Kolumne

Kolumne: Klopp - der Rockstar unter den Trainern dieser Welt

Zum dritten Mal im Champions-League-Finale: Liverpools Trainer Jürgen Klopp.

Zum dritten Mal im Champions-League-Finale: Liverpools Trainer Jürgen Klopp.

Foto: dpa

Essen.  Jürgen Klopp hat Liverpool ins Finale der Champions League geführt. Es schadet nicht, einen Trainer zu haben, der Menschen begeistern kann.

Die Geschichte ist nicht neu, sie wurde schon erzählt, als Jürgen Klopp noch Trainer bei Borussia Dortmund war. Dort hatte der frühere Mainzer 2008 seinen Dienst angetreten – die Schwarz-Gelben brauchten damals nach extrem schwierigen Jahren dringend einen Hoffnungsträger wie ihn.

HSV wollte einst Jürgen Klopp verpflichten

Klopp hatte die Wahl unter mehreren Vereinen. Auch der Hamburger SV hatte sein Interesse angemeldet, er suchte einen Nachfolger für Huub Stevens. Späher des HSV nahmen Klopp deshalb etwas genauer unter die Lupe, und dabei entdeckten sie doch tatsächlich, dass er mehrmals unrasiert, mit löchrigen Jeans sowie ab und zu sogar verspätet zum Mainzer Training kam. Wie sollte man so einen unangepassten Typen den feinen hanseatischen Kaufleuten, die beim HSV traditionell großen Einfluss haben, empfehlen können? Dietmar Beiersdorfer, damals Vorstandsvorsitzender, entschied sich sicherheitshalber für den Niederländer Martin Jol.

Klopps Version des Vorgangs war im Detail eine andere. Als er mitbekommen habe, dass Beiersdorfer Scouts losgeschickt hatte, die dann überrascht gewesen seien, „dass ich so aussehe, wie ich aussehe“, habe er Beiersdorfer angerufen und gesagt: „Falls ihr noch Interesse habt – ich sage hiermit ab!“

In Dortmund wurde recht schnell klar, welchen großartigen Motivator und exzellenten Fachmann man verpflichtet hatte. Obendrein ließ sich der Neue auch noch voll auf den Verein ein. Ein Volltreffer.

Im November 2010 trafen wir Jürgen Klopp zum Interview. Er war bereits auf dem Weg zu seinem ersten Meistertitel mit dem BVB. Seine Spieler, erklärte er, wüssten, „dass es nicht uncool ist, sich alles abzuverlangen“. Es gehe darum, „das Endspiel-Gefühl immer wieder aufs Neue abrufen zu können“.

Klopp über seine Spieler: "Mentalitäts-Giganten"

„Mentalitäts-Giganten“ nannte Jürgen Klopp seine Jungs vom FC Liverpool, nachdem sie in dieser Woche spektakulär ins Finale der Champions League eingezogen waren. Tja, von wem haben sie das bloß? Schon damals in Dortmund hatte er gesagt, die Spieler sollten „davon überzeugt sein, dass ich von ihnen überzeugt bin“. So arbeitet er, der Rockstar unter den Trainern dieser Welt. Weil das Ergebnis nicht immer eine Folge von Leistung sei, wie er ebenfalls bereits 2010 betonte, kann es zwar passieren, dass sich sein Team trotz Verausgabung auch mal klar geschlagen geben muss wie beim 0:3 im Halbfinal-Hinspiel in Barcelona. Aber nie hielte es ein 4:0 im Rückspiel für unmöglich.

Am Sonntag könnte Liverpool gegen Wolverhampton englischer Meister werden. Doch Manchester City hat einen Punkt Vorsprung und bei Brighton & Hove die vermeintlich leichtere Aufgabe. Vor der Sensation gegen Barcelona hatte Liverpools Trainer gesagt: „Wenn wir es nicht schaffen können, lasst uns auf die schönste Art scheitern.“ Auch eines dieser wunderbaren Zitate, mit denen Klopp Klopp erklärt. Gern hören wir zu und denken: Es schadet nicht, einen Trainer zu haben, der Menschen begeistern kann.

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