Paderborn

MSV Duisburg hat das rettende Ufer aus dem Blick verloren

Die Stabilität verloren: Torhüter Felix Wiedwald verhinderte allerdings eine höhere Niederlage.

Die Stabilität verloren: Torhüter Felix Wiedwald verhinderte allerdings eine höhere Niederlage.

Foto: dpa/Bernd Thissen

Duisburg.   Bei der 0:4-Niederlage in Paderborn spielen die Zebras in der Offensive harmlos und in der Defensive arglos. So steigt eine Mannschaft ab.

Direkt vor dem Stadion in Paderborn haben sie quasi symbolisch eine Allee nach Moritz Stoppelkamp benannt. Auf dem Schild ist zu lesen, warum. Wegen seines Tores aus 82,3 Metern vor fast fünf Jahren gegen Hannover 96.

Am Samstag hatte der Offensivspieler, inzwischen auf der Gehaltsliste des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg, größere Probleme mit kleineren Distanzen. Stoppelkamp (13.) verwandelte beim 0:4 gegen den Tabellenvierten SC Paderborn 07 aus etwa 17 Metern eine aussichtsreiche Schussposition in eine halbgare Rückgabe. Nach 20 Sekunden in der zweiten Halbzeit köpfte der zweifache Torschütze gegen Köln aus noch kürzerem Abstand freistehend auf den überragenden Torwart Leopold Zingerle. Damit erschöpft sich die Liste seiner Möglichkeiten keineswegs.

Pleiten, Pech und Pannen

Unseligerweise war Stoppelkamp nicht allein in der Pleiten-, Pech- und Pannenshow. Gleich nach elf Minuten scheiterte Stanislav Iljutcenko, perfekt von Fabian Schnellhardt angespielt, kläglich am Paderborner Keeper. Cauly Souza bekam in der 38. Minute aus bester Lage keinen Druck auf den Ball. Kevin Wolze schoss einen Freistoß (47.) in die Mauer. Der eingewechselte John Verhoek (71.) ließ sich später lieber schubsen, als sein Solo aufs Tor zu vollenden.

Und dann kam der Übersteiger: John Verhoek schoss ein Tor. Endlich! Nach 28 torlosen Spieltagen. Der Schiedsrichter ließ sich von seinem Assistenten zu einem Abseitspfiff verleiten. Dabei war es gar keins. Man möchte heulen. Jetzt trifft der Ex-Torjäger mal, und dann zählt es nicht. Da verblasste, dass auch der eingewechselte Havard Nielsen kläglich scheiterte.

Wiedwald verhindert Schlimmeres

So etwas hat Folgen: Der MSV hat das rettende Ufer aus dem Blick verloren. Sieben Punkte beträgt der Abstand zum SV Sandhausen auf Rang 15. Dorthin führt kein Schwimmzug für die Mannschaft. Denn die Sandhäuser haben einen Lauf: 13 Punkte aus fünf Spielen! So kämpft ein Team gegen den Abstieg Der MSV kassierte dagegen zwölf Tore in drei Spielen. So steigt man ab.

Trainer Torsten Lieberknecht gab zu, dass die beste Nachricht des Tages die 0:1-Niederlage des 1. FC Magdeburg war. Es bleibt bei vier Punkten, die man aufholen muss. Was ihm noch Hoffnung auf Rettung macht? „Der Fußball an sich“, meinte der Coach. Eine solche Antwort macht nun niemandem außer dem Coach Hoffnung. Die weiteren Erläuterungen des Trainers zum Thema „So retten wir uns noch“ waren auch nicht ermutigend konkreter. Ein weiterer Satz dazu: „Dass es sich immer lohnt, dran zu bleiben.“

Immerhin sagte Torwart Felix Wiedwald über das nächste Spiel daheim gegen Sandhausen: „Das muss unter allen Umständen gewonnen werden.“ Was es dazu braucht? Wiedwald: „Wir müssen stabiler werden.“ Mit Blick auf das Spiel am Samstag musste auch Lieberknecht zugeben, dass dem Gegner „die Tore von uns aufgelegt“ wurden. Konkreter beschrieben: Tim Albutat (25.) verschwendete den Ball vor dem 0:1 durch den satten Schuss von Philipp Klement. Enis Hajri (42.) ließ sich vor dem 0:2 ausspielen, Tim Albutat schaute mehr zu, als Babacar Gueye die zweite Hütte machte. Beim 0:3 konnten weder Ahmet Engin noch Fabian Schnellhardt dem flinken Christopher Antwi-Adjej (59.) folgen. Dann noch eine Flanke und Tor. Vorausgegangen war übrigens eine Ecke für den MSV.

Schadensbegrenzung

Das 0:4 durch Sebastian Vasiliadis ging auf die Kappe von Gerrit Nauber. Der Coach sprach nachher von großer Effektivität. Freilich, wahr ist auch, dass Felix Wiedwald eine höhere Klatsche verhinderte. Also alles so, wie es seit Saisonbeginn in den Keller ging: vorne harmlos, hinten arglos, am Ende hoffnungslos.

Was in diesem Fall ein bisschen damit zu tun hat, dass Torsten Lieberknecht einfach nicht den Glauben an seine Zebras verlieren will. Also verordnete er der Mannschaft ein Offensivpressing. Das geht beim MSV gern schlecht aus.

Der Vortrag gestaltete sich schön, überraschte die Hausherren auch ordnungsgemäß. Die Spielweise produzierte die erwünschten Chancen, aber nicht die notwendigen Tore. Die fielen dann auf der anderen Seite. Vielleicht auch deshalb, weil nicht genügend Beine für das Ausbügeln der Fehler da waren.

Am Ende unternahm der Coach so was wie Schadensbegrenzung: Er nahm früh Enis Hajri vom Platz. Der Innenverteidiger war unsanft mit einer Schulter zusammen gestoßen und brauchte einen Eisbeutel vors Gesicht. Vor allem aber hat Hajri schon vier Mal Gelb auf dem Buckel. Sich in einem verlorenen Spiel noch die fünfte Karte einzuhandeln, machte keinen Sinn. Lieberknecht berichtete von dieser Idee bei der Auswechslung. Zu wichtig ist der Defensivmann inzwischen für den MSV. Zu wichtig ist das Spiel gegen Sandhausen. Selbst der Coach ließ durchblicken, dass die Partie von besonderer Art sein wird. Auf die Frage, ob Sandhausen ein Endspiel sei, antwortete Lieberknecht: „Jedes Spiel, seit ich hier bin, ist ein Endspiel. Auf Sandhausen trifft das besonders zu.“

Sollte Moritz Stoppelkamp da entscheidend treffen (egal aus welcher Distanz) und der MSV die Klasse halten: Es sollte mindestens ein Trampelpfad im Sportpark nach ihm benannt werden.

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