Interview

RWO-Chef Sommers: "Leichter wird das in Zukunft alles nicht"

Das hätte so nicht sein müssen: Hajo Sommers verabschiedet Raphael Steinmetz von seinem Lieblingsverein RWO zum Ligakonkurrenten Wuppertaler SV.

Foto: Kerstin Bögeholz

Das hätte so nicht sein müssen: Hajo Sommers verabschiedet Raphael Steinmetz von seinem Lieblingsverein RWO zum Ligakonkurrenten Wuppertaler SV.

Oberhausen.   RWO-Präsident Hajo Sommers zieht Bilanz für seinen Verein und schaut schon ein gutes Stück nach vorn. Hoffnungsfroh, aber durchaus zweifelnd.

Zwischen den Jahren wird bilanziert. Dies gilt selbstredend auch für Oberhausens ersten Fußball-Club. Traditionell haben wir uns mit RWO-Chef Hajo Sommers unterhalten, zurück und nach vorn geschaut.

Wie ist das mit der Lizenz?

Hajo Sommers: Der Prozess beginnt bereits im Oktober, dann bestellt man einen Wirtschaftsprüfer. Bis März, wenn es an den konkreten Antrag geht, entstehen bei recht hohem Personalaufwand deswegen Kosten von rund 40 000 Euro. Wir könnten den Prozess stoppen, der Prüfer hat uns netterweise eine Frist verlängert. Wir überlegen, weil wir wissen, dass in dieser Liga ab Januar oft in Freundschaft gespielt wird. Zehn Punkte und deutlich weniger Geld als die beiden da oben, sind nun mal nicht weg zu diskutieren. Andererseits, und diesen Aspekt finde ich sehr wichtig, wird der Verein finanziell richtig durchleuchtet. Nach dieser Analyse wissen wir, was wir wert sind, wo wir Löcher haben und was wir demnächst noch zu erledigen haben. Das hat für uns auch ohne folgenden Lizenzantrag sehr großen Wert.

Wie sieht es bei den Sponsoren aus?

Hajo Sommers: „Ich spreche lieber von Unterstützern. Wir suchen ständig welche, um den Rest dieser Saison zu finanzieren und auch die neue finanziell schon abzustecken. Es kommen neue Unterstützer hinzu, wir verlieren aber auch gute Freunde.

Wie bewertet RWO den letzten Stand der Aufstiegsregelung der Regionalligen?

Hajo Sommers: Was ich dazu zu sagen habe, darf nicht in der Zeitung stehen, weil es nicht druckfähig ist. Der DFB hat auf Druck der Dritten Liga den Rückzieher gemacht und nun eine Zwischenlösung präsentiert, die so traurig ist, dass man fast drüber lachen könnte. Wenn es nicht viele Vereine betreffen würde, die dadurch keine Chance haben. Und am Ende wird es wieder so sein, dass nicht jeder Meister aufsteigt und dass die Folgenden auch leer ausgehen. Warum kann der zweite Platz nicht aufgewertet werden, indem er mit der Teilnahme am DFB-Pokal belohnt wird.

Die allgemeinen Aussichten für RWO in der Regionalliga sehen folgendermaßen aus:

Hajo Sommers: Eigentlich haben wir keine Chance. KFC und Viktoria Köln werden immer mehr Geld haben als wir und dafür kaufen und bezahlen sie Spieler, die eine höhere Qualität haben als wir uns jemals leisten können. Die müssten sich untereinander schon verkloppen, um nicht immer vor uns zu stehen. Dazu kommen noch die U 23-Mannschaften der Profivereine, die auch finanziell alle deutlich besser aufgestellt sind als wir. So haben wir keine Chance und müssen wie viele andere darauf hoffen, dass mal alles so klappt, wie es alle Jubeljahre im Fußball doch mal vorkommt, wenn alles zusammen passt. So wie damals mit der Zweiten Liga bei uns mit Günter Bruns oder jetzt aktuell bei den U-19-Teams von uns und auch Arminia Klosterhardt, die mit noch weniger Geld als wir Erstaunliches schaffen. Das liegt an Leuten, die sich für den Job zerreißen. Die neben ihrem Brot-Job für diese Aufgaben brennen. Das sehe ich bei Dimi Pappas genau sowie wie bei Robin Krüger.

Und Mike Terranova?

Hajo Sommers: Gleiches Horn. Er hat es noch schwerer, denn er steht viel mehr im Blickpunkt, an ihm ziehen viel mehr Menschen herum. Aber er hat in dieser kurzen Zeit sehr viel gelernt. Er weiß jetzt nach den letzten Wochen auch, dass nicht immer nur die Sonne auf den Kopf scheint, sondern Regen auch runter läuft. Das zeichnet ihn aus und er macht seine Sache wirklich gut. Er ist weiter der richtige Mann für uns.

Ist ein neuer Vorstand absehbar?

Hajo Sommers: Wir sind noch ein Jahr und drei oder vier Monate im Amt, danach stehen wir nicht mehr zur Verfügung. Wir hätten früher Schluss machen sollen, etwa als wir in die Zweite Liga aufgestiegen sind. Da hatten wir keinen Sorgen, konnten alles bezahlen und es blieb sogar was übrig. Aber so schlau ist man immer erst hinterher. Mit dem Abstieg aus der Zweiten und Dritten hatten wir auf einmal einen riesigen Schuldenberg und kein Geld mehr. Ich bin so erzogen worden: Schulden muss man abzahlen. Andere gehen in die Insolvenz und sind bald wieder quietschfidel. Vielleicht hätten wir das machen sollen, aber so sind wir eben nicht. Wir arbeiten weiter daran, Schulden abzubauen. Stand jetzt sind noch keine Nachfolger aufgetaucht. Aber nach der Satzung kann unser Verein auch ohne Vorstand durch den Aufsichtsrat geleitet werden. RWO wird auf jeden Fall handlungsfähig sein. Und bis dahin suchen wir weiter nach Leuten, die hier mithelfen wollen.

Die sportliche Perspektive auf längere Sicht ist?

Hajo Sommers: Schwer, wir machen, wir tun. Aber kaum schaut man mal über die Grasnabe, bekommt man wieder einen verpasst. Die vierte Liga ist als eine so mittendrin angelegt. Nichts Halbes, nichts Ganzes, im Nirgendwo. Bisschen Profi, aber doch nicht so richtig. So sehen dann auch die Spieler, dass sie mit dem bisschen Geld von hier vielleicht ihr Studium finanzieren können oder bescheiden leben, aber große Sprünge werden woanders gemacht. Daher ist diese Liga extrem. An diesem Zustand ist Andreas Zimmermann hier gescheitert, und damit hat auch ein Mike Terranova zu kämpfen. Und dann kommt die bestehende oder baldige Aufstiegsregelung hinzu und macht alles Sportliche extrem anfällig. Ich glaube, dass die Liga in dieser Konstruktion in drei, vier Jahren kaputt ist. Und dies wird vom DFB in Kauf genommen, weil es eine Liga ist, wo man kein Geld verdienen kann.

Die Infrastruktur?

Hajo Sommers: Ganz schwer für uns, vor allem wegen der Bauarbeiten zur Betuwe, die uns zusätzlich das Wasser abgraben. Wir haben mal ausgerechnet, dass uns in zwei Jahren 600 000 Euro an Einnahmen durch weniger Zuschauer oder Parkplatzeinnahmen verloren gehen. Davon hat sich die Bahn natürlich gar nichts angenommen. Auch dass P 2 eingeschränkt wird oder dass P 3 durch ein Tor gesperrt ist und man einen sehr weiten Weg zum Stadion hat: es gibt keine Reaktion darauf. Auch nicht, wenn sich die Stadt beschwert, die dabei derzeit ganz eng an unserer Seite ist. Aber auch die beißt sich die Zähne aus. So was an Ignoranz habe ich noch nicht erlebt. Und wenn die eine Seite fertig ist, beginnt es oben an der Konrad-Adenauer auf der anderen mit einer neuen Riesenbaustelle.

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