Schalke-Analyse

Schalke-Trainer Tedesco verärgert: "Wir waren zu ängstlich"

Domenico Tedesco kassierte eine verdiente Niederlage mit Schalke 04 bei Bayern München.

Domenico Tedesco kassierte eine verdiente Niederlage mit Schalke 04 bei Bayern München.

München.  Schalke 04 ist Bayern München in allen Belangen unterlegen. Nach der 1:3-Niederlage spricht Trainer Domenico Tedesco Klartext.

Es gab schon kältere Februartage in diesem Jahr – und doch zogen die Spieler des FC Schalke ihren Kragen ganz hoch, als sie die Allianz-Arena verließen. Für die Königsblauen endete die Dienstreise nach München mit einer deprimierenden 1:3 (1:2)-Niederlage beim FC Bayern – eine Niederlage, die Trainer Domenico Tedesco zerknirscht so zusammenfassen musste: „Wir haben verdient verloren. Wir waren zu ängstlich.“ 22 Punkte hat Schalke nach 21 Spielen erst gesammelt – diese Bundesliga-Saison ist ein Schrecken ohne Ende.

Bentaleb und Serdar patzen

Dabei hatte Tedesco die Stichpunkte vorgegeben, worauf es in München ankommt. „Du musst leidensfähig sein, gut stehen und das Quäntchen Glück haben“, sagte Tedesco noch am Freitag – und vor dem Spiel fügte er hinzu: „Du musst in München laufen wie junge Hunde.“

Das Spiel begann – doch nach 20 Minuten sahen die Schalker nicht mehr aus wie junge Hunde. Von Tedescos Plänen setzte Schalke nichts um. Schon in der fünften Minute hätte das Führungstor für den Rekordmeister fallen müssen. Kingsley Coman ließ Daniel Caligiuri stehen und passte den Ball perfekt in die Mitte auf James Rodriguez. Doch im letzten Augenblick konnte Bastian Oczipka den Schuss des Kolumbianers noch blocken. In der zwölften Minute stand es dann aber doch 1:0 – und das schon zu diesem Zeitpunkt verdient. Nabil Bentaleb hatte den Ball im Mittelfeld verbummelt. James schickte Robert Lewandowski, doch Neu-Innenverteidiger Jeffrey Bruma sprintete dazwischen und lenkte den Ball ins eigene Netz. Eigentor. Und hätte Torwart Ralf Fährmann in der 18. Minute nicht Serge Gnabrys Schuss gehalten – die Partie wäre entschieden gewesen.

Bayern-Trainer Niko Kovac, ohnehin zufrieden, da sein Team den Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund auf fünf Punkte verkürzen konnte, schwärmte vor allem über die Leistung in der Anfangsphase: „Da haben wir den Gegner von der einen auf die andere Seite bewegt.“

Kutucu läuft Boateng davon

Erst in der 25. Minute überschritt Schalke erstmals gefährlich die Mittellinie. Zwei Spieler, die Schalke in der Knappenschmiede ausgebildet hatte, überwanden die Bayern-Abwehr. Weston McKennie schickte mit einem herrlichen Steilpass den jungen Ahmed Kutucu. Der lief Jerome Boateng davon und drosch den Ball an Torwart Sven Ulreich vorbei ins linke Eck – 1:1. Königsblau jubelte über einen Treffer, der sich so wenig abgezeichnet hatte wie ein Alkoholverbot auf dem Oktoberfest.

Und lange durften sich die Schalker auch nicht freuen. Im Gegenzug nutzten James und Robert Lewandowski einen Fehler von Suat Serdar zu einem Doppelpass, den Lewandowski sicher vollendete. Schalke hatte den Bayern durch dumme Patzer zwei Tore geschenkt. „Die ersten beiden Tore sind durch fast den gleichen Fehler entstanden“, ärgerte sich Sportvorstand Christian Heidel.

Die schockierten Schalker gestatten dem FCB nur wenige Sekunden später die nächste Riesenchance – diesmal scheiterte James an Torwart Ralf Fährmann. Es stand nur 2:1, kaum zu glauben angesichts dieses deutlichen Spielverlaufs.

Kein Miteid von Heidel für Rudy

Tedesco stellte sein Team um. Er nahm den ganz schwachen Sebastian Rudy schon nach 33 Minuten vom Feld. Ohne mit seinem Trainer oder den Teamkollegen abzuklatschen, verschwand der Ex-Münchener missmutig in der Kabine. Von Heidel gab es kein Mitleid: „Sebastian ist keine 18 Jahre, er ist 28 und Profi. Das ist anderen auch passiert. Da muss er durch. Er muss seine Spielweise etwas umstellen.“

Auch Rudys Mitspieler Bastian Oczipka wollte die Auswechslung nicht überbewerten: „So ist der Sport!“ Tedesco begründete den Wechsel sachlich: „Wir wollten mehr Aggressivität und haben uns für Mascarell entschieden.“

Für die Königsblauen begann eine Phase, in der sie dem Ausgleich dreimal nahe waren: Einen Kopfball von Weston McKennie klärte Thiago auf der Torlinie (32.). In der zweiten Hälfte scheiterte zunächst Konoplyanka (53.), dann köpfte Bruma an den Pfosten (54.). „Wir haben verdientermaßen verloren“, sagte Heidel, ergänzt aber: „Wir hatten vier hochkarätige Chancen.“

Die Schalker hofften, doch eine Fehlerkette in der Deckung brachte in der 57. Minute das dritte Unglück des Tages. Nach einer Flanke von Kingsley Coman misslang Lewandowski zunächst ein Fallrückzieher, doch Serge Gnabry hatte mitgedacht und staubte zum 3:1 ab. Schalke hatte verloren, die Bayern-Fans sangen von der Meisterschaft.

40. Niederlage im 56. Spiel

Schalker Höhepunkte blieben nun aus. Die Gäste hatten sogar noch Glück, dass Robert Lewandowski bei dem Versuch, die Spitze der Torjägerliste zu übernehmen, zweimal kläglich scheiterte (74./76.). Für Schalke war es die 40. Niederlage im 56. Spiel bei den Bayern – eine deprimierende Dienstreise eben.

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