Regionalliga

RWE-Stürmer Selishta ist ein Mann für die wichtigen Tore

Die rot-weisse Welt ist eine einzige Jubeltraube: Nach Spielschluss wurde Hedon Selishta (unten) von seinen Teamkameraden fast erdrückt.

Die rot-weisse Welt ist eine einzige Jubeltraube: Nach Spielschluss wurde Hedon Selishta (unten) von seinen Teamkameraden fast erdrückt.

Foto: Stefan Rittershaus/FFS

Wuppertal.  Last-Minute-Schütze Hedon Selishta hätte in Wuppertal am liebsten die ganze Welt umarmt. Auch Marcel Platzek findet zu alter Torgefährlichkeit zurück.

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Hedon Selishta rannte und rannte, mit ausgebreiteten Armen, als wolle er die ganze Welt umarmen. Und hätte ihm noch jemand den Ausgang gezeigt, wer weiß, dann wäre der RWE-Stürmer vielleicht noch über die Wupper gegangen. Die Freude musste raus, nach dem 2:1-Derbysiegtreffer beim Wuppertaler SV in buchstäblich letzter Sekunde. „Das ist der Nachteil, wenn die Fans auf der anderen Seite stehen – aber es hat sich gelohnt, der Sprint“, meinte der Torjäger zu seinem rekordverdächtigen 100-Meter-Lauf übers ganze Spielfeld.

Selishta zaubert gewaltiges Ding aus dem Fußgelenk

Selishta ist auf jeden Fall ein Mann für die wichtigen Tore, dies hatte er vor Wochen bei seiner Einwechselung in Lippstadt schon demonstriert. Festzuhalten ist bei RWE jedenfalls, dass die Stürmer momentan wieder das leisten, wofür sie bezahlt werden: Tore schießen. Auch bei Marcel Platzek scheint der Knoten nun geplatzt zu sein. Da aus dem Spiel heraus in dieser Phase der Partie nicht viel ging, musste ein Standard her: Oguzhan Kefkir führte die Ecke mal kurz aus, Essens Stürmer-Ikone sprintete in den Freiraum und zauberte ein gewaltiges Ding aus dem Fußgelenk, das der starke WSV-Keeper Niklas Lübcke gar nicht kommen sah: Als er die Fäuste hochriss, zappelte die Kugel nach einer Stunde schon im Netz.

Die kleinen schöpferischen Pausen, die manch ein Angreifer in dieser Saison einlegt – wenn er denn überhaupt im Kader ist – nimmt der Neuzugang vom Regionalligisten FC Bayern Alzenau nicht tragisch: „Als Offensivspieler muss man mit solchen Dingen umgehen. Ich hatte auch Phasen in meiner Laufbahn, wo man längere Zeit nicht trifft. Aber ich denke, unsere Mannschaft hat eine ordentliche Qualität, dieses zu kompensieren. So lange wir im Endeffekt die Spiele gewinnen, ist es mir wirklich wurscht, wer die Tore macht“, sieht es der 27-Jährige ganz pragmatisch.

Und wenn man am Ende einer Partie offensiv noch einmal so nachlegen kann wie Rot-Weiss Essen momentan mit einem fast kompletten Kader, kann es bei dem einen oder anderen Team zum Ende hin schon mal einen Wadenkrampf hervorrufen; erst recht, wenn man wie die WSV-Akteure wie die Hasen übers Feld gerannt waren. Als Cheftrainer Christian Titz mit Joshua Endres, Hamdi Dahmani, Jan-Lucas Dorow und eben Selishta im Laufe der 90 Minuten nachgelegt hatte, standen fast nur noch offensiv ausgerichtete RWE-Akteure auf dem Feld. Wohl dem, der diese Auswahl hat.

Titz sprach vom „emotional schönsten Sieg“

Auch wenn es in vielen Phasen des Spiels mächtig ruckelte im Offensivbereich, wenn der finale Pass in die Tiefe oftmals nicht gelingen wollte. „Wenn man hier auf den Platz geht, weiß man, es ist wirklich schwer. Die Mannschaft, die hier Fußball spielen will, muss immer höllisch aufpassen, dass der Ball nicht verspringt. Hier muss man diesen Kampf annehmen“, hatte Titz Verständnis für sein Team und verteilte eine milde B-Note. Am Ende stand die nüchterne Erkenntnis, dass man nun schon wieder „seit Wochen ungeschlagen sei“ und der Trainer sprach im Zustandekommen vom „emotional schönsten Sieg“. Das honorierten die Fans, die ihre Derbysieger mit bengalischem Feuerwerk am Abend an der Hafenstraße begrüßten, das in seiner Heftigkeit so gewaltig geriet, als sei die Truppe gerade aufgestiegen – in die Bundesliga.

Das Schönste dabei: Dieses Pyro-Werk kostet den Verein ausnahmsweise mal keine Verbandsstrafe.

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