Frauenfußball

Top-Fußballerin Oberdorf: Sorgen um Abiball und Bundesliga

Lena Oberdorf wäre gerne wieder für die SGS Esesn am Ball.

Lena Oberdorf wäre gerne wieder für die SGS Esesn am Ball.

Foto: Gohl FFS / credit /honorarfrei

Essen.  Die für Essen spielende Lena Oberdorf ist die weltbeste junge Fußballerin. Sie darf darauf hoffen, dass der Frauenfußball die Krise übersteht.

Lena Oberdorf macht sich Sorgen. Es sind Sorgen über das anstehende Abitur. Über die verschobenen Prüfungen und überhaupt über das ganze Drumherum, das mit dem Schulabschluss einhergeht: Wird es die Mottowoche geben, den Abiball, eine feierliche Zeugnisübergabe in ihrem Gymnasium in Gevelsberg? Es sind Sorgen, die sich die 18-Jährige mit Tausenden weiteren Schülern im Land teilt. Andere teilt sie sich mit einer kleineren Gruppe. Der der besten Fußballspielerinnen Deutschlands. Wann wird die Bundesliga fortgesetzt? Rollt der Ball überhaupt noch einmal, oder droht der Abbruch der Saison?

Lena Oberdorf ist Abwehrspielerin des Bundesligisten SGS Essen. Sie ist Nationalspielerin, im vergangenen Sommer löste sie die Legende Birgit Prinz bei der WM in Frankreich als jüngste deutsche WM-Debütantin ab. Vor wenigen Tagen zeichnete sie das Internetportal Goal.com als beste Nachwuchsspielerin aus – der Welt! Doch die Welt steht derzeit fast still. Für Lena Oberdorf, für ihre Mitspielerinnen beim Tabellenvierten, für die gesamte Liga. Analog zu den Männern wurde die durch die Corona-Krise erzwungene Spielpause bis zum 30. April verlängert.

Sechs Bundesliga-Spieltage stehen noch aus

„Wir alle hoffen sehr, dass sich während der Spielpause bis zum 30. April die gesundheitlichen und behördlichen Aspekte so positiv entwickeln, dass die Vereine bald wieder ins Training einsteigen können und dass das Programm der Restsaison terminiert werden kann“, sagt Siegfried Dietrich, der Vorsitzende des Ausschusses Frauen-Bundesligen. Sechs Spieltage sind im zwölf Teams umfassenden Oberhaus der Frauen noch zu spielen, im DFB-Pokal hätten ursprünglich im März die Viertelfinalspiele ausgetragen werden sollen. Ziel sei es, so betont es Heike Ullrich, DFB-Direktorin Verbände, Vereine und Ligen, die Liga bis zum 30. Juni „durchzuführen und abzuschließen“. Das ist der Stand der Dinge.

„Es macht mich auch ein bisschen unruhig, dass es kein absehbares Ende gibt“, sagt Lena Oberdorf und meint damit die Zwangspausen sowohl in der Schule als auch auf dem Fußballplatz. „In der ersten Woche hat es sich noch ein bisschen wie Urlaub angefühlt“, sagt die Gevelsbergerin. Wie ihre Teamkolleginnen auch, erfüllt sie nun die Trainingspläne des Vereins, sie absolviert morgens eine Krafttrainingseinheit und ist mittags beim Lauftraining im Wald anzutreffen. „Aber mittlerweile vermisse ich den Ball extrem.“

Geisterspiele beste Option

Doch was ist, wenn es nun länger nicht weitergeht? Wenn schon die Männer-Bundesligisten um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten, was blüht dann dem Frauenfußball? Siegfried Dietrich will den Teufel nicht an die Wand malen, die Existenzängste scheinen noch nicht so groß wie im Männerfußball zu sein. Fehlende Zuschauer-Einnahmen? Nicht vergleichbar mit denen im Männer-Fußball, da „die Zuschauer-Einnahmen bei einigen Vereinen unter fünf Prozent ausmachen“.

Fehlende TV-Gelder? Nicht zu vergleichen mit den vielen Millionen Euro, die die Männerteams vermissen, denn in Sachen Fernsehpräsenz, so Dietrich, habe man gegenüber den Sponsoren recht gute Argumente, da es in der bisherigen Saison schon mehr Übertragungen gab als ursprünglich geplant. Dennoch seien Geisterspiele derzeit die bestmögliche Option: „Medial präsent zu sein und die sportlichen Entscheidungen herbeizuführen, wäre nach meiner aktuellen Einschätzung die bestmögliche Schadensbegrenzung“, meint der 62-Jährige.

Regionale Sponsoren könnten helfen

Größte Einnahmequellen sind bei den Frauen-Bundesligisten die regionalen Sponsoren. Deshalb hofft Dietrich, dass diese auch bei eventuellen Spielausfällen in diesen schweren Zeiten mitziehen: „Das wäre ein großartiges und für die wirtschaftliche Stabilität zugleich notwendiges Zeichen.“ Auch Lena Oberdorf hofft, dass bald wieder gespielt wird, dabei aber die Gesundheit und das Verletzungsrisiko der Spielerinnen nicht außer Acht gelassen werden: „Ich wäre kein Fan davon, den restlichen Spielplan dann schnell durchzuprügeln. Dann hätten wir eine Belastung wie noch nie zuvor in unserem Leben.“

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