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WM: Megan Rapinoes härtester Gegner heißt Donald Trump

Auf sie mit Gebrüll: Megan  Rapinoe nimmt jeden Kampf an, den es zu kämpfen lohnt.

Auf sie mit Gebrüll: Megan Rapinoe nimmt jeden Kampf an, den es zu kämpfen lohnt.

Foto: Reuters

Paris.  Die Kapitänin der US-Nationalmannschaft kämpft bei der Fußball-WM der Frauen gegen Diskriminierung und am Freitag gegen Frankreich.

Acht Jahre ist es her, dass Megan Rapinoe voller Freude und Stolz sang. Sie griff nach einem der Richtmikrofone an der Eckfahne und legte los. Sie sang voller Freude, weil sie bei der WM in Deutschland nach langer Verletzungszeit das Tor zum 2:0 beim Vorrundensieg gegen Kolumbien erzielt hatte. Sie sang voller Stolz, weil die USA ihrem Status als Fußball-Großmacht gerade gerecht wurden. Sie sang den Bruce-Springsteen-Song „Born in the U.S.A.“.

Eine der lautesten Stimmen

Acht Jahre später ist die Freude am Fußballspiel noch vorhanden, doch der Stolz ist weg. Megan Rapinoe singt nicht mehr. Wenn ihre Kolleginnen vor den Spielen dieser WM in Frankreich die Nationalhymne mitsingen, mit dieser Mischung aus Stolz und Ergriffenheit, dann schweigt Rapinoe. Das wird auch heute so sein in Paris, im Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich (21 Uhr/ZDF/DAZN). Ihre Gesichtszüge werden hart bleiben, ihre Lippen werden einen schmalen Strich bilden. Es ist ihre Form des Protests. Ihre Botschaft an Donald Trump, den Präsidenten des Landes, in dem sie geboren wurde und das sie vor acht Jahren noch besungen hatte: Fuck you!

Springsteens Song wird häufig als patriotische Hymne fehlinterpretiert, dabei sind die genuschelten Strophen eine kritische Betrachtung der politischen Verhältnisse der frühen 1980er-Jahre, eine Auseinandersetzung mit dem Trauma des Vietnam-Kriegs. Auch die damals 26-jährige Megan Rapinoe mag das Lied noch als überschwängliches Loblied verstanden haben, dabei würde es inhaltlich den Ansichten der heute 33-jährigen Megan Rapinoe viel eher entsprechen. Denn Megan Rapinoe ist derzeit eine der lautesten Stimmen im Kampf gegen die politischen Verhältnisse in ihrer Heimat. Sie fordert eine Reformierung des Strafrechts, die Stärkung der Rechte von Schwulen und Lesben. Die Fußball-WM der Frauen ist ihre Bühne, aber die Gegner sind nicht nur Thailand (13:0), nicht nur Chile (3:0), Schweden (2:0), Spanien (2:1) im Achtel- und nun Frankreich im Viertelfinale. Es ist auch Donald Trump.

Hymnenprotest und Verbannung

Megan Rapinoe aus Kalifornien ist nicht von heute auf morgen zur kritischen Stimme im Team USA geworden. 2012 bekannte sich die Offensivspielerin des Seattle Reign FC als erste US-Profifußballerin offen zur ihrer Homosexualität. 2016 solidarisierte sie sich mit dem American-Football-Spieler Colin Kaepernick, der aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt bei Spielen der Profiliga NFL niederkniete, sobald die Nationalhymne erklang. Auch Megan Rapinoe kniete fortan. Kaepernick wurde gefeuert. Rapinoe wurde kurzzeitig aus der Nationalmannschaft verbannt. Beide bezahlten für ihren Kampf.

„Als ich älter geworden bin, habe ich erkannt, wie mächtig eine Stimme sein kann – meine Stimme, und die Stimme der Mannschaft“, sagte sie dem englischen Guardian vor dem Turnier. Und Rapinoe wurde des Kampfes nicht müde. Schon 2016 ging sie mit weiteren Stars der amerikanischen Frauenliga NWSL gegen die Lohnungleichheit gegenüber den Männern vor. Dazu muss man wissen: In den USA werden die Spielerinnen nicht von ihren Klubs bezahlt, sondern vom Fußballverband USSF. Im März 2019 verklagte Rapinoe den Verband mit weiteren Nationalspielerinnen.

Die Blicke richten sich also auf Megan Rapinoe, doch wird sich im Prinzenpark heute nicht alles um die Frau mit den lila-gefärbten Haaren drehen. Auf Seiten der USA spielen auch Alex Morgan und Carli Lloyd, für Frankreich Wendie Renard und Amandine Henry. Sie gehören zu den Besten dieses Sports, und auch deshalb scheint dieses Duell wie der vorweggenommene Refrain eines Springsteen-Songs, es kommt einfach zu früh. Frankreich gegen die USA wäre das Traumfinale gewesen, Titelverteidiger gegen Gastgeber.

Kein Besuch im weißen Haus

Mit dem 13:0 im ersten Spiel gegen Thailand hatten die USA ein Ausrufezeichen gesetzt. Das Achtelfinale war dann kein fußballerisches Festbankett mehr, eher Kantinenessen. Aber wie die Reise auch endet, Megan Rapinoe hat bereits eines klargestellt: Sie werde im Anschluss nicht zum Präsidentenbesuch im „fucking“ Weißen Haus antreten. Trump antwortete im sozialen Netzwerk Twitter: Rapinoe solle „erst mal GEWINNEN, dann REDEN“, und ihre Arbeit erledigen.

Für die 33-Jährige wird dies nur ein Grund mehr sein, heute besonders motiviert aufzutreten.

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