Bundesliga

VfB Stuttgart sieht Silas als Opfer von „Menschenhandel“

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Stuttgarts Silas Katompa Mvumpa (links) gegen David Alaba.

Stuttgarts Silas Katompa Mvumpa (links) gegen David Alaba.

Foto: firo

Stuttgart.   Silas Wamangituka heißt Silas Katompa Mvumpa. Das teilt der VfB Stuttgart mit. Er habe in ständiger Angst gelebt, sagt der Bundesliga-Profi.

Als mutmaßliches Opfer der Machenschaften eines dubiosen Spielervermittlers saß Silas Wamangituka schüchtern und verängstigt vor den Verantwortlichen des VfB Stuttgart. „Wie ein Häufchen Elend“ habe der Angreifer dort gehockt, erinnerte sich Sportdirektor Sven Mislintat am Dienstag an das Gespräch mit dem Kongolesen Mitte Mai. Silas schockte den Kaderplaner mit einer in dieser Form in der Fußball-Bundesliga wohl einmaligen Geschichte: Der in der vergangenen Saison oft so begeisternde Stürmer hat bisher unter falscher Identität gespielt. Sein richtiger Name ist demnach Silas Katompa Mvumpa. Auch sein Geburtsdatum war nicht korrekt.

„Wenn man es mit der Überschrift Menschenhandel beschreibt, dann kommen wir dem Thema schon sehr nah“, sagte Mislintat zu dem Sachverhalt, den der VfB am Dienstagmorgen öffentlich gemacht hatte. Demnach habe Silas den VfB-Bossen berichtet, dass sein ehemaliger Spielervermittler an der falschen Identität schuld sei. Laut VfB-Angaben wurde Silas am 6. Oktober 1998 in Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo geboren und ist somit heute 22 und damit genau ein Jahr älter als ursprünglich angenommen. „Wir finden es beeindruckend, welchen Mut Silas aufbringt, das nun aufzuklären“, sagte VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger.

Spielervermittler soll Identität geändert haben

„Ich habe in den letzten Jahren in ständiger Angst gelebt und mir auch um meine Familie im Kongo große Sorgen gemacht. Es war ein schwerer Schritt für mich, meine Geschichte zu offenbaren“, sagte Silas. Diese Geschichte beginnt laut VfB im Jahr 2017, als der damals 18-Jährige vom belgischen Topkub RSC Anderlecht zu einem Probetraining eingeladen wird. Um von der Demokratischen Republik Kongo nach Belgien reisen zu können, erhält er ein zeitlich befristetes Visum. Nach drei Monaten will der RSC ihn wohl verpflichten, da sein Visum jedoch vor dem Ablauf steht, muss Silas zunächst zurück in die Heimat, um ein neues zu bekommen.

Hier schaltet sich der ehemalige Spielervermittler ein. Unter massivem Druck solle dieser Silas davon überzeugt haben, dass er nicht mehr nach Europa zurückkehren dürfe, wenn er Belgien einmal verlasse und in die Demokratische Republik Kongo reise. Also zieht Silas stattdessen zum Vermittler nach Paris und soll in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten sein. Er habe in dieser Zeit „augenscheinlich“ weder auf sein Konto noch auf seine Papiere Zugriff gehabt. Schließlich habe der Vermittler auch seine Identität geändert und neue Papiere verschafft.

VfB-Sportdirektor Mislintat: „Erschreckende Dimension“

Der VfB vermutet, dass dies zum einen passierte, um die Verbindung des Stürmers zu seinem Ausbildungsverein im Kongo zu unterbrechen, zum anderen habe sich dadurch Silas' Abhängigkeit vom Vermittler erhöht - da er von nun an erpressbar gewesen sei. „Das ist ein Thema, das eine Komponente hat, die es nicht geben darf im Fußball und in der Welt“, sagte Mislintat. „Das ist für mich eine völlig neue Dimension, die mich erschreckt.“ Die Schwaben sehen ihren Spieler als Opfer und prüfen zudem rechtliche Schritte gegen seinen ehemaligen Spielervermittler.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes wurde vom VfB informiert und will „die Angelegenheit im Hinblick auf ein mögliches sportstrafrechtliches Fehlverhalten des Spielers überprüfen“, wie der Ausschussvorsitzende Anton Nachreiner in einer DFB-Mitteilung ankündigte. Der DFB-Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz verwies auf eine wirksam erteilte Spielerlaubnis durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL). „Davon abgesehen sind beim DFB-Sportgericht keine Einsprüche gegen Spielwertungen anhängig. Diese können wegen Fristablauf auch nicht mehr eingelegt werden“, erklärte Lorenz.

Stuttgart rechnet mit neuer Spielberechtigung

„Wir haben sofort, nachdem Silas sich uns anvertraut hatte, alle aus unserer Sicht nötigen Maßnahmen eingeleitet und die zuständigen Stellen eingeschaltet“, sagte VfB-Chef Hitzlsperger. Konsequenzen für den Profi fürchten die Schwaben nicht. Nach juristischer Bewertung des Sachverhalts gehe man davon aus, „dass Silas im Besitz einer gültigen Spielberechtigung war und weiter ist“. Außerdem rechnet der VfB damit, dass Silas zu gegebener Zeit eine neue, auf seinen richtigen Namen lautende Spielberechtigung bekommen werde. (dpa)

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