Hallenfußball

Budenzauber mit Altstars: RWO gewinnt Hallen-Masters

Sieger in Mülheim: Rot-Weiß Oberhausen.

Foto: Thorsten Tillmann / FUNKE Foto Services

Sieger in Mülheim: Rot-Weiß Oberhausen.

Mülheim.  Die Fußball-Bundesligisten haben Hallenturnieren längst abgeschworen. Traditionsteams halten sie am Leben - wie beim Masters in Mülheim.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Tomasz Waldoch betritt im königsblauen Dress den Kunstrasen in der Mülheimer Sporthalle, an der Bande baut sich ein unvorstellbares Trainergespann mit Weltmeister Olaf Thon und S04-Legende Klaus Fichtel auf. Eine Mischung aus Pfiffen und Applaus schlägt ihnen entgegen. Es ist Derby-Zeit beim NRW-Traditionsmasters, Schalke 04 gegen SG Wattenscheid 09. Vor 2500 Zuschauern.

Das Hallen-Prinzip, in Mülheim funktioniert es auch in der 13. Auflage: Mettbrötchen, Bier und Fußball-Helden direkt vor der Nase.

Dabei ist der Budenzauber von einst längst verpufft. Vor 30 Jahren rief der Deutsche Fußball-Bund die Hallenmasters ins Leben. Die Bundesliga-Klubs nutzten die Turnierserie im Winter für die Vorbereitung, Sport 1 (damals DSF) übertrug den Hallen-Kick in Endlos-Schleife.

Top-Klubs verzichten auf Risiko

„Das war für uns immer ein Highlight“, erinnert sich Olaf Thon, DFB-Pokalsieger von 2001 und 2002. „Das war natürlich nicht für jeden etwas. Wir wurden gefragt, ob wir Spaß daran hätten und dann spielten wir.“ Die Bundesliga-Klubs verloren die Lust irgendwann. Zu groß war das Verletzungsrisiko, zu kostbar jeder Spieler, zu dick der Terminkalender. 2001 wurde die Serie, die mit Borussia Dortmund einen Rekordmeister hervorbrachte (vier Titel), beendet. In der Winterpause 2015/16 war das erste Mal kein Bundesligist mit von der Partie. Die Fifa und der DFB setzen ohnehin eher auf den Banden-losen Futsal.

„Ich sehe das als Entwicklung, die ist nicht optimal, aber dafür machen wir das“, sagt der 51-jährige Thon. „Die eine Tür geht zu für den Fußball, die andere geht auf.“

Das sieht auch MSV-Ikone Bernard Dietz (69) so. „Früher gab es ja nichts anderes“, sagt der Europameister von 1980. Heute sei der Kalender voll, dazu gebe es auch in der Winterpause Live-Fußball rund um die Uhr. „Das wird sich auch nicht mehr ändern. Die Spieler haben heute einen ganz anderen Wert. Es ist ja auch nicht schön, wenn die Vereine ihre zweite oder dritte Mannschaft zu den Turnieren schicken.“

Die Fans in Mülheim wollen eh andere sehen, Fußballer mit Kultstatus. Auch solche, die nicht mehr spielen: Joachim Hopp (51) vom MSV Duisburg und Lothar Woelk (63) vom VfL Bochum, die erst bei Thyssen und Opel arbeiteten, ehe sie Profis wurden. Oder den Ex-Wattenscheider Hannes Bongartz (66), der nach seiner aktiven Zeit auch den MSV trainierte. Oder Bochums Rekordspieler Ata Lameck (68). Oder Souleymane Sané (56), den Papa von Leroy Sané. Oder...

Die Altstars nehmen das Turnier ohne Zweifel ernst. Im Spielertunnel wuseln zwar Kinder herum, aber auf dem Platz geht es zur Sache, auch im Finale, in dem Rot-Weiß Oberhausen Schalke 04 mit 2:0 bezwingt. Alter Ehrgeiz, nicht verblasst.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben