Bundesliga

Rhein-Derby: "Besondere Gefahrenlage" überschattet Vorfreude

Jonas Hector (1. FC Köln, l.) und Ibrahima Traoré (Mönchengladbach r.) standen schon 2017 im Derby auf dem Platz.

Jonas Hector (1. FC Köln, l.) und Ibrahima Traoré (Mönchengladbach r.) standen schon 2017 im Derby auf dem Platz.

Foto: dpa

Mönchengladbach.  Nach der Bundesliga-Rückkehr des 1. FC Köln kommt es am Samstag zum brisanten Klassiker in Mönchengladbach - eine Premiere für die Trainer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Um 15.30 Uhr startete Borussia Mönchengladbach am Freitag eine Temperaturabfrage. „Wir sind heiß auf das Derby – und ihr?“, twitterte der Fußball-Bundesligist. Für den Fall, dass es 24 Stunden vor dem Anpfiff des rheinischen Derbys beim Erstliga-Rückkehrer 1. FC Köln (15.30 Uhr/Sky) noch Unterkühlte unter den Gladbach-Fans gegeben haben sollte, veröffentlichte der Europa-League-Starter noch ein Video, das Szenen zeigt, wie Matthias Ginter einen Kölner fällt, wie Raffael gleich zwei FC-Profis austanzt, wie Kapitän Lars Stindl trifft und zum Jubel abdreht. So viel Wärme fürs Fohlen-Herz.

Auch Gladbach-Torwart Yann Sommer hat schon die richtige Temperatur. „Die Fans und auch wir Spieler haben zwei Jahre auf dieses Spiel gewartet. Es ist eben ein besonderes Spiel. Von daher wird es vermutlich noch einen Tick emotionaler als ohnehin schon“, wird er auf der Homepage des 1. FC Köln zitiert. Moment: Des 1. FC Köln? Ja, richtig. Der Aufsteiger bat vor dem 89. Bundesliga-Derby Sommer und dessen Kölner Gegenpart Timo Horn zum Torhüter-Doppel-Interview. Und die Kontrahenten auf dem Platz klingen schwarz auf weiß ähnlich. „Köln gegen Gladbach ist seit Jahrzehnten in der Bundesliga ein Klassiker zweier Traditionsvereine mit sehr großer Fanbasis. Das macht die Brisanz dieser Duelle aus“, sagt Horn.

900 gewaltbereite Fans erwartet

Dieses Derby elektrisiert die Massen im Rheinland. Für die Trainer ist es allerdings Neuland. Beide geben heute ihre Rhein-Derby-Premiere. FC-Coach Achim Beierlorzer ist sich der Brisanz bewusst, bezeichnet die Partie als eine „absolute Herausforderung“ für sein Team. Einen großen Wunsch hat der 51-Jährige aber: „Dass es gewaltfrei bleibt.“

Die Kölner Polizei erwartet etwa 900 gewaltbereite Fans. „Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen am und vielleicht auch im Stadion kommen kann“, sagte Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt. Insgesamt werden rund 1500 Einsatzkräfte vor Ort sein, vier Wasserwerfer stehen zur Verfügung.

Fans des 1. FC Köln und der Borussia waren zuletzt mehrfach aneinandergeraten. Einem Fahnenklau im Jahr 2008 folgten unter anderem ein abgerissener Fohlenkopf mit Gladbach-Schal, ein Platzsturm in Malerkitteln und Fan-Boykotte. Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt sprach von „einer besonderen Gefahrenlage“ und erklärte, man gehe „mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen am, um und vielleicht auch im Stadion kommen kann.“

Nach zwei zum Teil unglücklichen Auftaktniederlagen in Wolfsburg (1:2) und gegen Dortmund (1:3) holten die Kölner durch das 2:1 in Freiburg die ersten Punkte. Hätte es auch dort eine Niederlage gegeben, der Druck wäre immens gewesen. Zumal die jüngsten Querelen auf der Mitgliederversammlung und der anschließenden Neusortierung des Präsidiums wieder für reichlich Unruhe im Verein gesorgt haben.

Marco Rose hat solche Sorgen zwar nicht. Trotzdem gibt er vor: „Es ist wichtig, dass wir dort Herz zeigen und kühlen Kopf bewahren. Dieses Spiel bedeutet für unsere Fans sehr viel, dementsprechend müssen und wollen wir auftreten.“

Gladbach ist durchwachsen in die Saison gestartet

Seine Gladbacher sind mit einem 0:0 gegen Schalke, einem 3:1 in Mainz und einem 1:3 gegen Leipzig durchwachsen in die Saison gestartet. Ein Sieg in Köln könnte einen Motivationsschub geben. Denn am Donnerstag feiert Gladbach gegen den Wolfsberger AC aus Österreich die Rückkehr in die Europa League. Die Belastung ist groß. Da ist es ein Segen für Rose, dass sich die personelle Lage etwas entspannt. Verteidiger Matthias Ginter, der beim Länderspiel in Nordirland (2:0) mit einer Rippenprellung ausgewechselt worden war, ist eine Option. „Wir müssen schauen, wie es bei ihm im Abschlusstraining funktioniert. Und dann sind wir eigentlich guter Dinge“, sagte Rose. Auch Tobias Strobl und Christoph Kramer drängen nach ihren Pausen auf eine Rückkehr ins Team. (mit dpa/sid)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben