Champions League

Manchester-Trainer Solskjaer reist in die Vergangenheit

Erfolgreiche Übergangslösung: Ole Gunnar Solskjaer, Trainer bei Manchester United.

Erfolgreiche Übergangslösung: Ole Gunnar Solskjaer, Trainer bei Manchester United.

Manchester.  Trainer Solskjaer tritt mit Manchester United beim FC Barcelona an. Dessen Stadion Camp Nou ist der Ort seines größten Erfolges.

Eigentlich hätte Manchester Uniteds Trainer Ole Gunnar Solskjaer eine schöne Geschichte zu erzählen, über Barcelona und über das Stadion Nou Camp. Er könnte sie wunderbar als Motivation einsetzen vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League an diesem Dienstag (21 Uhr/Sky). Die Geschichte handelt von einem der größten Comebacks, die der Fußball erlebt hat.

Sie handelt davon, wie Manchester United das Finale der Königsklasse gegen den FC Bayern in Barcelona in der Nachspielzeit drehte. Von 0:1 auf 2:1, durch Tore von Teddy Sheringham und Solskjaer. Doch der Ex-Profi aus Norwegen hat kein Interesse daran, vor der Rückkehr an den Ort seines berühmtesten Treffers die Vergangenheit zu beschwören. Auf die Frage, ob er mit seinem Team über das Endspiel von 1999 sprechen werde, sagt er: „Nein, werde ich nicht. Es war gegen Bayern München, es war ein Finale, es war anders.“

Erinnerungen an Sir Alex Ferguson

Das sind bemerkenswerte Worte. Denn seit seinem Amtsantritt im Dezember hat Solskjaer keine Gelegenheit ausgelassen, von der Zeit unter Trainer-Ikone Sir Alex Ferguson zu reden, von dem Triple vor 20 Jahren und dem Anspruch, den der englische Rekordmeister noch heute aus den Erfolgen von damals ableiten sollte. Nämlich, in der Premier League und in Europa um Titel mitzuspielen.

Mit dieser Haltung setzte sich Solskjaer von Vorgänger José Mourinho ab, der in der Endphase seines Wirkens im Old Trafford den Eindruck vermittelte, als wäre es der schlimmste Job der Welt, Trainer bei Manchester United zu sein.

Fans mögen Solskjaers Hang zur Nostalgie

Solskjaer hat stattdessen die Vergangenheit mit der Gegenwart verbunden. Er kommt bei Uniteds Fans an mit seinem Hang zur Nostalgie. Doch wie es aussieht, hat er rechtzeitig zur Reise nach Barcelona erkannt, dass es nicht genügt, einfach nur der Anti-Mourinho zu sein – sondern, dass er seine eigene Identität als Trainer entwickeln muss. Er darf sich nicht mehr auf seinen Kultstatus verlassen, sondern muss sich von der Historie emanzipieren.

Einfach wird das nicht. Nachdem Solskjaer den Verein wiederbelebt hat und nach seiner Ankunft im Dezember und vor zweieinhalb Wochen zur Dauerlösung befördert wurde, ist die Leichtigkeit verflogen. Von den vergangenen sechs Partien gingen vier verloren, unter anderem das Hinspiel gegen Barcelona. 0:1 hieß es am vergangenen Mittwoch, nachdem Luke Shaw einen Kopfball von Luis Suárez ins eigene Tor abgefälscht hatte.

Einen Rückstand in Paris aufgeholt

In der Theorie ist die Lage vor dem Rückspiel im Nou Camp aber alles andere als hoffnungslos. United würde ein 2:1 zum Halbfinal-Einzug reichen. Im Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain hat die Mannschaft gezeigt, dass sie Außergewöhnliches leisten kann. Nach dem 0:2 im eigenen Stadion gab es in Frankreichs Hauptstadt einen 3:1-Sieg. Solskjaer gesteht allerdings, dass die Aufgabe in Barcelona komplizierter ist. „Dort zu gewinnen, wäre eine noch größere Leistung. Aber wir können es schaffen“, sagt der Trainer.

Dazu muss er seiner Mannschaft dringend ein Konzept für die Spielgestaltung vermitteln. Sie ist am besten, wenn sie erstmal abwarten kann und im geeigneten Moment zuschlägt. In Paris war diese Strategie in ihrer reinsten Form zu erleben. Im Grunde hatte United nur drei Chancen und kam damit zu drei Toren, inklusive des entscheidenden Treffers durch einen umstrittenen Elfmeter. In Barcelona sollte die Mannschaft nicht auf eine solche Fügung spekulieren.

Solskjaer steckt aktuell in einer wichtigen Phase seiner Arbeit. Nachdem der 46-Jährige nach seinem Amtsantritt einen kurzfristigen Umschwung herbei geführt hatte, muss er jetzt beweisen, dass er auch langfristig der richtige Mann für Manchester United ist. Da kann es nicht schaden, ein bisschen weniger von der Vergangenheit zu reden. Auch wenn die Geschichte von 1999 noch so gut ist.

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