Kommentar

Rudi Völler sollte den Druck auf Fußballprofis nicht verharmlosen

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler

Foto: dpa

Essen.  Bayer Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler schätzt den Druck auf Fußballprofis "im Normalfall" als nicht übermäßig hoch ein. Ein Kommentar.

Eine Neurochirurgin, bei der das Leben eines Patienten davon abhängt, dass sie ihr Skalpell millimetergenau führt, hat Druck. Piloten, Polizisten, Krankenschwestern, Busfahrer, Sozialarbeiter? Alle, in deren Händen Menschleben liegen, haben Druck.

Ein Fußballprofi? Der darf den Lebenstraum eines Jungen leben, auch als Erwachsener Fußball spielen zu dürfen – und wird dafür gar nicht mal so schlecht bezahlt. Um ein Vielfaches besser jedenfalls als die meisten Krankenschwestern.

Offene Worte von Per Mertesacker

Ein Fußballprofi führt, wenn man aus diesem Blickwinkel auf den Berufsstand schaut, ein überdurchschnittlich privilegiertes Leben. Hat Rudi Völler also Recht, wenn er in einem Interview den Druck auf Fußballprofis „im Normalfall“ als nicht übermäßig hoch einschätzt? Die Frage lässt sich ernsthaft nur mit einem „Ja, aber“ beantworten. Betonung auf aber. Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung eines Fußballspielers ist zwar nicht besonders hoch, dennoch sind sie im Leben vieler Menschen eine wichtige Identifikationsfigur. Das kann Versagensängste schüren, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Überdies gehört zu einer Profi-Karriere neben spielerischem Talent und körperlichen Voraussetzungen eine riesige Portion Ehrgeiz. Der Antrieb, der Beste sein zu wollen, kann einen gewaltigen Druck in einem Menschen aufbauen. Nicht jeder Spitzensportler ist dem gewachsen: Wie er als Spieler gelitten hat, davon hat zuletzt auch der ehemalige Profi Per Mertesacker, immerhin Fußballweltmeister, sehr offen gesprochen.

Wenn Rudi Völler den Druck, der auf Fußballprofis lastet, also in einem Interview lässig kleinredet, ist das mindestens undifferenziert. Für jemanden, der sich als Führungskraft in einem Fußballverein um Angestellte (nichts anderes sind Fußballprofis) zu kümmern hat, scheint die Äußerung beinahe schon unverantwortlich.

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