Schalke

Schalke: Der Transfermarkt ruht – auch bei Rudy und Uth

Mark Uth weiß noch nicht, welches Trikot er in der nächsten Saison trägt: Beim Duell zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 wählte er Ende Februar einen weißen Mantel – er durfte gemäß einer Vereinbarung nicht mitspielen

Mark Uth weiß noch nicht, welches Trikot er in der nächsten Saison trägt: Beim Duell zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 wählte er Ende Februar einen weißen Mantel – er durfte gemäß einer Vereinbarung nicht mitspielen

Foto: Jörg Schüler / Bongarts/Getty Images

Gelsenkirchen.  Nicht nur auf Schalke sind Transfers jetzt kein Thema. Deshalb herrscht auch bei Uth und Rudy Stillstand. Spekulationen mit Vorsicht zu genießen.

Die Nachricht, die da aus England übermittelt wurde, klingt erstmal nicht so gut: Der FC Liverpool, so will es die Zeitung Mirror erfahren haben, soll an einer Verpflichtung von Schalkes U19-Spieler Malick Thiaw (18) interessiert sein. Der Abwehrspieler ist derzeit wohl das vielversprechendste Talent aus der Schalker Knappenschmiede – in dieser Saison erzielte er für die U19 in der Junioren-Bundesliga bereits acht Tore in 20 Einsätzen. Und das als Mann, dessen vorrangige Aufgabe darin besteht, Tore des Gegners zu unterbinden.

Schalke muss andere Prioritäten setzen

Auch bei Schalkes Profi-Cheftrainer David Wagner steht Thiaw, der übrigens die finnische Staatsbürgerschaft besitzt, längst auf dem Zettel: Im Winter nahm er ihn mit ins Trainingslager nach Spanien, und beim bislang letzten Schalker Bundesligaspiel am 7. März gegen Hoffenheim (1:1) wechselte er ihn in der Nachspielzeit sogar ein. Seither ruht der Spielbetrieb wegen des Coronavirus, und damit bekommt die Geschichte um den angeblichen Abwerbeversuch des FC Liverpool eine andere Facette. Denn es gibt im Moment für die Fußballvereine, ob in England oder Deutschland, wichtige Themen als Spielertransfers. Es gilt nicht nur auf Schalke, was S04-Sportvorstand Jochen Schneider schon wiederholt gesagt hat: „Es geht jetzt um andere Dinge. Wir müssen Prioritäten setzen.“

Alles, was in diesen Tagen über Fußball-Transfers berichtet wird, liegt noch mehr im Bereich der Spekulation als in normalen Zeiten. Denn solange der Spielbetrieb ruht, kennen die Klubs gar nicht die Rahmenbedingungen, mit denen sie planen können – vor allem in finanzieller Hinsicht.

Das Beispiel Rudy und die Leihe nach Hoffenheim

Als Beispiel mag die TSG Hoffenheim dienen, die in dieser Saison Sebastian Rudy von Schalke ausgeliehen hat: Schalke-Flop Rudy ist bei seinem früheren Verein, bei dem er schon bis 2017 unter Vertrag gestanden hat, wieder Stammspieler – unter normalen Umständen wäre es naheliegend, dass die Hoffenheimer im Sommer die vereinbarte Kaufoption ziehen und Rudy endgültig übernehmen. Schalke würde dann, so wird es kolportiert, etwa sechs Millionen Euro Ablöse kassieren. Heute aber ist nicht mehr sicher, ob sich Hoffenheim dies im Sommer leisten kann, denn niemand kennt die dann herrschenden Rahmenbedingungen. Immerhin stellte Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen seinen Verein am Dienstag in einer Telefonschalte mit Journalisten als wirtschaftlich gut aufgestellten Bundesligisten dar: „Wir haben keinen unendlichen, aber einen langen Atem.“

Einen Kauf von Uth kann sich Köln kaum leisten

Als eher kurzatmig gilt dagegen der 1. FC Köln: Die Rheinländer mussten schon im Winter jeden Cent zusammenkratzen, um Schalkes Mark Uth ausleihen zu können – und das, obwohl die Gelsenkirchener sogar auf eine Leihgebühr verzichteten. Als sich Schalkes Jochen Schneider vor einigen Wochen darüber freute, dass Uth mit seinen guten Leistungen in Köln auch wieder seinen Wert auf dem Transfermarkt gesteigert habe, da ahnte er noch nichts von der Corona-Krise. Ob sich Köln im Sommer jetzt einen Zehn-Millionen-Euro-Kauf von Uth leisten kann oder ob ein anderer Klub auf den Zug aufspringt: Das steht völlig in den Sternen. Vielleicht kehrt Uth ja auch nach Schalke zurück, wo er noch einen Vertrag bis 2022 besitzt – in der Form, die er zuletzt in Köln an den Tag gelegt hat, wäre er sogar eine Verstärkung.

Bei den anderen Spielern, die Schalke gegenwärtig ausgeliehen hat, ist das nicht zu erwarten (neben Uth und Rudy sind derzeit Cedric Teuchert, Hamza Mendyl, Ralf Fährmann, Bernard Tekpetey, Steven Skrzybski, Pablo Insua, Jonas Carls und Nabil Bentaleb an andere Vereine abgegeben). Lediglich bei Ralf Fährmann ist bislang das Schalker Ansinnen bekannt, den Torwart im Sommer wieder in den eigenen Kader aufnehmen zu wollen.

Die Falschmeldung mit der Ausstiegsklausel bei Thiaw

Doch Schalke weiß heute noch nicht, was in wenigen Monaten ist. „Wir werden einen gänzlich anderen Transfermarkt im Sommer vorfinden“, glaubt Jochen Schneider: „Wir wissen noch gar nicht, wann der beginnen wird, weil wir vielleicht noch den Juli brauchen, um die Saison zu beenden.“ Im Moment fährt Schalke auf Sicht – also nur soweit, wie man die Situation überblicken kann. Deshalb gilt derzeit ein Einstellungs- und Investitionsstopp, erklärt Schneider und ergänzt: „Auch Transfergespräche sind vorerst auf Eis gelegt.“

Das heißt natürlich nicht, dass Schalke nicht auf seine eigenen Spieler achtet – so viel Weitsicht ist schon gegeben. Und wenn ein Talent aus der Knappenschmiede wie Malick Thiaw sich aufdrängt, dann sei gesagt: Der Vertrag des Youngsters auf Schalke läuft noch bis zum 30. Juni 2021. Dieses Datum ist übrigens hieb- und stichfest, der Vertrag beinhaltet keine Ausstiegsklausel. Die Engländer hatten berichtet, dass Malick Thiaw aufgrund einer Klausel für etwa 7,5 Millionen Euro wechseln könnte – das trifft nach WAZ-Informationen nicht zu.

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