen den VfB Stuttgart gab es nun aber fast nichts auszusetzen. Also grummelte der Trainer des Landeshauptstädter am Sonntagabend eben ein wenig wegen der Uhrzeit. „Ist schon wieder neun geworden“, knarzte der Vollbartträger vor sich hin, als er die Arena am Rheinufer nach Fortunas siebtem Saisonsieg endlich verlassen konnte. Und es klang, als würde Funkel im nächsten Moment wieder in seinem Büro sitzen und für den Fußball-Bundesligisten den Trainingsplan für die nächste Woche entwerfen.

Mit seinem erdigen Arbeitsethos hat der gebürtige Neusser die Düsseldorfer Profischar längst infiziert, seit Mitte Dezember stimmt mit wachsender Zuverlässigkeit auch der sportliche Ertrag. Ausrutscher wie gegen Leipzig (0:4) oder im Pokal auf Schalke (1:4) sind nach wie vor nicht ausgeschlossen, doch um diese beiden Pleiten herum haben die Aufsteiger fünf von sieben Ligaspielen verdient gewonnen, in Hoffenheim zudem ein 1:1 stibitzt.

Fortuna versinkt nach Niederlagen nicht in Schwermut

Macht nach knapp zwei Dritteln der Saison eine bemerkenswerte Zwischenbilanz von 25 Punkten – das sind drei mehr als Vizemeister Schalke 04, zehn mehr als Wochenendgegner Stuttgart auf dem Relegationsplatz. Als einer der größten Abstiegskandidaten gestartet, zeichnet die Düsseldorfer vor allem eines aus: Sie versinken nach Niederlagen nicht in Schwermut, andererseits strahlen sie selbst auf der jüngsten Erfolgswelle einen Überheblichkeitslevel nahe dem Nullpunkt aus. „Wir müssen weiter hart arbeiten, so wie wir das bislang auch gemacht haben“, erklärte Offensivkraft Dodi Lukebakio das schlichte Rezept der Rheinländer, das sie vor dem Nachbarschaftsduell am Sonntag in Leverkusen (18 Uhr/Sky) bis hinauf auf Rang zwölf gehievt hat.

Gegen die Schwaben waren die Hausherren hellwach. Keiner in der bienenfleißigen Elf stach besonders heraus, keiner fiel sonderlich ab. „Wir haben bei Fortuna keine Stars“, gab Übungsleiter Funkel das Lebensgefühl im Team wieder. Dem munteren Lukebakio etwa empfahl er nach dessen drei Toren beim 3:3 in München Ende November den Gebrauch von „Bleischuhen“ – auf dass der 24-Jährige entgegen der speziellen Düsseldorfer Schwerkraftgesetze nicht plötzlich einen Zentimeter abhebe.

Düsseldorf wird latent noch immer unterschätzt

Nach der Demontage der Stuttgarter sagte Funkel über den Leihspieler des FC Watford nun: „Ich bin froh, dass Dodi auch Defensivarbeiten erledigt.“ So wie alle anderen. „Das wir zu Null gespielt haben, liegt an allen Spielern. Das ganze Team hat fantastisch nach hinten gearbeitet“, betonte der Mann mit den jetzt 800 Bundesligaeinsätzen als Profi und Trainer – und dazu erwähnte Funkel, welches Credo er seinem Ensemble mit auf den Weg gebe: „Es ist geil, Tore zu schießen. Aber es muss auch geil sein, Tore zu verhindern.“

Aggressivität auf dem Rasen haben die Düsseldorfer fast im Übermaß. Und Funkel hat in seinem widerstandskräftigen Team, das latent noch immer unterschätzt wird, inzwischen reichlich Alternativen: Gegen Stuttgart überraschte der 65-Jährige mit der Aufstellung von Kenan Karaman als Mittelstürmer, dazu veränderte er sein Team im Vergleich zum Pokalduell mit Schalke auf gleich acht Positionen.

„In Englischen Wochen kommt es schon mal vor, dass man rotiert. Aber so extrem – da musste der Trainer selbst zugeben, dass er das noch nicht oft gemacht hat“, kommentierte Verteidiger Kaan Ayhan, einer aus dem Trio, das in beiden Partien in der Startformation stand, den exzessiven Austausch. Andererseits hielt der gebürtige Gelsenkirchener schmunzelnd fest: „Er hat alles richtig gemacht."

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