Fußball

Hannes Wolf: „Es geht darum, für die Zukunft zu lernen“

Hannes Wolf im April 2019 kurz vor seiner Entlassung als Trainer des Hamburger SV.

Hannes Wolf im April 2019 kurz vor seiner Entlassung als Trainer des Hamburger SV.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Dortmund.  Trainer Hannes Wolf, gebürtiger Bochumer, bildet sich seit seiner Entlassung beim Hamburger SV für einen neuen Job fort. Ein Interview.

Der Name ist Programm: Hannes Wolf hat das „Schönes Leben“ im beliebten Kreuzviertel in Dortmund als Treffpunkt vorgeschlagen. Und tatsächlich muss man sich um den früheren Trainer von Borussia Dortmunds U19 sowie des VfB Stuttgart und zuletzt des Hamburger SV keine Sorgen machen. Wolf bestellt sich ein Veggie-Frühstück und erzählt, dass er endlich die Zeit habe, in den Herbstferien mit seiner Familie nach Kreta zu verreisen. Doch bevor es losgeht, wagt der 38-Jährige noch einen Blick zurück. Die zentrale Frage des Interviews: Was macht eigentlich ein Trainer, der gerade kein Trainer ist?

Herr Wolf, Sie waren gerade in geheimer Mission in Freiburg. Wie war es denn?

Wolf: So geheim war es gar nicht. Aber so ein Besuch ist ja nichts, was man großartig öffentlich ankündigen muss. Für mich geht es in erster Linie darum, so eine Phase, in der ich gerade nicht als Trainer arbeite, trotzdem mit Leben zu füllen. Es ergab sich einfach die Möglichkeit, sich Freiburg etwas genauer anzuschauen: wie man mit kleinen Mitteln Großes erreicht.

Zu Gast bei Christian Streich in Freiburg

Wie funktioniert so eine Hospitation? Haben Sie Christian Streich angerufen und gefragt, ob Sie mal für ein paar Tage vorbeikommen können?

Fast. Tatsächlich lief der Kontakt zunächst über Dominik Wohlfahrt, dem Torwarttrainer der U19. Wir kennen uns seit Jahren. Er hat dann bei Christian Streich vorgefühlt und Christian hat direkt gesagt, dass ich ihn einfach anrufen soll. Das war tatsächlich sehr unkompliziert.

Wie lange waren Sie in Freiburg?

Von Mittwoch bis zum Spieltag am Samstag. Freiburg hat kurioserweise gegen Borussia Dortmund gespielt – und ich Dortmunder konnte dann dabei zuschauen, wie sich Freiburg auf den BVB vorbereitet.

Hintergrund der ganzen Nachfragen ist die Hauptfrage: Was macht ein Trainer, wenn er gerade nicht Trainer ist?

(lacht) Urlaub.

Und im Ernst.

Ganz im Ernst macht man natürlich wirklich etwas mehr Urlaub, als wenn man in Amt und Würden ist. Der Trainerjob ist so zeitintensiv, dass man ja nur wenig die Möglichkeit in einer Saison hat, mit der eigenen Familie Urlaub zu machen. Aber natürlich macht man noch andere Dinge als Urlaub. Man bildet sich weiter…

…wie zum Beispiel beim SC Freiburg.

Genau. Aber so eine Hospitation ist eher die Ausnahme. Gerade war dann auch noch die Trainertagung, die in Mönchengladbach stattfand.

Sie sind also als Trainer im Wartestand gut ausgefüllt?

Natürlich erreiche ich nicht das Pensum in so einer Phase wie als Bundesligatrainer. Aber gerade der Job als Experte bei Sky ist zeitintensiv.

Was gehört denn alles dazu?

Wir machen ja keinen leichten Society-Talk, sondern reden intensiv über Fußball. Wenn man den Bundesliga-Sonntag nimmt mit zwei Spielen und vier Mannschaften, dann bedeutet das viel Vorbereitung. In aller erster Linie die Videoanalysen der Teams, aber auch Gespräche mit Kollegen aus den Vereinen. Das gleiche gilt für die Champions League. Vor einem Spiel zwischen Lokomotive Moskau gegen Bayer Leverkusen kann ich zum Beispiel Erik Stoffelshaus anrufen, der bei Lok bis Ende 2018 als Sportdirektor gearbeitet hat. Man bekommt einen detaillierten Einblick. Das hat den Vorteil, dass man ganz automatisch inhaltlich in der Materie drin bleibt.

Keine konkreten Angebote für Wolf

Verraten Sie uns, wie viele Angebote Sie seit Ihrer HSV-Beurlaubung hatten?

Nein. Natürlich gab es Gespräche, aber es wäre nicht wirklich seriös, wenn das hier ausgebreitet wird.

Dann erlauben Sie uns eine konkrete Nachfrage: Medial wurden Sie in Ihrer Geburtsstadt Bochum beim VfL gehandelt. Gab es Gespräche?

Auch auf Ihre Nachfrage muss ich leider passen. Sorry.

Ihre Beurlaubung beim HSV ist fünf Monate her. Wie lange brauchten Sie, um das zu verarbeiten?

Nicht lange. Nach der Freistellung in Stuttgart hatte ich das Gefühl, durchpusten zu müssen, weil ich seit meinem 23. Lebensjahr durchgehend als Trainer gearbeitet habe. Das fühlt sich nach dem Ende in Hamburg anders an. Natürlich waren die letzten Wochen beim HSV sehr intensiv, aber der Akku war und ist nicht leer.

Wolf: "Irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen

Sie mussten die HSV-Beurlaubung also nicht lange verarbeiten. Mussten Sie sie trotzdem aufarbeiten?

Na klar. Das dauert keine Wochen oder Monate, aber es gehört natürlich dazu, dass man versucht, in Gesprächen und für sich selbst herauszufinden, was da eigentlich schief gelaufen ist. Es geht immer auch darum, für die Zukunft zu lernen. Also macht man sich Gedanken, trifft man sich mit Leuten, spricht über alles – und zieht dann irgendwann einen Schlussstrich.

Ärgern Sie sich manchmal, dass Sie vor Ihrer Zeit beim HSV das Angebot, Co-Trainer von Lucien Favre beim BVB zu werden, nicht angenommen haben?

Ich ärgere mich nicht. Ich bin damals mit dem VfB Stuttgart in die Bundesliga aufgestiegen, war Trainer des Jahres 2017 und wollte dann den nächsten Versuch als Cheftrainer unternehmen. Klar ist der HSV ein besonderer Verein, aber dieses Besondere hat mich angezogen.

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