Champions League

Ein Tor gegen die "alte Liebe": Der Zwiespalt des Leroy Sané

Er traf auf Schalke gegen Schalke: Leroy Sané von Manchester City.

Er traf auf Schalke gegen Schalke: Leroy Sané von Manchester City.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Ausgerechnet der Junge aus der eigenen Jugend verdarb Schalke die Party: Nach seinem Traumtor für Manchester City hielt sich Leroy Sané zurück.

Es war schon spät geworden, als Leroy Sané nach Manchester Citys 3:2-Sieg beim FC Schalke 04 in schwarzer Stoffhose und himmelblauem Wollpullover mit dem ManCity-Wappen auf der Brust im Untergeschoss der Gelsenkirchener Arena stand und so wirkte, als würde er sich fast ein bisschen schämen, als er über sein Traumtor reden sollte. „Klar freue mich für die Mannschaft. Aber es hat auch geschmerzt, das Tor gegen die alte Liebe zu erzielen“, sagte er.

Leroy Sané leitet auf Schalke die Wende ein

Schon auf dem Rasen hatte er seinen Zwiespalt angedeutet. Als ihm Kyle Walker nach dem kunstvoll gezirkelten direkten Freistoß auf den Rücken gesprungen war, schaute Leroy Sané zu Boden und hob entschuldigend die linke Hand. Jetzt bloß nicht noch jubeln. Das Tor hatte den 50.000 Schalke-Fans schon genug weh getan.

Vorher war die königsblaue Anhängerschaft schon in Partystimmung, doch mitten hinein in die Party platzte dann der frühere Schalker. Leroy Sané war von Startrainer Pep Guardiola erst in der 78. Minute eingewechselt worden, Schalke 04 führte überraschend mit 2:1. Und sieben Minuten später traf ausgerechnet der 23-Jährige zum 2:2 und leitete damit die Wende in einem verrückten Fußballspiel ein.

An dem Ort, an dem seine Karriere im Trikot des FC Schalke 04 vor vier Jahren so richtig Fahrt aufgenommen hatte, legte er sich den Ball zurecht und nahm fünf Schritte Anlauf. Dann schaute er kurz hoch, atmete tief und schoss dann den Ball aus 25 Metern Torentfernung ebenso wuchtig wie präzise mit links in die Maschen. Schalkes Torwart Ralf Fährmann war chancenlos.

Ein Moment, als hätte jemand in der Disco den Stecker aus den Boxen gezogen. Alles erstarrte. Als Raheem Sterling kurze Zeit später trotz Unterzahl noch zum 3:2 traf, glich das Szenario einem Rausschmiss.

Guardiola sagte: „Das Tor ist unglaublich, Leroy ist unglaublich. Am Ende macht die Qualität dieser Spieler den Unterschied in diesem Wettbewerb aus.“ Wie wahr. Aus dem Sahne-Tag, den sich Schalkes Trainer Domenico Tedesco erhofft hatte, wurde ein Sané-Tag.

Feinschliff in Schalkes U19 durch Norbert Elgert

Ausgebildet wurde der gebürtige Essener in der Schalker Knappenschmiede, den letzten Schliff vor dem Sprung zu den Profis verpasste ihm U19-Trainer Norbert Elgert. „Leroy war schon immer hochtalentiert, gut aussehend und umschwärmt“, erzählte Elgert. Nicht alles davon aber sei förderlich gewesen. „Ich habe ihn gefragt, ob er in die Showbranche wechseln möchte, Bravo-Boy werden will, oder doch lieber Fußballprofi.“ Sanés Antwort:„Ich will Profi werden, Trainer!“. Beide schlossen eine Vereinbarung: „Entsprechend werden wir uns verhalten und arbeiten.“ Sechs Jahre sind seither vergangen. Im Sommer 2016 verließ Leroy Sané Schalke und wechselte für rund 50 Millionen Euro zu Manchester City. Er ist nun deutscher Nationalspieler, englischer Meister und einer der besten Flügelspieler der Welt.

Dass die Schalker es seinem Top-Team schwer machten, verwunderte ihn nicht. „Ich kenne die Atmosphäre und weiß, wie die Fans die Mannschaft immer wieder nach vorne treiben. Das war auch gegen uns wieder so“, sagte er. Viel Zeit auf Schalke blieb Sané nicht nach dem Spiel, das seine Familie und viele Freunde im Stadion verfolgten. Gegen Mitternacht fuhr der Mannschaftsbus vom Gelände. Am Donnerstagnachmittag ging es zurück nach Manchester.

„Es war sehr emotional, in meine Heimat zurückzukommen, wo alles begonnen hat“, sagte Leroy Sanè. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich Gänsehaut bekommen habe, als die Fans die Mannschaft so angepeitscht haben.“ Er meinte die Schalker. Die er dann zum Schweigen brachte.

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