Kommentar

Mesut Özils Pauschal-Urteil ist eine Unverschämtheit

Mesut Özil vom FC Arsenal: Immer noch beleidigt.

Mesut Özil vom FC Arsenal: Immer noch beleidigt.

Foto: foto: Nick Potts / dpa

Essen.  Mesut Özil hat sich nach langem Schweigen wieder zu Wort gemeldet. Er sieht sich als Opfer und verliert bei seiner Kritik das Maß. Ein Kommentar.

Mehr als ein Jahr lang schwieg Mesut Özil nach seinem unrühmlichen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft. Er hatte diesen Schritt nach dem WM-Desaster in einem dreiteiligen Statement auf seinen Social-Media-Kanälen begründet. Und er warf dabei dem damaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel Rassismus vor.

Özil beklagt Rassismus

Jetzt hat Özil nachgelegt. Er beklagt sich darüber, dass er nach dem Wirbel um das vor der WM veröffentlichte Foto mit ihm und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan rassistisch beleidigt worden sei – und dass ihn keiner seiner Nationalmannschaftskollegen in dieser Lage unterstützt habe. Keiner habe gesagt: „Hört auf damit. Er ist unser Spieler.“ Alle seien stumm geblieben.

Viel Zeit ist seitdem vergangen, doch Özil ist noch immer nicht auf den Gedanken gekommen, dass seine Mitspieler total sauer auf ihn gewesen sein könnten, weil das Thema, das er zu verantworten hatte, die Konzentration auf die WM-Vorbereitung massiv gestört hatte. Über Fußball wurde doch zeitweise gar nicht mehr geredet.

Die Wirkung seiner Worte auf junge Menschen ist nicht zu unterschätzen

Dass er das nicht verstehen will, ist geradezu logisch: Er sieht sich als Opfer. Jetzt aber hat er jegliches Maß verloren. Es gebe große Probleme in Deutschland, sagt er und verweist auf den Anschlag in Halle. Woraus er schließt: „Leider ist Rassismus nicht mehr nur ein Thema der Rechten im Land. Er ist in die Mitte der Gesellschaft gerückt.“

Das ist eine unverschämte Behauptung, ein pauschaler Angriff auf alle, die sich in der Mitte unserer Gesellschaft sehen. Er, der Respekt einfordert, verbreitet solch einen undifferenzierten Unsinn.

Das Schlimme daran ist, dass der Fußballer Mesut Özil Millionen Follower und damit auch eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf junge Türken und Deutsch-Türken hat. Hätte er doch einfach weiter geschwiegen.

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