Schalke

Deshalb hat Schalke bei der Sportdirektor-Suche keine Eile

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider vor dem S04-Emblem. Mit Jonjoe Kenny hat er inzwischen den ersten Neuzugang verpflichtet.

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider vor dem S04-Emblem. Mit Jonjoe Kenny hat er inzwischen den ersten Neuzugang verpflichtet.

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

Gelsenkirchen.   Die Zusammenarbeit mit dem neuen Schalke-Trio Schneider, Reschke und Wagner läuft gut an. S04 ist auch auf dem Transfermarkt handlungsfähig.

Es ist auf Schalke im Moment nicht die Zeit für großspurige Ankündigungen – auch diese Lehre haben sie aus der Vergangenheit gezogen. Was man aber aus der Geschäftsstelle am Ernst-Kuzorra-Weg hört, ist: Die Zusammenarbeit im neuen sportlichen Führungstrio mit Sportvorstand Jochen Schneider, Kaderplaner Michael Reschke und Trainer David Wagner läuft zur Zufriedenheit aller Beteiligten an. Das ist auch der Grund, warum Schalke sich bei der Suche nach einem Sportdirektor nicht unter Zeitdruck sieht und erst einmal abwarten will, ob jetzt überhaupt noch ein weiterer Entscheider dazugeholt wird (die WAZ berichtete).

Schalke-Trainer Wagner kennt die englische Liga

Dass Schalke auch so handlungsfähig ist, zeigt die am Pfingstmontag perfekt gemachte Verpflichtung des englischen U21-Nationalspielers Jonjoe Kenny, der für ein Jahr vom FC Everton ausgeliehen wurde. Der neue Trainer David Wagner, der seinen Dienst ja offiziell erst zum 1. Juli antritt, aber natürlich jetzt schon in die Planungen eingebunden ist, kennt Kenny aus der englischen Premier League – diesen Fakt hebt Sportvorstand Schneider bei dem Transfer explizit hervor. Wagner war Trainer in Huddersfield, die englische Liga kennt der 47 Jahre alte Deutsch-Amerikaner gegenwärtig noch besser als die Bundesliga.

Schindler und Durm keine ganz heißen Kandidaten

Das ist auch der Grund, warum Schalke derzeit mit vielen Spielern aus der Premier League in Verbindung gebracht wird. Manche Spekulationen entpuppten sich als Luftnummer: Zum Beispiel die Gerüchte um Huddersfield-Torwart Jonas Lössl (geht zum FC Everton) oder einen Verteidiger namens Mathias „Zanka” Jörgensen. Eher beschäftigt hat sich Schalke mit den beiden deutschen Huddersfield-Profis Christopher Schindler (früher 1860 München) und Erik Durm (Ex-BVB). Nach WAZ-Infos sind diese Nummern aber nicht so heiß, dass sie ganz oben auf der Kandidatenliste stehen. Schindler, der in Huddersfield der verlängerte Arm des Trainers Wagner war, hat nach Informationen des Kicker zudem eine Ausstiegsklausel von 20 Millionen Pfund (22,5 Millionen Euro) in seinem Vertrag stehen – wenn überhaupt, dann müsste diese Summe gewaltig gedrückt werden. Durm wäre ablösefrei, soll nach Sky-Informationen aber kein Interesse an einem Wechsel nach Schalke haben.

Sicher ist, dass Schalke gerne den Düsseldorfer Stürmer Benito Raman verpflichten würde, der mit seinem großen Tempo und seiner Torgefahr (zehn Tore/ vier Torvorlagen in der vergangenen Saison) eine Verstärkung wäre. Doch bei der Ablöse gehen die Vorstellungen beider Vereine noch weit auseinander; einen zweistelligen Millionen-Betrag kann sich Schalke nicht leisten.

Deshalb reicht Schalke auch ein „Leiter der Lizenzspielerabteilung“

Die Kaderplanung ist der Verantwortungsbereich von Michael Reschke, der ja offiziell den Titel Technischer Direktor trägt. Jochen Schneider ist für die generelle Ausrichtung federführend, so dass schon die Frage nach den verbleibenden Kompetenzen eines möglichen zusätzlichen Sportdirektors offen bleibt. Der neue Mann, wenn er denn noch kommt, soll eine hohe Präsenz nach außen zeigen und so zum Gesicht der sportlichen Abteilung aufgebaut werden. Reschke soll diesen Part nicht übernehmen und Schneider möchte das nicht tun. Zugleich soll der neue Mann gemeinsam mit David Wagner sehr nah bei der Mannschaft arbeiten. Ein Profil, das nicht unbedingt den Rang eines Sportdirektors haben muss. Ein „Leiter der Lizenzspielerabteilung”, so die interne Überlegung, könnte das auch tun.

Asamoah zurück zur U23 – Büskens soll auf Schalke bleiben

Schalke ist nicht abgeneigt, hier jemanden mit einer königsblauen Vergangenheit, mit „Stallgeruch”, zu verpflichten. Der frühere Eurofighter Thomas Linke (zuletzt FC Ingolstadt) wäre so ein Typ gewesen, doch das hat nicht gepasst. Gerald Asamoah soll auf jeden Fall zur U23 zurückkehren: Für ihn wird das Feld hier mit den Management-Aufgaben nach dem Aufstieg in die Regionalliga als ideal angesehen, um sich dort weiter zu profilieren.

Mike Büskens schließlich, zuletzt unter Huub Stevens der Co-Trainer, ist weniger der Typ des Managers. „Buyo“ soll aber nach WAZ-Informationen weiter für Schalke arbeiten und langfristig gebunden werden, weil er genau die Tugenden vorlebt, die bei den Königsblauen zuletzt ein Stück weit verloren gegangen sind. Über ein konkretes Betätigungsfeld für Büskens ist aber noch keine Entscheidung gefallen – hier laufen die Gespräche.

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