Schalke

Schalke: Stevens hat vieles zu verlieren - und zieht die Zügel an

Zum dritten Mal Schalke-Trainer: Huub Stevens.

Zum dritten Mal Schalke-Trainer: Huub Stevens.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Abstiegskampf verschärft: Schalkes neuer Trainer Huub Stevens zieht nach dem 0:1 gegen Leipzig die Zügel an und bestraft Nabil Bentaleb.

Huub Stevens hätte heute Urlaubs-Stimmung haben können. Angenehme 24 Grad, Sonne, Palmen, Strand. „Ich wollte eigentlich nach Mallorca fliegen“, verriet Schalkes neuer alter Trainer. Doch statt Mittelmeer-Erholung tut sich Stevens seit Freitag zum dritten Mal Schalke als Trainer an. Mallorca muss warten.

„Dafür kriege ich zu Hause Komplimente, dass ich das wieder mit Schalke getan habe“, sagte Stevens. Und dabei musste er trotz der 0:1 (0:1)-Niederlage, die es bei seinem Debüt gegen RB Leipzig nach einem Abstauber-Tor von Timo Werner (14.) gegeben hatte, zumindest etwas schmunzeln.

Stevens ist Schalkes Jahrhunderttrainer

Der Trainer-Routinier sieht sich bei seinem Herzensklub Schalke irgendwie in der Bringschuld. Die Fans haben den Niederländer, der dem Klub 1997 den Uefa-Cup-Sieg bescherte, zum Jahrhundertrainer gewählt. Wohl auch deshalb sagte er jetzt: „Ich steige in etwas ein, das ich gar nicht nötig habe. Ich tue es aus Liebe.“ Stevens hat nach eigener Einschätzung „doch viel mehr zu verlieren als zu gewinnen“. Das ist wahr: Wenn seine Rettungsmission mit dieser Mannschaft, die jetzt nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, schiefgehen sollte, dann bekäme auch das Denkmal von Stevens einen dicken Kratzer ab. Einen, den auch einer wie er nicht mehr leicht wegpoliert bekäme.

Wenn allerdings das schwierige Unternehmen gut gehen sollte, was auf Schalke natürlich alle hoffen, dann wäre am Ende eben doch alles richtig. Und Stevens könnte sich endgültig aus dem Trainergeschäft zurückziehen und die Klubgeschicke als wichtiges Aufsichtsratsmitglied weiter mitbestimmen. „Dass ich hier als Trainer einspringe, ist auch ein Zeichen“, betont der Limburger.

Überhaupt geht es unter Stevens, seinem Assistenten Mike Büskens und Teammanager Gerald Asamoah um Signale. Eines davon richtete sich an Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb. Der 24-Jährige wurde am Sonntag wegen einer disziplinarischen Verfehlung ab sofort in die Schalker Oberliga-Mannschaft abkommandiert. Er hatte sich wegen Leistenbeschwerden für das Spiel abgemeldet, war dann aber gar nicht in der Arena erschienen. Stevens, der Zusammenhalt fordert, lässt sich Alleingänge nicht gefallen. Die Tür für eine Rückkehr Bentalebs zu den Profis lässt er aber offen.

Schalkes Teammanager Asamoah: „Wer nicht mitzieht...“

Dass nun stärker als bisher auf das Einhalten von Vorgaben und auf korrektes Verhalten geachtet wird, brachte Stevens zusammen mit Asamoah bei einer Kabinenansprache zum Ausdruck. „Wir haben es in der Kabine vor dem Training angesprochen“, verdeutlicht der langjährige Schalker Publikumsliebling Gerald Asamoah. „Es war kein lautes Geschrei. Es geht darum: Wer nicht mitzieht, ist leider fehl am Platz. Das haben wir klar gesagt, und das wissen die Jungs auch.“ Den Status, den sich Asamoah über viele Spielzeiten wegen seiner leidenschaftlichen Leistungen erarbeitete, werden viele Profis aus der aktuellen Mannschaft nie erreichen. Auf einem Banner wurde ihnen nach Abpfiff des Leipzig-Spiels die Botschaft „Legionäre aussortieren“ vor die Nase gehalten. Huub Stevens wollte das aber nicht zu hoch hängen: „Wir wissen doch, Schalke ist ein emotionaler Verein. Da dürfen die Leute auch mal erkennbar machen, dass sie enttäuscht sind. Das ist doch gar kein Problem. Ich sehe keinen Bruch mit den Fans, eher das Gegenteil.“

Stevens registrierte trotz der Heimniederlage positive Reaktionen der Anhänger und stellte fest: „Sie haben uns ermutigt.“

Der Nachfolger des glücklosen Domenico Tedesco hat dem zuletzt blutleeren Team zumindest wieder neue Lebensgeister eingehaucht. Stevens: „Schalke braucht Leidenschaft. Schalke braucht Kampfgeist. Schalke braucht Belebung. Das sind Tugenden, die zurückgekommen sind.“ Die Länderspielpause will er für wichtige Gespräche nutzen, um dann im Kellerduell in Hannover (31. März) voll da zu sein. „Ich denke, dass es bis zum Ende der Saison eng bleibt.“ Mallorca soll aber auch Mitte Mai ganz schön sein...

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