Gladbach

In Gladbach wird Unmut laut - nicht nur Hazard erntet Pfiffe

Will Borussia Mönchengladbach verlassen: Thorgan Hazard.

Will Borussia Mönchengladbach verlassen: Thorgan Hazard.

Foto: Getty Images

Mönchengladbach.  Die Fans von Borussia Mönchengladbach ärgern sich darüber, dass die Profis ihre Chancen auf Europa verspielen - auch beim 2:2 gegen Hoffenheim.

Es war kein harmonisches Bild, das sich nach dem Abpfiff im Borussia-Park beobachten ließ. Die Gladbacher Spieler liefen zwar in Richtung Nordkurve, spendeten den Anhängern aber keinen Applaus. Schließlich wendeten sich die Profis von ihnen ab, um sich auf den Weg in die Kabine zu begeben, was die Fans wiederum mit Pfiffen quittierten. Der Tabellenfünfte hatte im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim zwar zweimal einen Rückstand ausgeglichen, doch dieses 2:2 (0:1) am 32. Bundesliga-Spieltag durfte auch als Beleg dafür gewertet werden, dass zumindest Teile der Anhängerschaft und die Mannschaft derzeit keine Einheit bilden.

Schon vor dem Anpfiff hatte es Pfiffe gegeben, als Stadionsprecher Torsten Knippertz den Namen Thorgan Hazard in der Startelf verkündete. Dass der belgische Offensivspieler zu Borussia Dortmund wechseln wird, gilt als sehr wahrscheinlich. Seinen letzten Treffer erzielte der Stürmer Mitte Dezember beim 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg. Gladbachs Trainer Dieter Hecking, der die Borussia selbst nach dieser Saison verlassen muss, weil Sportdirektor Max Eberl das Anfang April so beschlossen hat, nahm Hazard am Samstag in Schutz: „Der Junge hat eine Phase, die – an Toren gemessen – natürlich sehr schwierig ist für ihn. Aber wenn hier einer glaubt, dass er lachend aus der Kabine rausgeht und sich darüber keine Gedanken, liegt er komplett falsch.“ Hecking versicherte: „Er versucht alles, will mit dieser Mannschaft erfolgreich sein.“

Torschussverhältnis in der ersten Hälfte: 16:1 für Hoffenheim

Das Gladbacher Team musste sich auch ein Pfeifkonzert aus der Nordkurve anhören, als es nach einem schwachen Auftritt in der ersten Halbzeit den Rasen verließ. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, skandierten einige Fans nach dem 1:0 durch Pavel Kaderabek in der 33. Spielminute. Das Torschussverhältnis in den ersten 45 Minuten fiel deutlich aus: 16:1 für die TSG! Für die Borussia zählte dabei nur ein Freistoß von Florian Neuhaus, dessen Schuss Torwart Oliver Baumann mit den Fingerspitzen zur Seite lenkte. Ansonsten agierten die Gastgeber äußerst fahrig, leisteten sich immer wieder Abspielfehler, überließen der TSG auch damit das Feld. „Wir haben bis zur Halbzeit sehr, sehr schlecht gespielt“, sagte Hecking.

Zur zweiten Hälfte wechselte er Ibrahima Traoré und Louis Jordan Beyer ein, weil Tony Jantschke und Patrick Herrmann verletzungsbedingt nicht mehr weiterspielen konnten. Nachdem Adam Szalai (59.) Ishak Belfodil (60.) und Andrej Kramaric (70.) beste Chancen vor Gladbachs Torwart Yann Sommer vergeben hatten, traf der aufgerückte Innenverteidiger Matthias Ginter plötzlich aus kurzer Distanz zum 1:1 (72.).

Joker Josip Drmic rettet Gladbach einen Punkt

Kurzzeitig peitschten die Fans ihr Team nach vorne − bis zum erneuten Rückschlag, einem sehenswerten Treffer des eingewechselten Nadiem Amiri, dessen Volleyschuss aus rund 20 Metern hinter Torwart Yann Sommer einschlug (79.). „Wenn einige dann kritisch werden, was das dann mit einer Mannschaft machen kann – das ist verheerend“, meinte Hecking. „Wie sich die Mannschaft dagegen aufgebäumt hat und noch einmal versucht hat, zurückzukommen: Das ist das, was mich heute glücklich macht.“

Der eingewechselte Josip Drmic, der erstmals seit dem 0:3 gegen den VfL Wolfsburg am 23. Spieltag wieder zum Einsatz kam, rettete Gladbach schließlich einen Zähler (84.). „Dieser Punkt fühlt sich an wie ein kleiner Sieg“, betonte Sommer. „Wir sind zweimal zurückgekommen.“ Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann, der im Sommer bei RB Leipzig übernehmen wird, ließ wissen: „Wir sind enttäuscht, was das Ergebnis angeht.“

Gladbach verhinderte die dritte Niederlage in Serie. Die Borussia liegt nun zumindest vorerst zwei Punkte hinter einem Champions-League-Rang, aber auch nur einen Zähler vor Platz acht. Erst am Sonntag (18 Uhr/Sky) tritt der Tabellenvierte Eintracht Frankfurt beim Achten Bayer Leverkusen an. Ein Sieg im Duell beim Abstiegskandidaten in Nürnberg am kommenden Samstag (15.30) könnte dem Gladbacher Team im Kampf um einen Europapokal-Platz entscheidend weiterhelfen – und womöglich auch beunruhigte Fans wieder besänftigen.

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