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Schalke-Zwischenbilanz: Diese Note gibt Olaf Thon

Entscheidende Spieler auf Schalke: Suat Serdar (v. l.), Amine Harit und Alexander Nübel.

Entscheidende Spieler auf Schalke: Suat Serdar (v. l.), Amine Harit und Alexander Nübel.

Foto: Getty, Montage: Seric Kuzoluk

Gelsenkirchen.  Ehrenspielführer Olaf Thon zieht nach elf Spieltagen eine Zwischenbilanz des FC Schalke 04. Er findet lobende Worte - und gibt auch eine Note.

Als der FC Schalke 04 am Samstag auf Fortuna Düsseldorf traf, stand Olaf Thon (53) vor dem Spiel hinter dem Tor der Königsblauen und beobachtete das Aufwärmprogramm. „Wie Alexander Nübel die Schüsse beim Warmmachen gehalten hat – da erinnerte er mich an Manuel Neuer“, sagte Thon. Elf Spiele sind in der Fußball-Bundesliga absolviert – und Schalkes Ehrenspielführer hat nicht nur das Düsseldorf-Spiel und die Paraden von Torwart Nübel genau beobachtet. Im Gespräch mit dieser Zeitung zieht er eine Zwischenbilanz – und bezieht Stellung zu vielen Stichworten rund um die Königsblauen.

Der Trainer

Mit Schalkes Trainer David Wagner spielte Thon einst selbst zusammen. 1997 gehörten beide zum Team der „Eurofighter“, die den Uefa-Pokal gewannen. Nach elf Spielen steht Schalke auf dem siebten Platz, hat 19 Punkte geholt.

Sein ehemaliger Teamkollege Wagner begeistert Thon: „Ich sehe ihn bei den Spielen, bei den Interviews, auch in kurzen Gesprächen: Er ist der David Wagner geblieben, der er war. Mit dem, was bisher abgelaufen ist, können alle sehr zufrieden sein.“

Der Torwart

Einer der entscheidenden Spieler der Königsblauen steht im Tor: Alexander Nübel. „Schön, dass wir so einen tollen jungen Torhüter haben“, sagt Thon – unabhängig von den Eindrücken beim Aufwärmen. Thon wünscht sich, dass Nübel einen neuen Vertrag bei den Königsblauen unterschreibt und nicht ablösefrei wechselt. Er glaubt ohnehin nicht, dass es Nübel nach München zieht: „Für mich stellt sich diese Frage nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er Auge in Auge mit Neuer um die Nummer eins kämpft oder sogar nur als Nummer zwei nach München geht.“

Die Abwehr

Etwas mit Sorge beobachtet Thon das Verletzungspech in der Abwehr. Die Stamm-Innenverteidiger Salif Sané und Benjamin Stambouli werden die sechs noch ausstehenden Bundesligaspiele in diesem Jahr wohl verpassen. Auch Vertreter Matija Nastasic fehlte zuletzt angeschlagen. Momentan verteidigen Ozan Kabak und Weston McKennie. Thon findet es gut, wie sich das Duo auf diese Aufgabe einlässt, sagt aber auch: „Natürlich haben Kabak und McKennie noch Probleme, weil sie sich einspielen müssen.“

Der Sturm

Ein großes Diskussionsthema bei den Königsblauen ist die Treffsicherheit der Stürmer. Guido Burgstaller, Mark Uth und Benito Raman warten in der Bundesliga noch auf ein Saisontor. Rabbi Matondo und Ahmed Kutucu haben je einmal getroffen, kommen aber meist nur von der Ersatzbank. Fabian Reese sammelt Spielminuten nur in der Regionalliga-Mannschaft.

Ein Stürmerproblem sieht Thon aber nicht – er stimmt Wagner zu, der sich schnell aufregt, wenn er auf dieses Thema angesprochen wird. „Ich bin einer Meinung mit David. Es spielt keine Rolle, wer die Tore macht. Je mehr Torschützen man hat, desto besser ist es für den Verlauf der Saison. Auf Dauer werden sowieso nicht die Abwehr- und Mittelfeldspieler die meisten Tore schießen, sondern die Stürmer. Das ist sicher wie das Amen in der Kirche“, sagt Thon. Und einem Schalke-Stürmer traut er zu, schnell zu treffen: „Mark Uth war lange verletzt. Er hat einen sehr guten Abschluss.“

Amine Harit

Der auffälligste Spieler in Schalkes Team ist Amine Harit – einer, den Thon ganz besonders beobachtet. Denn er sagt: „Ich habe ähnlich wie er aus der Position der 10 heraus gespielt.“ Harit ist mit fünf Saisontoren bisher bester Schütze der Schalker. „Es ist wunderschön zu sehen, wenn er eine Mannschaft spielerisch richtig mitreißt“, sagt Thon. Er glaubt, dass viele bei den Königsblauen einen Anteil an Harits positiver Entwicklung haben: „Er hat zum Beispiel neulich einmal ein Interview auf Deutsch gegeben. Auch diese Puzzleteilchen führen dazu, dass Schalke einen Aufwind hat.“

Suat Serdar

Ein deutscher Nationalspieler steht in Schalkes Kader: Dass Suat Serdar zwei A-Länderspiele absolviert hat und auch im Kader steht, wenn das DFB-Team gegen Weißrussland (16. November, 20.45 Uhr/RTL) und Nordirland (19. November, 20.45 Uhr/RTL) antritt, freut Thon sehr.

„Die Qualität bei ihm ist da. Und wenn es beim Verein läuft, geht es schnell, dass man nominiert wird“, sagt Thon, der selbst 52 A-Länderspiele bestritt, über Serdar. Er fügt aber hinzu: „Dabei zu bleiben wird für ihn die schwierigere Sache sein.“

Das Fazit

Findet Olaf Thon also alles super? Nicht ganz. Die Bewertung in seinem Zwischenfazit ist nicht sehr gut. „Wenn ich eine Note abgeben sollte, wäre das eine ordentliche 2“, sagt Thon im Gespräch, zögert kurz und fügt dann hinzu: „Wobei ich dann doch sage: 2 minus, weil Schalke drei bis fünf Punkte mehr haben könnte.“ Gerade in den Heimspielen gegen Fortuna Düsseldorf (3:3) und zwei Wochen vorher im Derby gegen Borussia Dortmund (0:0) wäre für Schalke deutlich mehr möglich gewesen. Und doch will Olaf Thon das nur als leise Kritik verstanden wissen: „Wie die Mannschaft spielt, das macht Spaß. Dortmund und Bayern München haben Probleme, die wir nicht haben.“

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