Rot-Weiss Essen

Der Erfolg kam bei RWE wieder von der Ersatzbank

Wie sich die Bilder doch gleichen: Auch in Lippstadt wurde der Erfolg mit Trainer Titz (links) gefeiert, auf ausdrücklichen Wunsch der Gästekurve.

Wie sich die Bilder doch gleichen: Auch in Lippstadt wurde der Erfolg mit Trainer Titz (links) gefeiert, auf ausdrücklichen Wunsch der Gästekurve.

Foto: Markus Endberg/FFS

Essen.  Die Breite im Kader der Essener ist es, die am Ende den Ausschlag gibt. RWE-Trainer Christian Titz spricht von ganz vielen Stammspielern

Der 4:2-Auswärtssieg beim SV Lippstadt war eingefahren, die Mannschaft saß wieder einmal geschlossen auf dem Hosenboden vor ihrer Gästekurve, aber die Fans schrien immer noch: “Sitz, sitz, sitz”. Aber nein, bei genauem Hinhören war es eher „Titz, Titz, Titz” – das Fanvolk verlangte energisch nach dem Baumeister des Erfolgs, der sich dann auch nicht lange bitten ließ. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Nach 30 Minuten wurde umgebaut

Schließlich hatte der RWE-Coach wieder maßgeblich am Umschwung in der Liebelt-Arena mitgewerkelt. Und Titz scheut dabei nicht vor unpopulären Maßnahmen, nahm nach einer halben Stunde mit Alexander Hahn einen seiner Innenverteidiger vom Feld. Die Idee dahinter? „Das Spiel hatte bis dahin gezeigt, dass wir heute ganz viele Torchancen bekommen. Alex hatte Probleme mit der Geschwindigkeit, wenn ihn sein Stürmer raus zog. So zogen wir Marco Kehl-Gomez zurück, der da weniger anfällig war.”

Gesagt, getan, und mit dem eingewechselten Ayodele Adetula wurde noch für zusätzlichen Turbo im Angriff gesorgt. „Er hat mit seinem Speed das Spiel für uns entschieden”, so Titz, vergaß aber nicht die Großchancen des jungen Ex-Braunschweigers nach dem Wechsel: „Er hätte sich heute deutlich mehr belohnen können.” Aber es reichte, weil die Auswahl des Chefcoachs schier unbegrenzt ist. Denn nach dem Wechsel zog er mit Hedon Selishta den nächsten Joker aus dem Ärmel. Ein Wechsel, so Titz, der sich quasi schon in der Trainingswoche andeutete: „Bei Hedon hatten wir das Gefühl, dass er einfach dran ist.”

Chance genutzt, kann man nur attestieren. Sein wichtiges Führungstor zum 3:2 fünf Minuten nach seiner Einwechslung war die Krönung einer starken Vorarbeit von Joshua Endres, dem stärksten RWE-Angreifer an diesem Freitagabend. Und das 4:2 durch den ehemaligen Oberliga-Torjäger fiel in seiner Unwiderstehlichkeit nur mit dem Selbstbewusstsein des ersten Selishta-Treffers. Wie er sich durch die gegnerische Hälfte wuchtete und von nichts und niemandem aufhalten ließ, das hatte was: „Ich war überrascht, dass ich überhaupt in die Eins-gegen-Eins-Situation kam, nach dem Abstoß unseres Torhüters”, bekannte der Stürmer, der die Gefährlichkeit von der Bank personifizierte: „Wir sind in der Breite so gut besetzt, es gibt keinen Grund ungeduldig zu sein, jeder nutzt seine Chance, wenn er sie bekommt”, weiß er.

Dahmani stinksauer über Nicht-Einwechselung

Nicht jeder geht mit seiner Nicht-Berücksichtigung ähnlich verständnisvoll um. Als das Auswechslungs-Kontingent erschöpft war, trottete Hamdi Dahmani missmutig zurück und pfefferte sein Leibchen auf die Ersatzbank, das hatte sich der langjährige Kapitän von Fortuna Köln anders vorgestellt. Wofür sein Trainer wiederum Verständnis hat: „Wenn ein Spieler mir nicht böse wäre, würde was falsch laufen. Ich war selbst Spieler und hätte meinen Trainer auffressen können, wenn ich nicht zum Einsatz kam. Das wird jetzt ein, zwei Tage noch dauern, dann beginnt der Kampf wieder von vorne”, ist sich Titz sicher.

Da ist der Trainer als Moderator gefragt; vor allen Dingen, so lange der Sieg immer wieder von der Bank kommt. Denn, darauf legt der RWE-Coach Wert: „Wir haben nicht elf Stammspieler, sondern ganz ganz viele. Wenn wir dauerhaft im oberen Drittel mitspielen wollen, dann wird es entscheidend sein, was wir von der Bank nachlegen können.”Aber, auch das weiß Titz, „die Mannschaft muss es annehmen, da gehört bei jedem Spieler auch sehr viel Selbstdisziplin dazu.” Bislang zieht die Mannschaft eindeutig mit, denn wer Erfolg hat, macht bekanntlich alles richtig.

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