Traditionself

Schalker Traditionself: Königsblaue DNA in drei Generationen

Wenn die Muskeln mitmachen, ist er auch selbst am Ball: Olaf Thon, der Chef der Schalker Traditionself.  Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Wenn die Muskeln mitmachen, ist er auch selbst am Ball: Olaf Thon, der Chef der Schalker Traditionself. Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Die Schalker Traditionself entwickelt sich immer mehr zum königsblauen Sympathieträger. Hier können die Fans die Stars von einst in Aktion sehen.

Siebentausend-sechshundert-zwölf. Auf so viele Bundesligaspiele kommt man, wenn man die Einsätze aller Spieler der Schalker Traditionself in der höchsten deutschen Spielklasse zusammenzählt. 7612 – das sind fast die Spielereinsätze aller 18 Bundesliga-Mannschaften plus Einwechselspieler in einer kompletten Saison. Die Schalker Traditionself ist ein gewaltiges Stück Bundesliga-Geschichte. Und das Schöne ist: Sie wächst immer mehr. 34 Spieltermine stehen alleine im Kalender für dieses Jahr. Am kommenden Sonntag zum Beispiel ein Auftritt vor der Haustür in Scholven anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums von Hansa Scholven.

Klaus Fischer mit fast 70 Jahren noch auf Torejagd

Es gibt wohl niemanden auf Schalke, der die Traditionself, an deren Spitze die Eurofighter Olaf Thon (53) und Martin Max (50) stehen, nicht ins Herz geschlossen hat. Die Oldies stehen noch für die gute, alte Zeit, für Sympathie und Bodenständigkeit. Klaus Fischer geht mit fast 70 Jahren hier noch auf Torejagd, „Tanne” Fichtel (74) und Rüdiger Abramczik (63) stehen als Trainer an der Seitenlinie, Männer wie Matthias Herget (63), Thon oder manchmal auch Jiri Nemec (53) geben auf dem Platz den Ton an. Sie alle haben ihr Herz irgendwann an Schalke verloren – und können nicht davon lassen.

Die Söhne von Jiri Nemec und Tomasz Waldoch spielen auch mit

Mittlerweile sind Spieler aus drei Generationen unter dem Dach der Traditionself vereint: Die Stars aus den 70-er Jahren, die heute beim Alter zum Teil schon eine „7” vorne stehen haben und immer noch die Lust aufs Kicken in sich tragen. Dann die Generation aus Eurofightern (1997) und Meister der Herzen (2001). Und: Mittlerweile auch die Söhne von Tomasz Waldoch (48) und Jiri Nemec (53). Kamil Waldoch (26) und Patrick Nemec (22) haben zwar nie für Schalkes Profis gespielt, aber „es zählt die Schalker DNA”, erklärt Olaf Thon und lacht: Das Schalker-sein wird natürlich vererbt. Umgekehrt geht’s übrigens genauso: Weil Leroy Sané das Fußballspielen auf Schalke gelernt hat, ist sein Papa Samy Sané (58/ 164 Bundesligaspiele für Wattenscheid und Nürnberg) selbstverständlich auch für die Schalker Oldies am Ball.

So kommt man am Ende auf die stolze Zahl von 7612 Bundesliga-Einsätzen in der Abteilung mit 110 Personen – mehr als die Hälfte davon tritt noch regelmäßig gegen den Ball. Zu den Spielen reisen jeweils 15 bis 20 königsblaue Kicker an. Nicht jeder ist jedes Mal dabei – das ginge bei dem dichten Terminkalender gar nicht, denn dann wäre es ja fast wieder ein Fulltime-Job. In diesem Sommer stehen unter anderem noch Reisen in die Schweiz, nach Norderney und ins polnische Danzig an.

1000 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Spielen – weil die Fans natürlich vor allem die großen Namen sehen wollen, achtet Schalke sehr darauf, dass immer eine stattliche Besetzung am Ball ist. Martin Max (50), der Thons Stellvertreter als Abteilungsleiter ist, ist so ein Vielspieler – der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig (1999/2000 und 2001/2002) lässt auch heute noch keine Chance liegen. Auch Olaf Thon ist bei mehr als 90 Prozent aller Spiele dabei, manchmal aber nur als Organisator, weil die Muskeln nicht mehr so mitmachen wie früher. „Von den Namen”, sagt der Weltmeister von 1990, „sind wir immer gut aufgestellt.” Und vom Ehrgeiz sowieso. Thon grinst: „Bei vielen von uns ist der immer noch sehr groß…”

Im nächsten Januar zum Beispiel kann Schalke beim Masters in Berlin Deutscher Hallenmeister der Oldies werden – die Qualifikation wurde mit einem Turniersieg in Lingen geschafft. Und manchmal stehen ja auch echte Revierkämpfe an – die größten Rivalen von einst sind auch noch die von heute, wenn man an die Nachbarn aus Dortmund denkt. „Die nehmen das genauso ernst wie wir”, berichtet Olaf Thon und erzählt, dass er dann manchmal darauf achten muss, dass es auf dem Platz nicht zum Gemetzel kommt: „Bei aller Konkurrenz zählt das Fair-Play.”

In diesem Jahr steht übrigens bisher kein Vergleich mit dem BVB im Kalender. Ob es daran liegt, wie das letzte Duell ausgegangen ist? Das hat Schalke vor einem Jahr in Sundern mit 7:2 gegen Schwarz-Gelb gewonnen.

Schön war die Zeit…

Fit for Fun

Dass das alles kein Jux ist, zeigt schon der Blick auf die Waage: Stattliche 75 Kilo haben 15 Mitglieder der S04-Traditionsmannschaft zusammen binnen drei Monaten abgenommen – die Pfunde purzelten durch eisernen Willen und eine Kooperation mit dem Gesundheitszentrum medicos auf Schalke.

Das medicos sorgte nicht nur für gute Trainingsbedingungen und einen Gesundheitscheck, sondern es lieferte in Seminaren auch Tipps für gesunde Ernährung. Klaus Fischer, Olaf Thon und Co. standen gemeinsam am Kochtopf. Damit das Gewicht jetzt nicht wieder nach oben geht, wird weiter auf dem Laufband trainiert und geschwitzt. Bei der Weihnachtsfeier der Traditionself am 22. November wird wieder kontrolliert – Olaf Thon will bis dahin fast wieder sein altes Kampfgewicht von 68 Kilo erreicht haben. „Ich hatte knapp 75 Kilo, jetzt bin ich bei 72, und bis zur Weihnachtsfeier versuche ich, unter 70 zu kommen“, berichtet der 53-Jährige.

Thon und die Schalker Oldies: Sie sind fit for Fun.

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