Schalke-Analyse

Schalke mit blauem Auge: Alle Siege sind schwer erkämpft

Er wollte auch mit der dicken Beule über dem Auge unbedingt weiterspielen: Schalkes Thilo Kehrer.

Er wollte auch mit der dicken Beule über dem Auge unbedingt weiterspielen: Schalkes Thilo Kehrer.

Foto: firo / Sebastian El-Saqqa

Mainz.   Thilo Kehrers Beule symbolisiert Schalkes großen Kampf. Aber die Siege sind im Moment schwer erkämpft. Trotzdem geht es Richtung Königsklasse.

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Es ist schon ein Weilchen her, dass Schalke 04 so eine schöne, kleine Serie hatte: Vier Bundesliga-Siege in Folge, wie es sie nach dem 1:0 am Freitag in Mainz zu bilanzieren gibt, gab es zuletzt in der Saison 2015/16, als der Ertrag vom vierten bis zum siebten Spieltag ebenfalls maximal war. Jetzt sorgen die zwölf Punkte aus den jüngsten vier Spielen für richtig schöne Aussichten – Schalke behauptet Platz zwei und hat die Rückkehr in die Champions League im Visier. Der Sieg in Mainz zeigte aber auch, wie hart Schalke derzeit um jeden einzelnen Punkt kämpfen muss.

Heidel zieht den Hut vor Kehrer

„Die Jungs haben kämpferisch alles in die Waagschale geworfen, und dem einen oder anderen sieht man es auch an“, berichtete Manager Christian Heidel, als er aus der Kabine kam. Dort hatte er Thilo Kehrer gesehen, den Schalker Abwehrspieler, der über dem rechten Auge eine Beule trug, die so groß wie ein Ei war. Ein Andenken an einen Zweikampf mit dem Mainzer Robin Quaison aus der 17. Minute, aber Kehrer hielt bis zum Schlusspfiff durch. Heidel zog den Hut vor dem Profi, der nach dem Spiel noch einen Brummschädel hatte: „Der sieht aus wie ein Boxer. Ich glaube, ich wäre sofort nach Hause gegangen, aber der geht noch zu jedem Kopfball hoch.“

Erst im „Abstiegskampf-Modus“ wurde es besser

Trainer Domenico Tedesco hatte sich schon mit einer Auswechslung des Abwehrmannes beschäftigt, „aber Thilo wollte unbedingt weiterspielen“. Und mit dieser Mentalität stand Kehrer für den großartigen Einsatz der gesamten Mannschaft, ohne den Schalke das Spiel in Mainz mit dem Tor von Daniel Caligiuri kaum gewonnen hätte.

Die Siege sind im Moment schwer erarbeitet: Ähnlich wie zuletzt nach dem 1:0 gegen Berlin gab Tedesco zu bedenken, dass ebensogut auch ein anderer Ausgang möglich gewesen wäre. Erst im zweiten Durchgang hatte seine Mannschaft „auch im Kopf auf Abstiegskampf-Modus umgeschaltet“, wie es der Trainer ausdrückte: „Das brauchst du in solchen Duellen, sonst wirst du aufgefressen“.

Der eigene Anspruch ist mehr spielerische Dominanz

Weil dieses Spiel in Mainz der Auftakt einer Serie gegen die Kellerkinder war und bereits am nächsten Samstag (18.30 Uhr) in Wolfsburg das nächste Duell dieser Art ansteht, warnt Heidel: „Wir werden jetzt jede Woche so einen Kampf erleben, das ist schwer zu spielen.“ Und Leon Goretzka weiß, dass die Mannschaft da noch zulegen muss: „So hart sich das anhört, stehen die Mainzer auch nicht ohne Grund da unten drin und wir nicht ohne Grund da oben – das hätte man noch ein bisschen klarer sehen müssen.“ Der Nationalspieler, mit dessen Einwechslung das Spiel in der zweiten Halbzeit etwas zielstrebiger wurde, präzisierte: „Eigentlich ist es unser Anspruch und unser Ziel, so eine Mannschaft auch spielerisch zu kontrollieren.“

Mit jedem Sieg rückt die Champions League näher

Sei’s drum: In Mainz ist Schalke mit einem blauen Auge davongekommen, und der Sieg sorgt für so schöne Aussichten, dass Heidel sogar den Begriff Champions League in den Mund nahm. Allerdings nicht, um Mannschaft und Trainer damit eine neue Vorgabe zu machen. Da bleibt alles wie gehabt.

„Sollen wir jetzt ausrufen, wir wollen in die Champions League?“, fragte der Manager und gab sich selbst die Antwort: „Wir sind auf dem zweiten Platz und haben nicht vor, uns zu verschlechtern – wir wollen ja jetzt nicht Achter werden, das ist doch völlig klar.“ Allerdings sei Schalke nicht so vermessen, sich jetzt schon um mögliche Flugrouten für die Champions League zu kümmern: „Wir lassen alles auf uns zukommen und wollen versuchen, möglichst alle Spiele zu gewinnen – dann bleiben wir Zweiter.“

Und das Ziel, möglichst jedes Spiel zu gewinnen, hatten Heidel und Tedesco immer schon. Es klappt nur nicht jedes Mal so gut wie in diesen Wochen der schönen, kleinen Serie.

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