Interview

Sobottka spürt bei Schalke wieder Malochermentalität

Ball im Blick: Düsseldorfs Marcel Sobottka zirkelt die Kugel an Bremens Torwart Jiri Pavlenka vorbei und hofft auf den richtigen Abnehmer. Die Fortuna gewann das Auswärtsspiel an der Weser im August 3:1.

Ball im Blick: Düsseldorfs Marcel Sobottka zirkelt die Kugel an Bremens Torwart Jiri Pavlenka vorbei und hofft auf den richtigen Abnehmer. Die Fortuna gewann das Auswärtsspiel an der Weser im August 3:1.

Foto: imago

Düsseldorf.  Für Düsseldorfs Profi Marcel Sobottka ist die Rückkehr nach Schalke etwas Spezielles. Früher war er Balljunge in der Veltins-Arena.

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Marcel Sobottka hat an Schalke 04 ganz besondere Erinnerungen. Bei den Königsblauen lernte er das Fußball-ABC und unternahm die ersten Schritte im Profibereich, ohne jedoch ein Pflichtspiel für die Königsblauen zu bestreiten. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) kommt der 25-Jährige mit Fortuna Düsseldorf als Gegner in die Veltins-Arena.

Herr Sobottka, die wichtigste Frage vorweg: Wie geht es Ihnen?

Marcel Sobottka: Danke, mir geht es gut. Nach dem dritten Spieltag hatte ich einen Faserriss, der mich etwas zurückgeworfen hat. In der ersten Länderspielpause bin ich krankheitsbedingt ausgefallen. Das sind Dinge, die im Fußball normal sind. Jetzt ist alles okay. Ich hoffe, dass ich am Samstag gegen Schalke dabei bin.

Sie haben mit der Fortuna das rheinische Derby gegen den 1. FC Köln gewonnen. Für die Fans sind solche Spiele Festtage, über die noch wochenlang gesprochen wird. Wie ist das bei den Spielern?

Sobottka: Natürlich ist so ein Derby etwas ganz Besonderes. Nach dem Köln-Spiel waren wir zwei, drei Tage richtig gut gelaunt. Man genießt diesen Erfolg kurz, aber eben nicht über längere Zeit, weil wir uns wieder auf die nächste Aufgabe fokussieren müssen. Jetzt ist der Fokus komplett auf Spiel auf Schalke gerichtet, da müssen wir wieder performen. Dann noch darüber nachzudenken, dass unser Köln-Spiel gut gelaufen ist, würde nichts bringen.

Sie stammen gebürtig aus Gelsenkirchen. Gibt es noch Kontakte in ihre alte Heimatstadt?

Sobottka: Ich bin in Kirchhellen aufgewachsen und auch zur Schule gegangen. Meine Oma und mein Opa haben in Gelsenkirchen gewohnt, die Geschwister meiner Frau wohnen auch noch dort, sie sind auch Schalke-Fans. Später bin ich zur Gesamtschule Berger Feld gegangen, als ich bei Schalke in der Jugend gespielt habe. Natürlich kennt man noch ein paar Leute von früher.

Sie haben die Knappenschmiede durchlaufen, sind nach Zwischenstationen in Wattenscheid und Oberhausen wieder zurückgekehrt und haben den Sprung zu Schalkes Profis geschafft. Was haben Sie aus der Zeit bei den Königsblauen mitgenommen?

Sobottka: Natürlich prägt einen das. Ich war zu meiner Zeit als junger Spieler mehr auf dem Schalker Vereinsgelände als zuhause. Die Schule war nur 500 Meter Luftlinie entfernt, alles drehte sich um den Klub. Das war schon etwas Besonderes. Dazu war ich auch noch Balljunge bei Profispielen.

Ist da ein besonderes Erlebnis mit einem Star hängengeblieben?

Sobottka: Das waren meine ersten Kontaktpunkte zum Profi-Fußball. Ich war bei Länderspielen auf Schalke im Einsatz, bei Meisterschaftsspielen und auch in der Champions League. Wenn du da als Balljunge am Rand stehst, konzentrierst du dich wirklich nur auf diese Aufgabe, weil du alles richtig machen willst. An ein besonderes Erlebnis kann ich mich nicht erinnern. Und auch die Gedanken, dass man selbst einmal als Profi in dieser Arena spielen möchte, hatte ich nicht, weil man sich eben so auf seinen Job als Balljunge konzentriert.

Ein Profispiel in der Veltins-Arena war Ihnen nicht vergönnt. Fehlt das in der Vita von Marcel Sobottka?

Sobottka: Nein, das fehlt mir nicht. Ich bin kein Typ, der zurückblickt und überlegt: Was wäre gewesen, wenn der und der Fall eingetreten wäre. Ich bin froh, dass für mich alles so gelaufen ist. Ich habe in der Veltins-Arena mal ein Vorbereitungsturnier mit den Schalker Profis gespielt. Und mit der Schalker U19 dort das Halbfinal um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft gegen den VfL Wolfsburg ausgetragen. Natürlich nicht vor 60.000 Fans, aber ein Pflichtspiel war es trotzdem (lacht).

Auch, wenn Sie mit den Profis nicht um Punkte gespielt haben, gab es mehrere beeindruckende Erlebnisse als Mitglied des Kaders. Erinnern Sie sich noch an das Frühjahr 2015, das Champions-League-Spiel bei Real Madrid?

Sobottka: Ja, das werde ich nie vergessen. Ich stand im 18er-Kader, wir haben dort mit Schalke 4:3 gewonnen. Mit einem 5:3 wären wir eine Runde weiter gekommen. Alleine das Aufwärmen im Bernabeu-Stadion war ganz besonders. Real ist ein großer Verein, da herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre. Ich weiß noch, wie wir bei der Anfahrt zum Stadion mit dem Mannschaftsbus von einer Polizeieskorte begleitet wurden. Die haben für uns die komplette Straße gesperrt und den Gegenverkehr abgeriegelt, damit wir mit dem Bus da durch konnten. Nach dem Sieg gab es mit den Schalke-Fans viel zu feiern – trotz des Ausscheidens. Mein Trikot aus diesem Spiel habe ich als Andenken behalten. Solche Begegnungen erlebt man nicht allzu oft.

Im vergangenen Frühjahr gab es in der Bundesliga ebenfalls ein Spiel, das in Schalkes Geschichtsbücher einging: Das 0:4 gegen Ihre Fortuna gilt als Schalkes schwärzeste Stunde der letzten Saison. Wie haben Sie auf dem Platz die Begegnung erlebt?

Sobottka: Wir wussten vorher, dass Schalke in einer schwierigen Situation steckt und uns war klar, dass das Publikum schnell unruhig wird, wenn es nicht nach Wunsch läuft. Wir haben unser Konzept gut umgesetzt. Die Schalker Anhänger waren unzufrieden. Als Spieler geht so ein Druck von außen nicht spurlos an dir vorüber. Wir haben in der zweiten Halbzeit eiskalt gekontert. Von uns war es ein Super-Spiel, wobei man sagen muss, dass Schalke zwischenzeitlich das 1:1 hätte machen können. Auf dem Papier war es am Ende ein sehr deutlicher Sieg von uns.

Einer, der in dieser Partie überragende Kritiken bekam, war Benito Raman. Er spielt mittlerweile für Schalke. Kann er den Königsblauen helfen?

Sobottka: Wenn man sich die Statistik anguckt, ist Benito auf jeden Fall ein Spieler mit viel Torgefahr. Das hat er bei uns mit zehn Toren und vier Vorlagen eindrucksvoll bewiesen. Ich bin sicher, dass Schalke mit ihm einen guten Fang gemacht hat. Vielleicht gab es für Benito ein paar Anlaufschwierigkeiten, aber das ist im Fußball nicht ungewöhnlich. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis man sich bei einem neuen Klub zurecht findet. Benito Raman ist ein guter Kicker. Er wird seine Tore für Schalke machen.

Was fällt Ihnen in dieser Saison an Schalke 04 auf?

Sobottka: Ich kann es bisher nur aus der Ferne beurteilen und habe ein paar Spiele im TV gesehen. Was mir auffällt, ist, dass die alte Mentalität, dieses Malocher-Dasein, wieder zurückgekommen ist. Schalke spielt keinen Super-Zauber-Fußball, aber sie betreiben einen hohen Aufwand, sind sehr laufstark. Anfangs lief es noch nicht so gut für sie, aber das 3:0 über Hertha BSC, bei dem den Berlinern zwei Eigentore unterlaufen sind, war so ein bisschen den Knackpunkt zum Positiven. Schalke ist auf dem richtigen Weg.

Reicht es Ihrer Meinung nach für Europa?

Sobottka: Sie haben immer den Anspruch, oben dabei zu sein, aber ich denke, dass Schalke aus der letzten Saison die Lehren gezogen hat und mit einer gewissen Demut an die Sache herangeht. Es gibt viele Mannschaften, die Ansprüche Richtung Champions League oder Europa League anmelden. Ich glaube schon, dass Schalke da mitreden kann, aber sie sollten sich nicht selbst unter Druck setzen.

Was ist für Ihre Fortuna in dieser Saison drin?

Sobottka: Wir haben zwar unsere beiden Top-Torjäger Benito Raman und Dodi Lukebakio verloren, aber trotzdem noch genug Qualität, um erneut den Klassenerhalt zu schaffen. Allerdings wird es in dieser Saison schwieriger. Nur, weil wir es in der letzten Spielzeit durch gute Leistungen gepackt und sicherlich auch überrascht haben, heißt das nicht, dass es jetzt wieder so läuft. Das müssen wir uns alles neu erarbeiten.

Sie spielen jetzt Ihre vierte Saison in Düsseldorf. Was macht die Fortuna so besonders?

Sobottka: Das ganze Umfeld ist sehr familiär. Unsere Mannschaft ist richtig super, wir Spieler verstehen uns alle. Dieser Teamgeist ist auch das, was uns zuletzt immer ausgezeichnet hat. Jeder kämpft für den anderen, einer ist für den anderen da. Fußball ist und bleibt ein Teamsport. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, dann funktioniert es nicht.

Sie haben gerade erst ein rundes Jubiläum im Fortuna-Trikot geschafft: Der Kurzeinsatz gegen Köln war Ihr 100. Pflichtspiel.

Sobottka: Ich war echt erstaunt, dass es schon so viele Spiele sind. Als kürzlich ein Teamkollege für seinen 100. Einsatz geehrt wurde, habe ich interessehalber mal nachgeschaut, wie meine Spielstatistik aussieht. Da waren es 98 Einsätze. Durch den Pokal und das Derby habe ich jetzt die 100 Spiele erreicht. Das macht mich schon ein bisschen stolz. Ich hoffe, dass da noch einige Begegnungen hinzukommen (lacht).

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