Frauenfußball

40.000 Zuschauer und mehr: Frauenfußball vor Rekordkulisse

Volles Haus: Jessica Sigsworth von Manchester United (l.) verfolgt Demi Stokes von Manchester City.

Volles Haus: Jessica Sigsworth von Manchester United (l.) verfolgt Demi Stokes von Manchester City.

Foto: Getty Images

Manchester.  Immer mehr englische Traditionsklubs treten mit Frauen-Teams an. Mehr als 40.000 Zuschauer sieht auch die ambitionierte Profi-Liga als Ausnahme.

Als das Spiel vorbei war, gab es auf der blauen und der roten Seite Manchesters das gleiche Bild zu sehen. Die Spielerinnen von Manchester City bildeten in der einen Hälfte des Rasens einen Kreis, die Spielerinnen von Manchester United taten es in der anderen. Citys Profis konnten sich dazu beglückwünschen, das unterhaltsame erste Manchester-Derby in der Geschichte der Women’s Super League (WSL) zum Start der neuen Saison gewonnen zu haben, 1:0 durch ein herrliches Weitschuss-Tor der Schottin Caroline Weir kurz nach der Halbzeitpause. Auch Uniteds Spielerinnen konnten zufrieden sein. Sie hatten sich als Aufsteiger gut verkauft beim Vizemeister und nehmen aus der Partie die Erkenntnis mit, dass sie konkurrenzfähig sind.

Die harmonische Anmutung nach Schlusspfiff passte zu dem größeren Rahmen, in dem die Partie am Samstag stand. Es ging für die Teams ja nicht nur um die ersten Punkte der Saison, es ging vor allem um eine gemeinsame Sache. Der englische Frauenfußball will den Schwung der Weltmeisterschaft aus dem Sommer mitnehmen, er will mehr Menschen für den Alltag in der einzigen Vollzeit-Profiliga der Frauen in Europa begeistern. Das Manchester-Derby sollte Werbung für die WSL machen, und das gelang. Mehr als 31.200 Menschen waren bei der Partie in Citys Männerstadion zugegen. Das war ein Rekord für eine Frauen-Ligaspiel in England. Am Sonntag wurde er schon wieder gebrochen, als mehr als 40.000 Zuschauer die Partie zwischen dem FC Chelsea und Tottenham Hotspur an der Stamford Bridge sahen.

Um Kapital zu schlagen aus der Begeisterung der WM – die Halbfinal-Niederlage der englischen Nationalmannschaft gegen die USA war das größte TV-Ereignis des Jahres in England – werden in dieser Saison vermehrt Partien aus den kleineren und oft schwer zu erreichenden Frauen-Stadien in die größeren Spielstätten der Premier League verlegt. Die beiden Rekord-Veranstaltungen am ersten Wochenende machten den Anfang. Ende des Monats wird das Spiel von West Ham United gegen Aufsteiger Tottenham im Olympiastadion von 2012 ausgetragen, der Heimat von West Hams Männern. Das erste Nordlondon-Derby in der WSL im November zwischen Tottenham und Meister Arsenal findet im neuen Stadion der Spurs-Männer statt. Englands Frauenfußball sucht die große Bühne in dieser Saison.

Ausnahme Premier-League-Stadion

Allerdings ist den Beteiligten klar, dass Partien in den Arenen der Premier League Ausnahmen sind. Im Alltag geht es für die Frauen-Mannschaften darum, ihre kleineren Spielstätten nachhaltig zu füllen und den Schnitt von zuletzt 833 Zuschauern in der WSL zu heben. „Heute konnten wir unsere Mannschaft ins Schaufenster stellen“, sagte City-Trainer Nick Cushing nach dem Sieg gegen United und verwies auf das Academy-Stadion mit Platz für 7000 Zuschauer, in dem sein Team normalerweise spielt: „Das ist unsere Heimat. Hoffentlich schaffen wir es, das viele Fans konstant dorthin kommen.“ Auch United-Trainerin Casey Stoney sprach davon, dass man Partien in großen Stadien nicht erzwingen dürfe. „Wir müssen es schaffen, unser eigenes Stadion auszuverkaufen, bevor wir überhaupt an Old Trafford denken. Old Trafford wäre mit 30.000 Zuschauern immer noch relativ leer“, sagt sie mit Blick auf die legendäre Spielstätte von Uniteds Männern, die 75.000 Menschen aufnehmen kann.

Frauen erstmals mit Liga-Sponsor

Englands Frauenfußball will organisch wachsen, und die Chancen dafür sind in dieser Saison gut. Zum ersten Mal hat die WSL einen Namens-Sponsor, nämlich die Barclays-Bank. Sie zahlt über drei Jahre mehr als zehn Millionen Pfund. Alle Spiele werden im Internet übertragen. Die Liga verspricht Spannung mit einem möglichen Dreikampf um die Meisterschaft zwischen Titelverteidiger Arsenal, Vizemeister Manchester City und Chelsea. Durch den Aufstieg von Manchester United und Tottenham hat die WSL klangvolle Namen dazu gewonnen. Sie sollen helfen, mehr Zuschauer anzuziehen. Jedes Wochenende, nicht nur bei Schaufenster-Spielen in den großen Stadien.

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