Kommentar

Das DFB-Team hat das Ziel erreicht, aber nicht die Fans

Gelassene Gewinner vor ein paar Fahnen: Die deutschen Nationalspieler nach ihrem 4:0-Sieg in Mönchengladbach.

Gelassene Gewinner vor ein paar Fahnen: Die deutschen Nationalspieler nach ihrem 4:0-Sieg in Mönchengladbach.

Foto: Lars Baron / Getty Images

Essen.  Das größte Problem der Nationalelf ist kein sportliches. Sie hat sich für die EM qualifiziert, aber die Begeisterung fehlt. Ein Kommentar.

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Eher geschäftsmäßig nahmen die deutschen Nationalspieler zur Kenntnis, dass sie soeben die Ziellinie überschritten hatten. Sie selbst hatten Weißrussland mit 4:0 besiegt, auch das 0:0 zwischen Nordirland und den Niederlanden hatte das deutsche Team vorzeitig zum Teilnehmer an der EM 2020 gemacht. Die Freude darüber fiel verhalten aus, die Gewinner gingen gemächlich über den Mönchengladbacher Rasen und bedankten sich mit höflichem Applaus bei den Zuschauern.

Man muss tatsächlich ja auch nicht gleich in frenetischen Jubel ausbrechen, wenn man es als Fußgänger bei Grün über die Straße geschafft hat. Aber es ist grundsätzlich erst mal eine ordentliche Leistung, sich bereits vor dem letzten Gruppenspiel bei nur einer Niederlage gegen die Niederlande für das kontinentale Turnier qualifiziert zu haben. Auch wenn diese Gruppe kaum hohe Hürden bereithielt: Es hätte schlechter laufen können.

Zu wenige Säulen geben dem Gebilde Halt

Denn die neuformierte Nationalmannschaft befindet sich noch mitten in der Suche nach sich selbst. Es gibt zu wenige Säulen wie Toni Kroos und Manuel Neuer, die dem Gebilde Halt geben. Es wackelt hier und knirscht dort, sogar die nicht einmal mittelmäßigen Weißrussen kamen zu hochkarätigen Chancen.

Das größte Problem der Nationalmannschaft aber ist kein sportliches. Auch in Mönchengladbach war wieder deutlich erkennbar, dass um dieses Team keine Begeisterung mehr herrscht. 33.164 Zuschauer waren gekommen, 46.000 hätten auf die Ränge gepasst. Die Stimmung passte sich den Temperaturen an. Dass eine Blaskapelle während der anstrengenden ersten Halbzeit fröhlich vor sich hin trompetete und sich dabei an dem kultigen Rocksong „Seven Nation Army“ versündigte, wirkte schon absurd.

Zu viel Kommerz, zu großer WM-Schaden

Die Vorwürfe lassen sich nicht ignorieren. Die Nationalmannschaft gilt als durchkommerzialisiert, ihr Fan-Club ist sponsorenunterstützt, die Eintritts- und Trikotpreise sind zu hoch, konstruierte Kampagnen wie „Die Mannschaft“ kommen nicht an. Zudem ist der bei der WM 2018 verursachte Image-Schaden noch lange nicht repariert.

Viele Fans haben sich festgelegt: Sie schenken ihre Herzen ausschließlich ihren Bundesligaklubs. Solche Anhänger gab es immer schon. Aber dass es zwischen 2006 und 2014 deutlich weniger waren, sollte dem DFB zu denken geben.

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