Dokumentarfilm

Wie Gladbach vor 50 Jahren in Israel Brücken baute

Wimpelübergabe in Tel Aviv am 25. Februar 1970: Gladbachs Kapitän Günter Netzer (links) mit Israels Mordechai Spiegler.

Wimpelübergabe in Tel Aviv am 25. Februar 1970: Gladbachs Kapitän Günter Netzer (links) mit Israels Mordechai Spiegler.

Foto: Wilhelm August Hurtmanns

Mönchengladbach  1970 trat Gladbach zu einem Freundschaftsspiel gegen Israels Nationalmannschaft an. Die Doku „Geheimmission Tel Aviv“ erzählt die Geschichte.

Herbert Laumen (76) entdeckte sie in seinem Haus auf dem Dachboden wieder: Filmaufnahmen einer einzigartigen Reise, die er als Profi von Borussia Mönchengladbach vor 50 Jahren erlebte. „Jeder von uns hat seine Erinnerungen. Und er hat sie gut aufbewahrt“, sagt Wolfgang Kleff (73).

Auch Gladbachs Torwart-Legende war dabei, als Borussia im Februar 1970 in Tel Aviv gegen die israelische Nationalmannschaft zu einem Freundschaftsspiel antrat. Laumens private Super-8-Aufnahmen sind das einzig existierende Film-Dokument dieser Partie, mit der sich Deutschland und Israel nach der Shoah über den Sport annäherten.

Von diesem Akt der Völkerverständigung erzählt nun der Dokumentarfilm „Geheimmission Tel Aviv“, den die ARD am Montag (23.30 Uhr) ausstrahlt und der ohne das Material von Herbert Laumen so nicht möglich gewesen wäre. „Ich finde diese Aufarbeitung sehr interessant“, sagt Kleff. „Das hat eine enorme Wichtigkeit.“

Weisweiler und Schaffer - eine große Trainer-Freundschaft

Das bedeutsame Spiel im Bloomfield-Stadion hätte es ohne die Bemühungen von Gladbachs Trainer-Ikone Hennes Weisweiler und Israels Emanuel „Eddy“ Schaffer nicht gegeben. Weisweiler hatte als 18-Jähriger in der Reichspogromnacht miterlebt, wie das Haus der jüdischen Familie, in dem er in seiner Kindheit gewohnt hatte, von den Nationalsozialisten verwüstet wurde.

Schaffer, der in Polen geboren wurde, wuchs in Recklinghausen auf, besuchte dort eine jüdische Schule und lernte in diesen Straßen das Fußballspielen. Als die Nazis an die Macht kamen, floh seine Familie. Seine Mutter, sein Vater und seine drei Geschwister wurden von den Nazis umgebracht – nur Emanuel Schaffer überlebte.

1958 beschloss er, sich bei Weisweiler an der Deutschen Sporthochschule Köln zum Fußballlehrer ausbilden zu lassen. Den Lehrgang absolvierte er erfolgreich. Zwischen ihm und Weisweiler entwickelte sich eine Freundschaft. Vor Schaffers Rückreise nach Israel vereinbarten sie, Fußballspiele zwischen deutschen und jüdischen Mannschaften zu organisieren.

Auf streng geheimer Route nach Israel

Im Februar 1970 erschütterte eine Serie von antisemitischen Terroranschlägen die Welt. Ausgerechnet jetzt sollten die Gladbacher Profis nach Tel Aviv fliegen. Borussias Spieler weigerten sich zunächst aufgrund der Terrorgefahr, in eine Maschine zu steigen, traten die Reise mit streng geheimer Flugroute aber doch an. So spielte am 25. Februar 1970 erstmals ein Bundesligist gegen die israelische Nationalmannschaft. Gladbach gewann 6:0.

Es sei „das großartigste Spiel, das Israel je gesehen hat“, sagt der damalige Kapitän Mordechai Spiegler (75). „Die Zuschauer haben sich nach einer Niederlage der eigenen Mannschaft hingestellt und gefeiert“, erinnert sich Kleff. Das Spiel gilt als Wendepunkt der deutsch-israelischen Beziehungen. Die ganze Geschichte hinter der Mission erzählt der Dokumentarfilm – tiefgründig, spannend und berührend.

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