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Wegen Pléa: Gladbach schiebt nach 2:2 in Leipzig Frust

Platzverweis: Schiedsrichter Tobias Stieler zeigt Alassane Plea Gelb-Rot.

Platzverweis: Schiedsrichter Tobias Stieler zeigt Alassane Plea Gelb-Rot.

Foto: Getty Images

Leipzig.  Beim 2:2 in Leipzig sieht Stürmer Pléa wegen unsportlicher Gesten Gelb-Rot. Die Gladbacher kritisieren Schiedsrichter Stieler. Der wehrt sich.

Rainer Bonhof war bedient. 2:2 hatten Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig gerade ihre Partie am Samstagabend beendet – nach einer 2:0-Führung der Gladbacher zur Pause und einem Platzverweis gegen Alassane Pléa danach, womit Schiedsrichter Tobias Stieler Hand ans Ergebnis gelegt hatte. Auf Befehl? Bonhof machte sich keinen anderen Reim. „War der angewiesen, diese Partie 2:2 ausgehen zu lassen?“, fluchte der Vizepräsident der Borussen, als er eine halbe Stunde nach Spielende aus der Mixed Zone stürmte. Womit er das große Thema des Spiels ansprach. Und auf die Spitze trieb.

Geklaut die drei Punkte? So weit ging niemand sonst aus der Reisegruppe der Gladbacher, aber der Frust bei den Gästen war nach der Punkteteilung in Leipzig mit den Händen zu greifen. „In einer Weltklasse-Halbzeit“, wie Torwart Yann Sommer befand, hatte der vor der Partie Tabellendritte den Herbstmeister aus Sachsen mit einer Rezeptur aus hohem Pressing, dem Zustellen sämtlicher Pass- und Laufwege sowie irrwitzig schnellem Umschalten an die Wand gespielt. In der 24. Minute verschätzte sich RB-Abwehrchef Dayot Upamecano bei einem Laufduell mit Marcus Thuram, Pléa veredelte den Konter zum 1:0. Elf Minuten später spielte Lukas Klostermann aus dem eigenen Strafraum heraus einen Fehlpass auf Florian Neuhaus, dessen Vorlage nutzte Jonas Hofmann zu seinem ersten Saisontor.

Gladbachs Torwart Yann Sommer patzt

Das war der Plan gewesen: RB stressen und zu Fehlern im Aufbauspiel zwingen. Er ging bis zur Pause auf. Danach aber patzte Sommer, beim Herauslaufen sprang er seinem Vordermann Denis Zakaria auf den Rücken, ließ den Ball wieder fallen und legte somit Patrik Schick das 1:2 auf (50.). Wenig später schickte Stieler Pléa mit Doppelgelb zum Duschen (61.). Die erste Verwarnung bekam der Franzose für seinen Protest wegen eines nicht gegebenen Strafstoßes, die zweite für zwei Frustgesten.

Christopher Nkunku nutzte die Feldüberlegenheit mit einem Kunstschuss zum 2:2 (89.). Nach dem Abpfiff geriet RB-Trainer Julian Nagelsmann mit Gladbachs Nationalspieler Matthias Ginter aneinander, die beiden lieferten sich ein erregtes Wortgefecht. „Einer meiner Spieler hat mich in Matthias hineingestoßen, und er dachte, ich hätte ihn absichtlich weggecheckt. Dem war aber nicht so, und das wollte ich ihm erklären“, sagte Nagelsmann.

Beide Teams verloren ihre Tabellenplätze

Schiedsrichter Stieler war allerdings in den Mittelpunkt der Aufarbeitung dieses Unentschiedens gerückt, das beide Teams ihre Tabellenplätze kostete. RB gab den ersten an die Bayern ab, Gladbach den dritten an Dortmund. Nagelsmann sagte später: „Ich hätte Gelb-Rot nicht zwingend gegeben.“ Rose sagte „erst mal nix“. Das übernahm sein Sportchef für ihn. Max Eberl fand, dass Stieler es auch bei einer Gelben hätte belassen können. „Man muss einem Spieler, der emotional ist, nicht noch die zweite Karte zeigen. Da erwarte ich, dass wir uns noch regen dürfen und nicht nur zu funktionieren haben.“

Seit der Rückrunde fahren die DFB-Schiedsrichter eine härtere Gangart bei Protestieren, Abwinken und Rudelbildung. Grund dafür sind zunehmende Gewaltausbrüche gegen Kollegen in den Amateurligen. Der DFB erhofft sich von Spielern und Trainern des Profifußballs eine Vorbildwirkung.

Stieler wehrte sich gegen den Vorwurf, er sei zu hart gegen Pléa vorgegangen, ebenso bei seiner Gelben Karte gegen Rudel-Teilnehmer Nico Elvedi (61.) und später gegen Rose (79.). Pléas Protest und zwei „abfällige Gesten in meine Richtung“ nach der ersten Gelben Karte seien „unsportlich und respektlos“ gewesen, sagte Stieler, und „so nicht mehr akzeptabel“.

Schiedsrichter Stieler: „Wir liegen auf Linie mit der Uefa“

Er wies daraufhin, dass jeder im Profifußball über die veränderten Sanktionsregeln informiert worden sei. In der Hinrunde hätte er vermutlich „die zweite Gelbe nicht gegeben“. Aber „wir Schiedsrichter haben uns im Winter dazu committed, damit liegen wir auch auf Linie mit der Uefa. Ich werde nicht der Erste sein, der dagegen verstößt. Es muss ein Lernprozess stattfinden“.

Die Leipziger Seite hielt sich mit weiteren Kommentaren zum Platzverweis zurück, Eberl und Rose aber mahnten an, dass Vorbild zu sein nicht bedeuten dürfe, seine Gefühle ausschalten zu müssen. Rose fordert deshalb: „Wir müssen uns zusammensetzen und reden.“

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