Kommentar

Warum in der Bundesliga nicht mehr nur die Trainer fliegen

Horst Heldt steht mit Hannover 96 vor dem Abstieg.

Horst Heldt steht mit Hannover 96 vor dem Abstieg.

Foto: firo

Essen.  In der aktuellen Bundesliga-Saison mussten schon mehr Funktionäre als Trainer gehen. Ein Grund ist die immer größere Komplexität. Ein Kommentar.

Zu den Attraktionen des Unterhaltungsbetriebs Bundesliga gehörte viele Jahre das Trainerkarussell, auf dem Menschen wie Friedhelm Funkel, Felix Magath und im Feuerwehrauto Peter Neururer saßen. Inzwischen aber rekrutiert die Bundesliga ihre Übungsleiter gerne aus dem Nachwuchsbereich oder exotischen Ländern wie Österreich, weshalb das Trainerkarussell an Schwung verloren hat. Dafür gibt es eine neue Attraktion, für die nur noch ein schmissiger Name gefunden werden muss. Denn darauf sitzen Menschen, mit sperrigen Titeln wie Technischer Direktor, Geschäftsführer Sport oder Direktor Profifußball.

Es ist ein Trend der aktuellen Saison, die Schuld bei einer sportlichen Misere nicht mehr allein beim Trainer zu suchen: Zwar haben alle fünf Teams im Tabellenkeller schon einen Wechsel auf dieser Position vorgenommen – zusätzlich aber ging mindestens eine Person mit übergeordneter sportlicher Verantwortung: Auf Schalke etwa traf es Christian Heidel, in Hannover Horst Heldt. Tatsächlich hat es in der laufenden Saison mehr Funktionäre als Trainer getroffen, zuletzt Düsseldorfs Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer – der ausgerechnet darüber zu Fall kam, dass er Trainer Funkel loswerden wollte.

Der neue Trend zum Funktionärsrauswurf hat auch mit einer tieferliegenden Entwicklung zu tun: Der Aufgabenbereich Sport wird immer größer und komplexer. Scouten, verhandeln, den eigenen Trainer und die Spieler beaufsichtigen – das ist von einer Person kaum noch zu schaffen. Wer es dennoch versucht, scheitert meist. Viele Bundesligisten schaffen daher neue Stellen: Auf Schalke etwa sucht der Sportvorstand Schneider einen Sportdirektor und einen Technischen Direktor. In Dortmund kam Sebastian Kehl als Leiter der Lizenzspielerabteilung. Und auch in Gladbach hätte Max Eberl gerne Unterstützung. Und auch der ewige Feuerwehrmann Peter Neururer profitiert: Er ist jetzt Sportdirektor beim Regionalligisten Wattenscheid 09.

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