RWE-Nachlese

RWE lässt fast keine Chance zu und verliert trotzdem

Die Rot-Weissen  stellten sich nach Abpfiff den Fans, was für sie nicht angenehm war.

Foto: Thorsten Tillmann

Die Rot-Weissen stellten sich nach Abpfiff den Fans, was für sie nicht angenehm war. Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  An der Hafenstraße herrschte Fassungslosigkeit. Wattenscheid tanzte vor Glück, RWE war der Verzweiflung nah nach einem kuriosen Spiel.

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An der Hafenstraße herrschte Fassungslosigkeit – egal, wohin man schaute. Auf der einen Seite hüpften und tanzten die Wattenscheider ausgelassen vor Glück, ihr Trainer Farat Toku strahlte in dem Bewusstsein, einen ganz besonderen Coup an diesem Abend gelandet zu haben. Auf der anderen schlichen die Gastgeber umher wie gerumpfte Hähne und konnten nicht begreifen, was ihnen widerfahren war: Innerhalb von fünf Minuten hatten sie den Sieg vergeigt.

In der 89. Minute war der Ausgleich zum 2:2 gefallen, mit der allerletzten Aktion in der Nachspielzeit, es lief die 95., wurde den Rot-Weissen ein weiteres Ei ins Nest gelegt zum 2:3 (1:0). „Ich weiß nicht“, sagte später ein eingefleischter RWE-Fan auf dem Heimweg, „wann wir hier jemals ein Spiel so kurz vor Schluss noch aus der Hand gegeben haben.“

Den Gastgebern blieb nur Kopfschütteln

Den Rot-Weissen blieb nur Kopfschütteln, wirklich erklären konnten sie sich jedenfalls dieses aus ihrer Sicht unsägliche Finale nicht. „So ein Spiel darfst du normalerweise nicht verlieren“, meinte der RWE-Vorsitzende Marcus Uhlig. Und Mittelfeldspieler Kevin Grund, der das 1:0 (27.) durch Marcel Platzek vorbereitet hatte, ergänzte: „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das heute verlieren könnten.“

Aber Grund machte seinem Namen Ehre: „Wir waren in den entscheidenden Szenen nicht da. Das erste Gegentor kann passieren. Beim zweiten pennen wir, vor dem dritten haben wir einen unnötigen Ballverlust. Wir müssen nach unserem 2:1 das Ding über die Bühne bringen.“ Normalerweise hätte es so sein müssen, denn die Gastgeber kontrollierten die Partie und gewährten den 09ern bis in die Schlussphase hinein nicht eine Chance. Bei eigener Führung hatten sie genug Möglichkeiten, um Klarheit zu schaffen. Benjamin Baier traf aus 16 Metern den Pfosten (56.), Kamil Bednarski verpasste zweimal, und Torjäger Platzek schlenzte Keeper Steffen Scharbaum die Kugel in die Arme (78.).

Selbst SG09-Trainer Farat Toku sprach von einem glücklichen Sieg

„Der Sieg war schon etwas glücklich für uns, aber ich muss mich nicht dafür entschuldigen“, meinte Trainer Toku. Und er zog das gleiche banale Fazit, wie drei Wochen zuvor Kollege Daniel Zillken beim 1:0-Sieg des Bonner SC: „Wenn man ein Tor mehr schießt als der Gegner, hat man es auch verdient, zu gewinnen.“

Nun, verdient hatten die Wattenscheider die drei Punkten, weil sie bis zum Schluss an sich glaubten und unermüdlich versuchten, sich Chance zu erarbeiten. Das gelang zwar nicht, aber Fortuna hatte dann doch wohl Mitleid. Angelo Langer verunglückte eine Flanke in den gegnerischen Strafraum, und der Ball senkte sich hinter Keeper Robin Heller ins Netz (79.). Keine Chance, aber erstes Tor. Die Gastgeber waren verblüfft über so viel Zufall, antworteten aber 15 Sekunden später mit dem 2:1 (80.) durch Kai Pröger. Wieder Vorteil RWE.

RWE vergisst den Sack zuzumachen und wird bestraft

Doch es blieb ein aus Essener Sicht gefährlicher Spielstand, zumal die SG 09 nun etwas forscher und mutiger zu Werke ging. Nach einem Freistoß verloren die zuvor defensiv souveränen Essener zunächst ein Kopfballduell im Strafraum, dann reagierte Langer blitzschnell und hämmerte den Ball ins Tor zum 2:2 (89.). Ausgerechnet Verteidiger Langer. „Über Angelo brauche ich nichts zu sagen“, grinste Farat Toku. „Er wird nie wieder in seinem Leben zwei Tore in einem Spiel machen.“

Trainer Argirios Giannikis analysierte gewohnt nüchtern und sachlich, was blieb ihm auch anderes übrig? „Wir haben den Sack in der zweiten Hälfte nicht zugemacht“, sagte er. „Bis zur 90. Minute haben wir praktisch keine Chancen zugelassen. Wir haben viel richtig gemacht, aber deshalb tut diese Niederlage umso mehr weh.“

Gleichwohl hat es sich Rot-Weiss bei allem Unglück auch selbst zuzuschreiben. Denn mit einem Abwurf brachte Torhüter Robin Heller Kamil Bednarski in Verlegenheit, der ließ den Ball weit abprallen, Wattenscheid kam und spielte die RWE-Abwehr zum ersten und einzigen Mal klassisch aus. Dumm gelaufen.

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