Fußball

Fortuna diskutiert über bloßgestelltes Mitglied

Wolfgang Fiegen bei der Mitgliederversammlung von Fortuna.

Foto: Falk Janning

Wolfgang Fiegen bei der Mitgliederversammlung von Fortuna. Foto: Falk Janning

Düsseldorf.   Der Zweitligist Fortuna Düsseldorf verrät pikante Details über einen abgelehnten Aufsichtsratskandidaten. Ist das korrekt? Gericht entscheidet.

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Wenn Wolfgang Fiegen ans Rednerpult tritt, dann wissen die Mitglieder von Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf seit vielen Jahren: Jetzt wird es chaotisch. Der frühere Angestellte des Landeskriminalamts ist berüchtigt für seine schrägen Anträge, die zumeist fast einstimmig abgelehnt werden, und auch für stets gescheiterte Kandidaturen für Vereinsämter.

Bisher gelang es einem Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglied Fortunas stets, Fiegen dessen Antrag auszureden, mitunter wurde er von den Mitgliedern auch niedergebuht, ausgelacht oder – wie im Vorjahr – wegen allzu deftiger Ausdrucksweise am Rednerpult des Saales verwiesen. Am Sonntag jedoch nahm das Theater eine neue Dimension an. Im Vorfeld der Aufsichtsratswahl hatte Fortunas zuständiger Wahlausschuss Fiegens Kandidatur wie gewohnt abgelehnt – diesmal jedoch ging das streitbare Mitglied vor Gericht und wollte sich einklagen. Verhandelt wurde sein Einspruch freilich erst gestern, zwei Tage nach der Wahl. Die Aussetzung von Fiegens einstweiliger Verfügung unterstreicht Fortunas Ansicht, dass die Ablehnung rechtens war.

Auskunftsanspruch der Mitglieder

Doch der Verein ging noch weiter. Thomas Bollien, Vorsitzender des Wahlausschusses, berichtete den 869 stimmberechtigten Mitgliedern detailliert die Gründe der Ablehnung. Er zitierte nicht nur schwerwiegende Gerichtsurteile gegen Fiegen aus den vergangenen fünf Jahren, sondern auch aus dessen Krankenakte. „Wir haben Herrn Fiegen alles im persönlichen Gespräch mitgeteilt“, sagte Bollien. „Da er jedoch nicht den satzungsgemäßen Weg, sondern über ein Gericht ging, sehen wir uns gezwungen, die Gründe öffentlich zu machen.“

Für den Sportrechtler Paul Lambertz ist diese Weitergabe pikanter privater Details rechtmäßig. „Jedes Vereinsmitglied hat grundsätzlich einen Auskunftsanspruch gegen den Verein. Auch die Beantwortung der Frage, warum ein für die Wahl des Aufsichtsrates vorgeschlagenes Mitglied nicht zur Wahl zugelassen wurde, fällt unter diesen Auskunftsanspruch“, erklärt der Rechtsanwalt der DWF Germany aus Köln. Zudem hätte Fiegen seinen Vorschlag nach der Ablehnung zurücknehmen können, „um eine Nennung der Gründe in der Mitgliederversammlung zu umgehen“.

Empörung bei Fortuna-Mitgliedern

Etliche Mitglieder sind dennoch empört. „Unter ethischen Gesichtspunkten muss man das Outing verurteilen“, schreibt Rainer Bartel in seinem Blog „The Düsseldorfer“, und Serkan Brok ergänzt bei Facebook: „Kein Mensch auf Erden hat es verdient, so bloßgestellt zu werden.“ Christoph Peters schreibt gar: „Da hat Fortuna sich von ihrer hässlichsten Seite gezeigt.“ Ob man so weit gehen muss, sei dahingestellt, und viele Anhänger zeigen sich mit dem Weg des Wahlausschusses auch einverstanden. Zurück bleibt die Frage, ob es nicht cleverer gewesen wäre, bei den Gründen für Fiegens Ablehnung einfach nicht öffentlich ins Detail zu gehen.

Ohne Ergebnis hat das Amtsgericht am Dienstag nun über Fiegens Nicht-Zulassung zur Wahl verhandelt. Der langjährige Angestellte des Landeskriminalsamts nutzte den Termin, um seine Verdachtskündigung beim LKA wegen Morddrohung gegen einen Vorgesetzten zu kritisieren. Fiegen sieht das als Hauptgrund für seine Nicht-Zulassung zur Wahl. Dabei sei er strafrechtlich von jedem Tatverdacht freigesprochen worden, bei zwei Instanzen vor dem Arbeitsgericht war er aber mit seiner Klage gegen den Verdachts-Rausschmiss gescheitert.

Die Fortuna-Spitze, samt Anwalt zum Prozess erschienen, konterte: Fiegen fehle „die persönliche Eignung“. Für einen Spitzenposten im Verein sei er „nicht kompatibel“, so der Fortuna-Anwalt und ergänzte: „Fortuna ist kein Dorfverein“, sondern vergleichbar mit einem „großen Unternehmen“. Und „für jene Position, für die er sich bewarb“, sei auch Zuverlässigkeit nötig. Um Fiegen für ein Führungsgremium des Zweitligisten nicht zuzulassen, genüge „schon der Verdacht schwerer Verfehlungen“, so der Anwalt. Das Urteil der Richterin wird am Freitag erwartet.

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