Schalke-Analyse

Schalke muss sich nach 1:1 "jetzt den Arsch aufreißen"

Kampf und Einsatz wie Guido Burgstaller (r.) hier ließen die Schalker in Nürnberg zu oft vermissen.

Kampf und Einsatz wie Guido Burgstaller (r.) hier ließen die Schalker in Nürnberg zu oft vermissen.

Foto: Reuters

Nürnberg.  Schalke-Stürmer Burgstaller weiß: "Wir erleben sonst ein blaues Wunder." Auftritte wie in Nürnberg könnten Mission Klassenerhalt gefährden.

Vom erschreckend schwachen Schalker Auftritt beim 1:1 (0:0)-Unentschieden in Nürnberg bleibt bis auf die Mega-Choreo, die beide Fanlager auf den Rängen des kompletten Stadions in freundschaftlicher Verbundenheit beeindruckend zelebrierten, und den bärenstarken Auftritt von Torwart Alexander Nübel nicht viel in Erinnerung.

Zu blutarm war die königsblaue Vorstellung insgesamt, zu leidenschaftslos die Präsentation im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Ohne Alexander Nübel wäre es für den Traditionsklub ein ganz bitterer Abend geworden. "Nübel war überragend", gab Eurosport-Experte Matthias Sammer das Qualitätsurteil "besonders wertvoll" über den 22-jährigen Schlussmann ab. Auch Schalke-Trainer Huub Stevens hob seinen jungen Keeper besonders hervor. Auf die Frage, ob er überrascht sei, dass Nübel so konstant gute Leistungen zeigt, meinte Stevens: "Ich bin nicht überrascht, weil Nübel es seit einigen Spielen tut. Aber ich bin froh darüber, dass es so ist."

Nübel empfiehlt sich für eine Zukunft in der A-Nationalmannschaft

Nübel verhinderte nicht nur ein mögliches Kopfball-Eigentor von Mitspieler Benjamin Stambouli, sondern parierte auch einen Strafstoß des Nürnbergers Hanno Behrens. In der zweiten Halbzeit brachte der U-21-Nationaltorwart, der mit solchen Leistungen über kurz oder lang auf dem Weg in die A-Nationalelf sein dürfte, die FCN-Offensive mit weiteren Großtaten zur Verzweifelung.

"Ich habe mich bei ihm bedankt", meinte Schalkes Vizekapitän Benjamin Stambouli nach dem Spiel. Nübel dürfte heute noch die Nachwirkungen der vielen Schulterklopfer spüren, die am Freitagabend auf ihn einprasselten. "Am Ende konnten wir uns bei Alexander Nübel bedanken, dass wir überhaupt noch die Chance hatten, den Ausgleich zu erzielen und den auch gemacht haben. Das ist das einzig Positive", bilanzierte Sportvorstand Jochen Schneider.

Schalke in der Defensive schwach

In der 82. Minute musste Nübel zwar den Kopfball des völlig ungedeckten Yuya Kubo zum 1:0 ins Netz passieren lassen, aber zwei Minuten später glich Schalkes Verteidiger Matija Nastasic zum 1:1-Endstand aus. Schalke erreichte somit das Minimalziel, aber mehr auch nicht. Die Leistung an sich war ein negatives Musterbeispiel an Passivität, Ideenarmut, Verunsicherung und Fehlverhalten. "Das ist wie Kinderfußball", urteilte Eurosport-Experte Sammer.

Nürnberg brannte ein offensives Feuerwerk ab, weil Schalkes Defensivordnung teilweise gar nicht vorhanden war und gerade die Außenbahnen mit Bastian Oczipka (links) sowie Daniel Caligiuri (rechts) immer wieder Vorstöße der Franken zuließen. Auch in der Zentrale passte wenig zusammen. Omar Mascarell gelang es nur in wenigen Szenen, im defensiven Mittelfeld Sicherheit auszustrahlen. Seine beste Aktion hatte er im zweiten Durchgang, als der Spanier einen Ball von der Linie schlug.

Schalke im Glück: Nürnberger Tor nicht anerkannt

Nur eines von vielen Beispielen, bei denen Schalke das Glück auf seiner Seite hatte. Unter anderem wurde kurz vor der Pause ein einwandfreies Tor von Hanno Behrens nicht anerkannt. Der Unparteiische Dr. Robert Kampka hatte ein gestrecktes Bein von Behrens gegen Nübel gesehen und deswegen abgepfiffen. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass er die Situation bei der technischen Hilfe, die uns zur Verfügung steht, nicht einfach laufen lässt", meinte FCN-Trainer Boris Schommers, um dann aber festzustellen: "Der Schiedsrichter hat zur Halbzeit gesagt, dass er zu früh gepfiffen hat. Dass der Schiedsrichter einen Fehler gemacht hat, weiß er. Wenn er sagt, er habe zu früh gepfiffen, dann zeigt das Größe."

Stevens bleibt nur noch Galgenhumor

Ob Schalke bis zum Saisonschluss noch etwas Großes zeigt, muss nach dem jüngsten Leistungs-Tiefschlag bezweifelt werden. Stürmer Guido Burgstaller sprach eine deutliche Warnung aus: "Wir müssen uns jetzt den Arsch aufreißen. Sonst erleben wir ein blaues Wunder." Huub Stevens bleiben noch fünf Spiele Zeit, um seine Mission mit dem Klassenerhalt zu beenden.

Die nächsten Gegner heißen TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund – zwei Mannschaften, die sehr offensiv ausgerichtet sind und Schalkes Deckung mit Sicherheit vor Rätsel stellen werden. Weitere Spiele wie jetzt in Nürnberg dürften nur wenig förderlich für die Gesundheit sein. "Ich kann den Kardiologen anrufen, dass es dem Herzen gut geht. Das ist auch nötig", meinte Huub Stevens mit einer großen Portion Galgenhumor. Er weiß: Zurücklehnen und einfach Spiele genießen wird es für ihn bis zum Saisonschluss nicht geben.

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