Schalke

So ringt der FC Schalke 04 um die Jobs seiner Mitarbeiter

Das Logo des FC Schalke 04 auf der Geschäftsstelle. Der Klub will die Arbeitsplätze seiner knapp 600 Beschäftigten erhalten.

Das Logo des FC Schalke 04 auf der Geschäftsstelle. Der Klub will die Arbeitsplätze seiner knapp 600 Beschäftigten erhalten.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen.  Die Schalke-Profis zeigen sich mit ihrem Gehaltsverzicht loyal. Der Klub spart bis zum Sommer zehn Millionen Euro. Dennoch bleibt Kurzarbeit ein Thema.

Es war große Erleichterung zu spüren, als Schalke 04 am Freitagnachmittag mit einem in sich geschlossenen und starken Paket an die Öffentlichkeit ging. Wie bedeutsam das soeben Verkündete ist, war ganz am Ende der Mitteilung zu lesen: „Die monatliche Entlastung im Millionenbereich bedeutet einen überaus wertvollen Beitrag zur Liquiditätssicherung des Vereins und hilft, Schalke 04 als einen der größten Arbeitgeber der Region Gelsenkirchen zu sichern und zu stabilisieren.“ Schalke 04 hat sein Stabilitäts-Paket im Zuge der Corona-Krise geschnürt.

Zunächst bis zum Saisonende verzichten Lizenzspieler, Trainer und Betreuer sowie viele Verantwortungsträger des Fußball-Bundesligisten auf einen Teil ihrer Gehälter und Prämien; zusätzlich wurde eine prozentuale Aussetzung der Bezüge bis zum 30. Juni dieses Jahres vereinbart. Wie hoch die Einsparungen sind, teilte Schalke nicht mit. Nach Informationen der WAZ werden aber pro Monat etwa 2,5 Millionen Euro eingespart, so dass für die Monate März, April, Mai und Juni insgesamt 10 Millionen Euro zusammenkommen. Der größte Teil davon kommt aus den Reihen der Lizenzspieler, die natürlich auch am meisten verdienen. „Unsere Spieler haben damit eindrucksvoll dokumentiert, was ihnen unser Verein bedeutet“, sagte Sportvorstand Jochen Schneider.

Schalke spürte eine Welle der Loyalität

Nachdem die Spieler bereits vor einer Woche den Impuls gesendet hatten, auf einen Teil ihrer Bezüge zu verzichten, wurden die Gespräche am Donnerstag und Freitag auf der Geschäftsstelle geführt und zum Abschluss gebracht. Immer wieder via Skype zugeschaltet: Mannschaftskapitän Omar Mascarell, der sich nach seiner schweren Verletzung derzeit zur Reha in seiner Heimat Teneriffa befindet. Benjamin Stambouli, Daniel Caligiuri, Guido Burgstaller und Alexander Nübel, die ebenfalls dem Mannschaftsrat angehören, brachten sich vor Ort ein, ebenso erfahrene Spieler wie Bastian Oczipka oder Michael Langer. Getagt wurde in kleinsten Gruppen über zwei Tage verteilt; Cheftrainer David Wagner war die ganze Zeit dabei. Schalke spürte eine Welle der Loyalität.

Dies führten Teilnehmer auch darauf zurück, dass es dem Verein insgesamt nicht gut geht – das Geschäftsjahr 2019 wurde mit einem Verlust von 26,1 Millionen Euro abgeschlossen. So sei es auch zu erklären, dass die Einschnitte auf Schalke jetzt in der Corona-Krise tiefer gehen als zum Beispiel bei Borussia Mönchengladbach, wo die monatlichen Einsparungen auf 1 Million Euro beziffert werden. Sportvorstand Jochen Schneider: „Nachdem Peter Peters, Alexander Jobst und ich den Mannschaftsrat über die aktuelle existenzbedrohende Krisensituation informiert haben, hat die Mannschaft unmittelbar ihre volle Unterstützung zugesagt.“

Das gemeinsame Anpacken beschränkt sich freilich nicht nur auf die Lizenzspieler. Insgesamt verzichten in diesen vier Monaten der Bedrängnis 70 Personen auf einen Teil ihrer Bezüge: neben den Spielern auch Cheftrainer David Wagner sowie sein komplettes Trainer- und Betreuerteam. Dazu die drei Vorstände Schneider, Jobst und Peters sowie noch zahlreiche weitere Mitarbeiter bis hin zur Knappenschmiede, der Schalker Nachwuchsabteilung also. Ihr gemeinsames Ziel: der Erhalt der Arbeitsplätze von knapp 600 Mitarbeitern auf Schalke. So begründete auch der Mannschaftsrat laut Mitteilung des Vereins seinen Beitrag.

Schalke wird Kurzarbeit nicht vermeiden können

Tatsächlich ringt Schalke um die Jobs seiner Mitarbeiter, solange in der Bundesliga kein Ball rollt und nicht einmal Geisterspiele ausgetragen werden können. „Wir werden alles tun, um die Mitarbeiter zu schützen und ihren Arbeitsplatz zu erhalten“, verspricht Alexander Jobst, der Vorstand für Marketing und Kommunikation. Indes wird Schalke voraussichtlich in einigen Bereichen Kurzarbeit nicht vermeiden können. Jobst hatte bereits zu Beginn der Woche gesagt: „Es ist eine konkrete Überlegung, Kurzarbeit zu beantragen. Wichtig ist uns dabei aber, dass unseren Mitarbeitern dann keine wirtschaftlichen Nachteile entstehen.“

In diesem Kontext versteht man die Erleichterung auf Schalke, dass die Spieler sich den Einschnitten nicht verschlossen haben. Und signalisiert wurde auch bereits: Sollte sich die Lage rund um die Corona-Krise bis zum 30. Juni nicht entspannen, sind die Profis und auch die Vereinsführung für weitere Schritte empfänglich. Schneider hebt das Verantwortungsbewusstsein der Schalker Spieler hervor und wertet die Beschlüsse vom Freitag als „ein großartiges Zeichen der Loyalität“.

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