Corona-Krise

Trotz Kurzarbeit: MSV Duisburg vor enormer Herausforderung

Muss seinen Klub durch eine große Krise führen: MSV-Präsident Ingo Wald.

Muss seinen Klub durch eine große Krise führen: MSV-Präsident Ingo Wald.

Foto: Fabian Strauch / Funke Foto Services

Duisburg.  Die Corona-Krise trifft auch den MSV Duisburg schwer. Der Klub hat Kurzarbeit beantragt. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

Marvin Compper (34) geht es demnächst wie vielen Beschäftigten während der Coronakrise. Der Abwehrchef des MSV Duisburg wird Kurzarbeiter. Klubpräsident Ingo Wald kündigt an, dass der Tabellenführer der 3. Fußball-Liga die entsprechende Vereinbarung mit der Agentur für Arbeit bis zum Ende der Woche getroffen haben will. Dem Vorhaben haben die Mitarbeiter des Vereins bereits allesamt zugestimmt.

Betroffen von der Regelung, die deutliche Gehaltseinbußen bedeutet, sind auch die Spieler aus dem Kader von Trainer Torsten Lieberknecht. Bereits zuvor hatte Sportdirektor Ivica Grlic mit den Profis über Gehaltskürzungen gesprochen. Ebenso wie alle anderen auf der Lohnliste der Zebras erklärten sich die Spieler dazu bereit. Compper nennt die Bereitschaft, auf Geld in der mindestens bis zum 2. Mai spielfreien Zeit zu verzichten, schlicht „überlebensnotwendig“. Da habe es für ihn und seine Kollegen wenig zu überlegen gegeben.

Wald bestätigt, dass der MSV wie auch andere Klubs der Liga selbst bei Kurzarbeit vor einer enormen finanziellen Herausforderung stehe. Jedes Heimspiel, das nicht gespielt werde, mindere die Einnahmen um 260.000 Euro.

Seit der Unterbrechung der Saison bis zur erhofften, aber noch vollkommen ungewissen Wiederaufnahme des Ballgeschäfts, schlage die Pause mit 1,08 Millionen Euro zu Buche. Vier Heimspiele sind im Spielplan mit dem Hinweis „verschoben“ versehen.

Krise trifft auch die MSV-Sponsoren

Die Einnahmen aus dem Merchandising sind ebenfalls eingebrochen. Die Fanshops haben gemäß Beschluss der Behörden geschlossen. Sollte die Saison komplett abgebrochen werden, fehlen dem MSV laut Wald etwa 1,5 Millionen Euro in der Kasse. Ein kaum zu tragender Rucksack, denn auch die Sponsoren, darunter der Touristiker Schauinsland-Reisen ächzen unter der Krise.

Betriebsbedingte Kündigungen zum Beispiel für einige der 35 Mitarbeiter der Geschäftsstelle sieht Geschäftsführer Michael Klatt als „allerletzte Möglichkeit“. Das Team sei mit dem Verein gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Da gelte nun auch die Solidarität des Vereins.

Derweil hat Lieberknecht seinem Personal Heimarbeit verordnet. Individuelle Trainingspläne kommen online zu allen Spielern. Zwei bis drei Stunden Schweißarbeit pro Tag werden darin gefordert. Joggen, Kraftübungen und was sonst in Einzelarbeit möglich ist. Wöchentlich kommt ein Update. „Das Teamtraining kann das aber nicht ersetzen“, erklärt Compper. Kontakt halten die Spieler über WhatsApp. So kommuniziert auch Lieberknecht vorwiegend mit seiner Mannschaft. Ein persönliches Wiedersehen kann nicht vor dem 20. April stattfinden. Bis dahin läuft die amtliche Sperre aller Plätze.

Saisonabbruch auch in der 3. Liga möglich

Ob eine Vorbereitung auf die restliche Saison nach Ostern realistisch ist, vermag der Coach so wenig zu beurteilen wie alle anderen. Wald hat Zweifel, ob der Ball noch mal rollt. Beim MSV ist man sich einig: Sollte es zu einem Abbruch der Saison kommen, dann will man am grünen Tisch aufsteigen. 71 Prozent der Saison seien gespielt, seit 14 Spieltagen führe der MSV die Tabelle an. Falls die elf ausstehenden Partien zwischen dem 2. Mai und 30. Juni nicht ausgetragen werden können, erwartet Ingo Wald, „dass der MSV in diesem Fall aufsteigt“. Eine Annullierung der Saison steht für ihn nicht zur Diskussion. Ganz oben auf der Wunschliste findet sich jedoch die sportliche Qualifikation für die 2. Liga.

Bis dahin bleiben fünf Wochen, um Anlauf zu nehmen. Wie sie genutzt werden, ist unterschiedlich: Mittelfeldmann Yassin Ben Balla postete ein Video, das ihn mit akrobatischen Übungen mit einer Klopapierrolle am Fuß zeigt. Marvin Compper nutzt die Zeit zum Sport mit der Familie. Torsten Lieberknecht ist ebenfalls als Erziehungstaktiker gefragt: „Ich habe drei Kinder, die Schule fällt aus. Da gilt es jetzt, als Familie zusammenzuhalten.“

Das kann zum Vollzeitjob für einen Kurzzeit-Arbeiter werden.

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