Fußball

Erste Grätsche: Als Ennatz Dietz das frühe Karriereende sah

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Vodcast "fussball inside" VfL Bochum MSV Duisburg

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Duisburg.  Beim „Talk im Schmidthorster Dom“ sprach der MSV-Kultfußballer und Europameister Ennatz Dietz mit Pater Tobias Breer über seine bewegte Karriere.

Bernard „Ennatz“ Dietz hat den MSV Duisburg wie kein zweiter Fußballer geprägt. Mit 22 Jahren wechselte er vom Amateurklub SV Bockum-Hövel zum Bundesliga-Klub aus dem Ruhrgebiet – und machte Karriere. Dietz entwickelte sich zum Nationalspieler. Als Deutschland 1980 die Europameisterschaft gewann, nahm er als Kapitän sogar den Pokal in Empfang.

Pater Tobias Breer konnte die prägende Figur des deutschen Fußballs nun beim „Talk im Schmidthorster Dom“ begrüßen. Beim Gespräch waren zwei Westfalen unter sich. Dietz lebt im Örtchen Walstedde, das nur 20 Minuten von Pater Tobias‘ Geburtsort Werne entfernt ist.

Erster Einsatz, erste Grätsche, erste Zweifel

Der Gast gab Einblicke in eine Karriere, die mit einer Überraschung begann. Dietz hatte im Sommer 1970 einen Vertrag beim MSV Duisburg unterschrieben, kam zunächst aber nicht zum Einsatz. Im Auswärtsspiel bei Werder Bremen stand er zwar im Kader, rechnete aber nicht mit einem Platz in der Startelf. Am Abend vor dem Spiel kam Trainer Rudi Faßnacht zu Dietz ins Hotelzimmer. Er sagte, dass er ihn gegen Bremen als Linksaußen bringen werde. Dietz war baff. „Ich habe sofort meine Frau angerufen und gesagt: Ich spiele Bundesliga“, erzählt der heute 74-Jährige.

300 bis 400 Leute aus Bockum-Hövel fuhren spontan nach Bremen, um ihren „Ennatz“ anzufeuern. Ihnen stockte kurz nach Anpfiff der Atem. Der eisenharte Werder-Abwehrspieler Horst-Dieter Höttges räumte den Debütanten mit einer Grätsche ab. „Da habe ich auf dem Rasen gelegen und dachte, meine Karriere wäre schon wieder vorbei“, sagt Dietz. Doch der Linksaußen rappelte sich auf, schoss später sogar ein Tor und feierte mit Duisburg einen 2:0-Erfolg.

Belgische Königin bei Siegerehrung ignoriert

Große Karriere machte Dietz später als linker Verteidiger. Diese Position spielte er auch im EM-Finale 1980, das Deutschland mit 2:1 gegen Belgien gewann. Dietz jubelte an der Seite seines Teamkollegen Karl-Heinz Rummenigge mit der Landesfahne. Dann musste er zur Pokalübergabe. „Und ich bin als Duisburger da hochgegangen“, erzählt Dietz. „Das konnte eigentlich nicht sein. Unser Verein war doch die graue Maus.“ Ihm kam alles vor wie in einem Film. Bei der Siegerehrung war Dietz so gedankenverloren, dass er sogar die belgische Königin Fabiola versehentlich ignorierte. Sie wollte ihm die Hand schütteln. „Ich bin aber an ihr vorbeigelaufen und zum Pokal gegangen“, schildert Dietz. „Das habe ich später im Fernsehen erst gesehen.“

Auch heute verfolgt der 53-fache Nationalspieler das Fußballgeschäft noch intensiv. Wenn Dietz kann, schaut er sich die Spiele des MSV Duisburg im Stadion an. Seit 2019 spielt sein Herzensverein nur noch in der Dritten Liga. „Es ist schon schwer, das mit anzusehen“, sagt Dietz. „Wir haben so ein tolles Stadion und müssten zumindest mal wieder in der Zweiten Liga spielen.“ Er hofft, in naher Zukunft wieder einen Aufstieg seiner Duisburger zu erleben.

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