Schalke

Güttler traut Schalke die Überraschung gegen Bayern zu

Typische Schusshaltung: So kannte man Günter Güttler auf Schalke. Hier ein Bild aus dem Jahr 1990, als er auf Schalke anfing. Der Libero blieb bis 1994 bei Königsblau.

Typische Schusshaltung: So kannte man Günter Güttler auf Schalke. Hier ein Bild aus dem Jahr 1990, als er auf Schalke anfing. Der Libero blieb bis 1994 bei Königsblau.

Foto: imago sportfotodienst

Gelsenkirchen.  Günter Güttler trug einst das FCB-Trikot, später spielte er für Schalke – dank Lothar Matthäus. Heute verfolgt er Schalke intensiver als Bayern.

Ins Stadion wird er es wieder nicht schaffen. Dabei ist die Partie zwischen Schalke und Bayern am Samstag (18.30 Uhr/Sky) für Günter Güttler kein Bundesliga-Match wie jedes andere: Der einstige Defensiv-Allrounder war während seiner Profi-Karriere sowohl für die Münchner (1980 bis 1983) als auch für die Königsblauen (1990 bis 1994) am Ball. Doch sein letzter Besuch auf Schalke ist lange her. „Ich habe schon einige Male Einladungen zu Partien in der Veltins-Arena bekommen, zuletzt für den 34. Spieltag der vergangenen Saison, gegen Stuttgart“, sagt Güttler und bedauert: „Bislang habe ich es nie geschafft. Das liegt auch daran, dass ich fast 800 Kilometer von Gelsenkirchen entfernt lebe, in Oberbayern.“

Trotz der räumlichen Nähe zum FCB betont Güttler: „Wenn ich heute Bundesliga-Fußball schaue, verfolge ich Schalke mehr und intensiver als die Bayern.“ Das hat durchaus emotionale Gründe: „In Gelsenkirchen hatte ich sicher meine schönste Zeit“, schwärmt der gebürtige Franke, der die Knappen 1991 als Abwehrchef zum Wiederaufstieg führte. „Allein die Atmosphäre auf Schalke! Schon zu Zweitliga-Zeiten hatten wir oft 40.000 Zuschauer und drüber. Später, in der Bundesliga, waren es noch viel mehr. So eine Begeisterung wie dort hab ich nirgends sonst erleben dürfen.“

Ein Einsatz im Europapokal-Finale der Bayern

Dabei hatte Güttler damals bereits drei Jahre beim FC Bayern in seiner Vita: 1980, im zarten Alter von 19 Jahren, war er vom Amateurklub ASV Herzogenaurach ins große München gewechselt. „Die Bayern waren damals gerade Deutscher Meister geworden. Da tut sich eine ganz andere Welt auf, wenn du als Nobody dorthin kommst“, erinnert sich Güttler und lacht: „Am Tag unseres ersten Pflichtspiels wusste ich nicht einmal, dass am Vormittag im Teamhotel eine ausführliche Besprechung stattfinden sollte, so etwas kannte ich gar nicht – also blieb ich einfach auf meinem Zimmer.“ Zum Glück bemerkte der damalige Bayern-Trainer Pal Csernai Güttlers Fehlen gar nicht.

Der ganz große Durchbruch sollte dem Top-Talent in München nie gelingen, dennoch durfte Güttler eine unvergessliche Partie im Bayern-Trikot bestreiten: Im Finale des Europapokals der Landesmeister 1982 gegen Aston Villa (0:1) wurde der damals 20-Jährige kurz nach der Pause für Reinhold Mathy eingewechselt. Eine Viertelstunde später markierte Peter White das Tor des Tages. Rückblickend sagt Güttler, der sich immerhin Deutscher Meister 1981 und DFB-Pokalsieger 1982 nennen darf: „Bei Bayern hatte ich sportlich meine beste Phase, aber wenn du als junger Spieler nicht ständig dranbleibst ...“ Nach drei Jahren im roten Trikot wurde der 1,81-Meter-Mann ins Büro des Managers zitiert: „Der Uli Hoeneß sagte zu mir, dass es wohl besser wäre, wenn ich gehe und woanders Spielpraxis sammle.“ Die holte sich Güttler zunächst beim belgischen Erstligisten KV Mechelen (1983 bis 1984), später beim 1. FC Nürnberg (1984 bis 1987) und bei Waldhof Mannheim (1987 bis 1990).

Matthäus riet Güttler: Geh nach Schalke und steig auf!

Im Sommer 1990 meldete sich schließlich ein gewisser Peter Neururer bei Günter Güttler: „Der Peter wollte mich unbedingt zu Schalke holen, wo ich beim zuvor zweimal verpassten Wiederaufstieg mithelfen sollte.“ Güttler, gerade mit Waldhof aus der Bundesliga abgestiegen, wollte eigentlich weiter erstklassig spielen; neben S04 lockten damals auch Gladbach und der HSV. Doch ein alter Freund aus gemeinsamen Jugendtagen in Herzogenaurach riet dem Umworbenen zu Königsblau: „Lothar Matthäus sagte zu mir: ,Wenn du dir ein Denkmal setzen willst, geh’ nach Schalke und steig’ mit denen auf. Du wirst sehen, das werden die Leute dort niemals vergessen.’“ Güttler ging hin, und die Knappen schafften prompt die stürmisch umjubelte Rückkehr in die Erstklassigkeit.

In den Folgejahren trug der feine Techniker als Abwehrchef und Antreiber maßgeblich dazu bei, Königsblau wieder in der Bundesliga zu etablieren. Insgesamt fünfmal traf Güttler mit Schalke auf seinen Ex-Klub Bayern – nur eine dieser Partien ging verloren, die übrigen vier endeten jeweils unentschieden. „Obwohl wir damals gerade aus der Zweiten Liga kamen, ging die Schere zwischen Bayern und Schalke damals noch nicht ganz so weit auseinander“, analysiert er rückblickend. „Auch wenn ich mich an unsere direkten Duelle mit den Bayern, ehrlich gesagt, gar nicht mehr genau erinnere.“ Im ersten, in der Saison 1991/92, gelang Güttler sogar ein Treffer. Dennoch unterlagen die Knappen auswärts mit 2:3.

1994 war Schicht auf Schalke für den mittlerweile 33-jährigen Günter Güttler: „Ich hatte mir in einem Spiel gegen Freiburg die Achillessehne gerissen“, erzählt der leicht angegraute Ex-Profi. „Gleichzeitig war bereits zu hören, dass Schalke in jenem Sommer den Olaf Thon aus München zurückholen würde. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass der Verein noch hundertprozentig mit mir plante.“ Güttler wechselte zur damals drittklassigen Spielvereinigung Fürth, doch seine Karriere als Spieler kam nie mehr richtig in Schwung. Es folgten Stationen als Co-Trainer unter Peter Neururer beim 1. FC Köln (1996 bis 1997) sowie unter Lothar Matthäus bei Rapid Wien (2001 bis 2002). Später fungierte Güttler als Chefcoach bei höherklassigen Amateurklubs im Raum Bayern.

Güttlers Rat an Wagner: Auf den Nachwuchs setzen

Auch heute ist der einstige Schalke- und Bayern-Profi noch im Fußball tätig, allerdings nicht mehr auf der großen Bühne. Güttler ist Sportdirektor beim bayerischen Landesligisten SB DJK Rosenheim, ein interessanter Nebenjob. Hauptberuflich arbeitet er in der Verwaltung eines großen Autohauses, das den Verein als Sponsor unterstützt. „Zuerst war es nur eine Halbtagsstelle, später ist ein Vollzeitjob draus geworden“, sagt Güttler und betont: „Ich bin total happy!“ Das Alpenvorland ist längst seine Heimat geworden, zumal eine seiner Töchter im nahen Salzburg studiert und der Sohn in München lebt: „Das Familiäre war mir irgendwann wichtiger, als auf Anrufe aus dem Profibereich zu warten, nur weil mal wieder irgendwo ein Trainerjob zu vergeben ist.“

Die nächste Einladung zu einem Heimspiel auf Schalke würde Günter Güttler übrigens gerne wahrnehmen: „Irgendwann muss es ja mal klappen“, lacht er. Das Spiel gegen Bayern aber wird er sich wohl am heimischen TV-Screen anschauen: „Ich tippe auf ein 2:2“, sagt Güttler und äußert noch einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn sich Schalke unter David Wagner wieder dauerhaft auf den eigenen Nachwuchs zurückbesinnt. Die Knappenschmiede ist schließlich einer der ganz großen Trümpfe des Vereins.“

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