Gladbach

Gladbach-Manager Eberl hat das einstige Vorbild abgehängt

Sportdirektor Max Eberl von Borussia Mönchengladbach

Foto: firo

Sportdirektor Max Eberl von Borussia Mönchengladbach Foto: firo

Mönchengladbach.  Gladbach-Sportdirektor Max Eberl schaute früher oft auf Werder Bremen. Nun ist der Borussia-Gegner nur noch ein Schatten vergangener Tage.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Max Eberl erinnert sich noch gut an seine ersten Pressekonferenzen als junger Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Der damalige Nachwuchskoordinator war gerade erst 35 Jahre alt geworden, als Eberl im Oktober 2008 in die Geschäftsführung aufrückte. „Als ich hier anfing, habe ich oft gesagt, dass der SV Werder ein Vorbild ist“, erinnert sich der gebürtige Niederbayer. Der klar strukturierte Weg der Bremer, zu diesem Zeitpunkt etablierter Dauergast in der Champions League und ernster Herausforderer des FC Bayern, imponierte der halben Liga. „Und Bremens sportlicher Erfolg hat über die Jahre auch wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet“.

Es gibt nicht wenige beim SV Werder, den kommen diese Zeiten vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach (Freitag 20.30 Uhr/Eurosport Player) wie aus einer anderen Epoche vor. Während die einen auf eine Europapokal-Teilnahme hoffen, geht es für die anderen nur um den Klassenerhalt. Nachdem sich Werder im Dezember 2010 mit einem bedeutungslosen 3:0 gegen Inter Mailand aus der Gruppenphase der Champions League verabschiedete, fand kein Europapokal-Spiel mehr im Weserstadion statt.

Ganz anders im Borussia-Park: Diese Saison ohne internationale Gäste ist die Ausnahme. Viermal in Folge war die Borussia zuvor in der Europa League oder Champions League dabei. „Wir haben eine Idee, wie wir einen Kader mit Führungsspielern und Top-Talenten bauen wollen, um Werte zu schaffen und Erfolge zu erzielen“, sagt Eberl. „Ich denke, dass das bei uns mit vier Europapokal-Teilnahmen in den letzten fünf Jahren ganz gut funktioniert hat.“

Gladbach ist wirtschaftlich stabil

Auch wirtschaftlich sind die Fohlen davongaloppiert. Werder hat zwar zuletzt zum zweiten Mal in Folge einen kleinen Gewinn vermeldet, aber davor wurden in vier Spielzeiten fast 38 Millionen Euro Miese gemacht und das Eigenkapital fast gänzlich aufgebraucht. Gladbach hingegen hat so viel Speck angesetzt, dass jetzt mehr als 30 Millionen Euro für ein Gebäude mit Hotel, Vereinsmuseum, Fanshop und Rehazentrum investiert werden können. Und während an der Weser der Umsatz zuletzt 123,5 Millionen Euro betrug, lag er am Niederrhein bei annähernd 200 Millionen Euro. Der Gewinn im Geschäftsjahr 2016 belief sich auf 27 Millionen Euro.

Eberl stellt fest, dass Werder dennoch auf dem Transfermarkt wieder zum Konkurrenten geworden ist. „Wenn ich an Thomas Delaney und Ludwig Augustinsson denke: Zwei Spieler, mit denen wir uns auch langfristig beschäftigt haben, die aber Werder bekommen hat.“ Zudem imponiert ihm, wie die Hanseaten unter Trainer-Eigengewächs Florian Kohfeldt „die fußballerische Lösung“ im Abstiegskampf suchen. Und dann ist da ja auch noch Max Kruse; der bald 30-Jährige ist der Dreh- und Angelpunkt beim heutigen Gegner.

Hätte solch ein gewitzter Spielertyp nicht auch der mitunter wenig zielgerichteten Gladbacher Offensive gut getan, zumal Kruse ja schon von 2013 bis 2016 für die Borussia kickte? Eberl gesteht: „Natürlich haben wir über ihn nachgedacht, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt mit Lars Stindl, Thorgan Hazard und Raffael drei ähnliche Spielertypen. Fest steht: Max ist ein Riesenfaktor für die Bremer.“

Doch in der Breite hat der von Eberl zusammengebastelte Kader mehr Qualität zu bieten. Was auch damit zusammenhängt, dass im vergangenen Jahrzehnt mit Klaus Allofs, Thomas Eichin und nunmehr Frank Baumann drei verschiedene Geschäftsführer für die Grün-Weißen tätig waren. Diese Position sei insofern eine wichtige Facette, erklärt Eberl, „weil die Philosophie des Vereins und die Strategie der Kaderplanung sehr stark von dieser Person abhängen. Jeder, der neu kommt, bringt auch eine neue Idee mit.“

Eberl hält an Prinzipien fest

Der 44-Jährige muss sich selbst jede Saison neu bemühen, seinen geraden Kurs beizubehalten. Als beim Hinrundenkehraus gegen den Hamburger SV (3:1) die Pfiffe zu laut wurden, beschimpfte Eberl das eigene Publikum – und entschuldigte sich später für seine Wortwahl. In der jüngsten Niederlagenserie – durchbrochen mit einem 1:0 bei Hannover 96 – stellte sich der Manager vor Trainer Dieter Hecking. Gegen eine zu hohe Erwartungshaltung wird er weiter voller Überzeugung angehen. Und stets dieses Argument bemühen: „Geplatzte Träume dürfen nicht dazu führen, den eingeschlagenen Weg zu verlassen.“ Er sei gerade deshalb mit dem Umfeld im ständigen Austausch, „dass uns eben nicht geschieht, was Traditionsvereinen wie Hamburg, Bremen oder Stuttgart passiert ist.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik