Stoke City

Der MSV Duisburg trifft auf die Reizfigur James McClean

Ein Ordner stoppt James McClean, der sich gegen Beschimpfungen der Zuschauer wehren will.

Ein Ordner stoppt James McClean, der sich gegen Beschimpfungen der Zuschauer wehren will.

Foto: Michael Sedgwick / imago/Focus Images

Duisburg.  Bei Stoke City, dem Testspiel-Gegner des MSV Duisburg, ist der Ire James McClean eine Reizfigur. Das hat politische Gründe.

Fußball-Drittligist MSV Duisburg erwartet am Samstag in seiner Arena (14.30 Uhr) viele Fans des englischen Zweitligisten Stoke City zum Testspiel. Die Sympathien für die Zebras werden sich bei den Gästefans naturgemäß in Grenzen halten. Aber auch ein Spieler aus den eigenen Reihen hat bei den Anhängern aus Stoke-on-Trent einen schweren Stand. Der irische Nationalspieler James McClean lebt nicht nur mit Beschimpfungen – Zuschauer bewerfen ihn mit Gegenständen, immer wieder erhält der 30-Jährige Morddrohungen – zuletzt war dies im Mai der Fall.

Im November wird James McClean wieder für Aufregung sorgen. Die englischem Profiklubs würdigen dann im Rahmen des „Remembrance Day“ die britischen Soldaten, die in militärische Auseinandersetzungen verwickelt waren. Die Spieler tragen ein „Poppy“, eine stilisierte Mohnblume, auf dem Trikot, zudem ertönt vor den Spielen die englische Nationalhymne. Seit Jahren weigert sich McClean, das Poppy zu tragen, bei der Hymne wendet er sich ab.

Der Flügelspieler stammt aus Derry, der nordirischen Grenzstadt, die im Nordirland-Konflikt Schauplatz vieler Unruhen war. Hier ereignete sich 1972 der Bloody Sunday, als das britische Militär 13 Bürgerrechtsdemonstranten erschoss. Es dauerte bis zum Jahr 2010, ehe London zugab, dass Unrecht geschehen sei.

McClean kennt einige Hinterbliebene der Opfer persönlich. Aus diesem Grund verweigert er sich am „Remembrance Day“ der Symbolik. In einem Interview mit der britischen Independent erklärte er: „Wenn das Poppy alleine für die Opfer der Weltkriege stehen würde, würde ich es an jedem Tag tragen. Aber es steht für alle Konflikte, in die Großbritannien verwickelt war. Deshalb kann ich es nicht tragen.“

Mit seiner Haltung polarisiert der Offensivmann. Zuspruch erhält er in der Republik Irland. Die Rebel-Band Catalpa aus Dublin widmete James McClean den Song „No poppy no anthem“.

Box-Einheit in Las Vegas

An seinem Arbeitsplatz hält sich die Unterstützung in Grenzen. Im Gegenteil: In den englischen Stadien ist James McClean eine Reizfigur. Nicht nur gegnerische Fans greifen ihn verbal an, auch die Anhänger von Stoke City bringen ihren Hass immer wieder zum Ausdruck. Zu seinem 30. Geburtstag ging auf der Geschäftsstelle von Stoke City eine Grußkarte, verbunden mit dem Wunsch, dass der Spieler sterbe, ein. Die Vereinsführung hatte im November McClean zugebilligt, die Mohnblume nicht zu tragen.

In der Mannschaft des Zweitligisten zählt James McClean zu den Schlüsselspielern. In der abgelaufenen Saison bestritt der Linksaußen in der Championship 42 von 46 Punktspielen. Im ersten Jahr nach dem Abstieg aus der Premier League kamen die Potters nicht über Platz 16 hinaus.

Die Mannschaft bereitet sich derzeit in einem Trainingslager in den Niederlanden auf die neue Saison vor. Der Verein verpflichtete in der Sommerpause sechs neue Spieler und will einen neuen Anlauf Richtung Premier League nehmen. Das Match gegen den MSV ist das erste Testspiel für die Potters.

Bevor es ins Trainingslager ging, legte James McClean während seines Urlaubs in Las Vegas eine besondere Einheit ein. Er stieg im Verein von Floyd Mayweather (66) mit der Boxlegende in den Ring.

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