Frauenfußball

BVB und Schalke im Frauenfußball? SGS und MSV bleiben gelassen

Nationalspielerin von der SGS Essen: Lena Oberdorf.

Nationalspielerin von der SGS Essen: Lena Oberdorf.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Essen.  DFB-Präsidentschaftskandidat Fritz Keller wünscht sich BVB und Schalke im Frauenfußball. Die SGS Essen und der MSV sehen sich gut aufgestellt.

Es wäre übertrieben, vom Kampf der Systeme zu sprechen. Aber zumindest sind es doch zwei unterschiedliche Modelle, die am Sonntag im Derby aufeinandertreffen, wenn die SGS Essen den MSV Duisburg empfängt (14 Uhr): hier der eigenständige Frauenverein aus Essen, dort der Duisburger Klub unter dem Dach der aus dem Herrenfußball bekannten Marke MSV.

Genau diese bekannten Marken wünscht sich Fritz Keller ja im Frauenfußball. Geht es nach dem designierten DFB-Präsidenten, sollen die Profiklubs der Herren künftig eine Frauenmannschaft unterhalten oder einen Frauenverein massiv unterstützen – irgendwann soll das sogar Lizenzbedingung werden.

Schalke und der BVB ohne Frauen

Keller steht nicht allein mit seiner Forderung. Die Nationalspielerin Lina Magull hat schon vor Monaten an Borussia Dortmund appelliert, eine Frauenmannschaft zu gründen. Man könne „mit dem BVB wirklich was bewegen“, sagte sie. „Viele gute Spielerinnen haben schon gesagt, dass sie sofort für den BVB spielen würden.“ Und Klara Bühl von Kellers SC Freiburg, gerade als beste deutsche Nachwuchsspielerin ausgezeichnet, würde gerne gegen Dortmund oder Schalke spielen. „Dann wäre die deutsche Liga noch besser und anspruchsvoller“, sagt sie.

Tatsächlich sind der BVB und Schalke die letzten beiden großen Klubs ohne Frauenfußball. Wenn sie nun aber massiv investieren – was wird dann aus kleinen Klubs wie der SGS oder dem MSV?

Thomas Gerstner ist Trainer der MSV-Frauen – und er begrüßt Kellers Vorschlag: „Es ist höchste Zeit, dass wir den Frauenfußball professionalisieren“, sagt er dieser Zeitung. „Und das geht nicht mehr mit reinen Frauenfußballvereinen.“

Natürlich gebe es noch die SGS, Turbine Potsdam und den SC Sand. „Die haben alle noch den Vorteil, dass sie aus den Strukturen, die sie bisher hatten, schöpfen können“, so Gerstner. „Aber das wird nicht einfacher, die Möglichkeiten sind begrenzt. Mit einem Herrenverein im Hintergrund sind ganz andere Möglichkeiten gegeben.“

Aber was bedeutet das für einen eigenständigen Klub wie die SGS? „Erst einmal würde das für uns nichts bedeuten, weil diese Vereine ja zunächst weit unten anfangen und sich dann hocharbeiten müssten“, sagt Florian Zeutschler, Geschäftsführer beim Frauen-Bundesligisten. „Wir hätten also Zeit, uns entsprechend aufzustellen – aber nichts anderes machen wir ja bei der SGS Essen seit über 20 Jahren.“

Vorteil als Ausbildungsverein

Es gab ja schon immer Klubs, die mehr Geld ausgeben konnten, deswegen haben sich die Essener ihre Nische gesucht und darin gut eingerichtet: Essen ist Ausbildungsverein. „Wir versuchen über unsere U17 und unsere U20, Spielerinnen aufzubauen und an das Niveau der Profimannschaft heranzuführen“, sagt Zeutschler. Und in Sachen Jugendarbeit „sind wir als Ausbildungsverein im Vorteil: Wir haben ein gutes Netzwerk und uns einen sehr guten Namen erarbeitet“.

Auch MSV-Trainer Gerstner glaubt nicht an unmittelbare Folgen: „Man muss eine Mannschaft erstmal aufbauen und über zwei drei Jahre laufen lassen, bevor man größere Sprünge macht“, sagt er. „Unmittelbar würde es den MSV Duisburg nicht treffen, auch nicht in ein, zwei Jahren – aber mittelfristig wird es dann schwerer.“

Es ist aber noch längst keine Erfolgsgarantie, wenn ein etablierter Bundesligist sich im Frauenfußball engagiert: Schalke startete 2007 eine Kooperation mit dem damaligen Verbandsligisten 1. FFC Recklinghausen, die nach fünf Jahren ohne großen Erfolg endete. Und Borussia Mönchengladbach stieg gerade erst aus der Bundesliga ab – mit einem Punkt und 7:110 Toren.

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