Fußball

Coronavirus: MSV-Chef Ingo Wald will einen Rettungsschirm

Ingo Wald sorgt sich um die Zukunft des MSV.

Ingo Wald sorgt sich um die Zukunft des MSV.

Foto: Mark Bohla

Duisburg.  Der Präsident von Drittliga-Spitzenreiter MSV Duisburg sorgt sich um die Zukunft des Klubs und des Profifußballs. Kündigungen sollen ausbleiben.

Die Zahlen, die über die Zukunft des Drittligisten MSV Duisburg entscheiden, stehen in keiner Fußball-Tabelle. Sie finden sich auch nicht auf einem Bankauszug. Die entscheidenden Zahlen gibt derzeit das Robert-Koch-Institut heraus. Sie benennen, wie viele Menschen sich mit dem Corona-Virus angesteckt haben.

Von dieser Fieberkurve hängt ab, ob und wann die Kugel wieder durch die Stadien der dritten Fußball-Klasse rollt. Der DFB hatte sich mit den Vereinen am Montag auf eine Pause bis zum 30. April geeinigt. Das Datum ist vorläufig. MSV-Präsident Ingo Wald spricht von „gekaufter Zeit“.

MSV Duisburg will am liebsten sportlich aufsteigen

Der Präsident und sein Geschäftsführer Michael Klatt haben mit Blick auf die möglichen Szenarien für die Zeit, wenn der Mai gekommen ist, eine Hitliste. Platz Nummer eins: Die Saison wird zu Ende gespielt und der MSV steigt auf. Dass ab dem 30. April die Schiedsrichter ihre Pfeifen aus der Schublade kramen, daran zweifelt Wald stark. „Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass die fehlenden Spiele noch bis zum 30. Juni durchgeführt werden“, mutmaßt der MSV-Chef. Das Datum 30. Juni ist wichtig, denn danach laufen die Verträge mit den Spielern aus. Ohne Mannschaft kein Fußball.

Ein Indiz, dass an Walds Ansicht was dran sein kann: Am Dienstag hat das Land Baden-Württemberg per Allgemeinverfügung Kultureinrichtungen jeglicher Art bis zum 15. Juni geschlossen. Immerhin, Stadien sind in der Verfügung nicht erwähnt.

Platz Nummer zwei auf der Wunschliste: Bei einem vorzeitigen Saisonabbruch rücken die Zebras als Tabellenführer in die 2. Liga auf. Ingo Wald: „Ich würde als Tabellenführer erwarten, dass wir aufsteigen.“ Michael Klatt springt seinem Chef mit Zahlen zur Seite: „Es sind 71 Prozent der Saison bereits gespielt. Wir sind seit 14 Spieltagen in Folge an der Spitze.“ Die erbrachten Leistungen sollen Anerkennung finden und nicht im Reißwolf landen. Absteiger will Wald übrigens nicht. Das gilt für die 2. wie für die 3. Liga. Die zweite Klasse soll gegebenenfalls aufgestockt werden.

MSV: Schlimm wäre Annullierung der Saison

Das schlimmste, was aus Sicht des MSV passieren kann: Die ganze Saison wird annulliert. Wald: „Das muss der MSV verhindern.“ Der Präsident rechnet den Verlust für den Spielverein bei einem Saisonabbruch auf 1,5 Millionen Euro hoch. Bereits jedes Geisterheimspiel würde die Zebras 260.000 Euro kosten. Die zu erwartenden Fernsehgelder pro Heimspiel belaufen sich auf 26.000 Euro. Das sagt MSV-Geschäftsführer Klatt.

Auf die Frage, ob der Verein einen solchen Schlag aushalten kann, erklärt Wald: „Es wird dann eine sehr, sehr schwierige Situation. Wir werden alles tun. Aber ob wir das schaffen können, ist jetzt schwer abzuschätzen. Die ganz normale Lizenzierung für die 3. Liga ist schon eine Herausforderung für uns.“ Die 1,5 Millionen Euro schwere Satteltasche könnte dem Zebra die Knie weich werden lassen.

Ingo Wald hat zudem einen Vorschlag, den er ganz unabhängig vom Aufstieg oder Nicht-Aufstieg seines Vereins macht: „Es müsste einen Rettungsschirm für die 3. Liga geben. Denn die Mannschaften in unserer Klasse trifft die Situation angesichts der Corona-Krise wirtschaftlich besonders hart.“ Aufspannen sollen diesen Schirm die Klubs aus der Bundesliga und der 2. Liga, und zwar mit den Mehreinnahmen aus dem neuen Fernsehvertrag. „Da noch kein Verein weiß, was er zusätzlich bekommt, und nicht damit planen kann, wären diese Mittel verfügbar“, so Wald. Er sähe einen solchen Rettungsschirm als Zeichen der Solidarität innerhalb des Profifußballs. Den Entscheidern bei DFL und DFB hat er seine Pläne bislang nicht vorgestellt.

Zudem gilt auch für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den beiden oberen Etagen des Fußballsports am 2. April, dass man lediglich den festen Willen hat. Auch hier muss man abwarten, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Die 3. Liga hat dafür noch vier Wochen mehr Zeit. Die Tage wollen Michael Klatt und sein Team nutzen. Es gilt den Schaden durch die Pause auszurechnen. Der MSV verkauft keine Tickets. Der Fanshop ist seit Montag zu.

Kündigungen unbedingt verhindern

Dafür laufen Gehälter und andere Kosten weiter. Betriebsbedingte Kündigungen will der Geschäftsführer aber unbedingt verhindern. „Wir sind stolz auf unsere Mannschaft. Alle sind Feuer und Flamme für den Verein und sind mit dem MSV durch dick und dünn gegangen. Wir stehen zusammen, auch wenn es mal nicht läuft“, beschreibt Klatt die Haltung des Vereins. Zudem habe man eine soziale Verantwortung, auch wenn während der Pause eine gewisse „Unterlast“ entstehe, so Klatt. Nach seinen Angaben beschäftigt der Verein insgesamt 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Entscheidung, die Liga bis Ende April auszusetzen, findet der Geschäftsführer übrigens richtig. „Es herrscht jetzt Klarheit und das macht die Planung der nächsten Wochen leichter. Mehr konnte man nicht erreichen.“ Das nächste Spiel der Zebras ist für den 2. Mai geplant. Gegner wären die Würzburger Kickers. Ob es stattfindet, steht auf einem ganz anderen Datenblatt.

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