Trainingsauftakt

Hannover 96 holt Zieler - die Skepsis bleibt trotzdem groß

Soll Hannover wieder nach oben führen: Ron-Robert Zieler.

Soll Hannover wieder nach oben führen: Ron-Robert Zieler.

Foto: dpa

Hannover.  Sechs Wochen vor Saisonstart gilt Absteiger Hannover 96 nicht als Aufstiegsfavorit in der 2. Bundesliga - trotz eines spektakulären Transfers.

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Auch die überraschende Rückkehr von Ex-Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler vertrieb die Skepsis rund um Hannover 96 beim Trainingsstart nicht. Als der 30 Jahre alte Keeper am Montag plötzlich auf dem Trainingsplatz auftauchte, war die Verblüffung der rund 300 Fans eher noch größer. Ausgerechnet auf der Torhüterposition hatte der Bundesliga-Absteiger eigentlich kein Problem. Umso verwunderter reagierten die Fans, dass Zieler der erste neue Spieler überhaupt in diesem Sommer ist und noch dazu gar mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet wurde. Zudem dürfte eine Ablöse an Mitabsteiger VfB Stuttgart fällig werden.

"Ich bin hierhergekommen, um etwas zu erreichen, und möchte Teil des Neuaufbaus bei 96 sein", sagte Zieler, der bereits zwischen 2010 und 2015 für Hannover gespielt hatte. Damit scheint der Abgang des zuletzt unangefochtenen Stammkeepers Michael Esser - einer der wenigen 96-Lichtblicke in der Abstiegssaison - sicher zu sein. Zuletzt zeigte Bundesligist Fortuna Düsseldorf Interesse an ihm.

Zieler soll Führungsspieler sein

Slomka machte deutlich, dass er Zieler als Führungsspieler einplant. "Nach Edgar Prib ist Ron-Robert Zieler ein weiterer Leuchtturm für unsere künftige Mannschaft. Beide werden auch für die jungen Spieler wichtige Typen sein, an deren Seite sie wachsen können", sagte Slomka an seinem ersten Arbeitstag seiner zweiten Amtszeit als 96-Chefcoach.

Auch seine Rückkehr wird bei Teilen der Fans kritisch beäugt. "Es gab sicherlich auch jetzt Stimmen, die kritisch waren. Das bildet sich ja auch im Netz ab", bekannte Slomka im Interview des Portals sportbuzzer.de vor dem Trainingsstart. "Aber Skepsis ist ein großer Ansporn, die Leute zu überzeugen, das wiederholen zu können, was wir damals gemeinsam geschafft haben."

Trainer Slomka stapelt tief

Mit "damals" ist Slomkas erste Amtszeit in Hannover zwischen 2010 und 2013 gemeint. Von "damals" ist der Club indes so weit entfernt wie aktuell von Zuversicht. Zweimal spielte 96 seinerzeit in der Europa League. Die Aktualität ist trister. Um überhaupt erstmal wieder ein Kandidat für die Bundesliga zu werden, müssen wohl noch mehr Spieler außer Zieler kommen. Slomka bereitet das Umfeld bereits darauf vor, dass es in der kommenden Saison möglicherweise nicht zum direkten Wiederaufstieg reichen wird: "In dieser Saison ist es nicht leicht. Es sind große Clubs drin, es ist vielleicht die beste 2. Liga, die es jemals gegeben hat. Perspektivisch muss es im zweiten Jahr klappen."

Nach dem zuvor letzten Abstieg 2016 hatte Clubchef Martin Kind den sofortigen Wiederaufstieg noch als "alternativlos" bezeichnet. Tatsächlich gelang dieser denn auch. Diesmal ist die Situation eine andere. Mit der finanziellen "Hauruck"-Methode wird nun nicht mehr gearbeitet. "Wir sind vermutlich nicht Zweiter oder Dritter in der sogenannten Budgettabelle, sondern eher Fünfter oder Sechster", sagte Slomka. "Im Augenblick ist es eher so, dass wir verkaufen müssen, bevor wir jemanden kaufen können."

Neue sollen noch kommen

Dennoch sollen und müssen noch Spieler kommen. "Wenn wir Ambitionen haben wollen, wirklich in der Spitzengruppe mitzuspielen und dranzubleiben, dann wäre es gut, wenn wir zum Trainingslager den Kader zusammen haben, der dann auch die ersten Spiele bestreitet. Natürlich haben wir bis Ende August Zeit, bis dahin sind aber schon vier Spieltage rum", sagte der 51-Jährige nun. Das Trainingslager in Österreich beginnt am 4. Juli.

Bis auf weiteres wirkt 96 in einer Liga mit den Mitabsteigern VfB Stuttgart und dem 1. FC Nürnberg sowie dem Hamburger SV jedenfalls nicht als Aufstiegsfavorit, zumal von den aktuellen Spielern im Kader längst nicht jeder Leistungsträger auch verfügbar ist. Innenverteidiger Waldemar Anton ist noch bei der U21-EM im Einsatz, und bei Nebenmann Felipe ist noch unklar, ob er in Hannover bleibt. Am Montag fehlte er genauso wie Stürmer Jonathas. (sid)

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